Test - Ground Control : Ground Control

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Wie so oft ist auch diesmal die Story in der fernen Zukunft angesiedelt. Als eine der Folgen des dritten Weltkriegs hat man sich darauf geeinigt, jegliche militärische Auseinandersetzungen auf der Erde für immer zu unterbinden. Gleichzeitig beginnt man verstärkt, ferne Planeten zu besiedeln. Dabei bilden sich bald zwei konkurrierende Machtblöcke, nämlich die "Crayven Corporation" und der "Orden der neuen Dämmerung" heraus. Auf den Planeten fern der Erde freilich gilt das Abkommen über den Verzicht auf Waffengewalt nicht und so wird dann auch bis zum letzten Blutstropfen mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln um jeden Zentimeter gekämpft. Als schliesslich auf dem Planeten Krig-7B Alien-Artefakte gefunden werden, entbrennt der Konflikt vollends ...

Die Story wird teilweise mit kleinen Videos weitergeführt oder aber durch gut gemachte Briefings zusammengehalten. Ob ihr wollt oder nicht, ihr werdet schon nach kurzer Zeit dermassen in die Handlung verstrickt, dass ihr ständig bestrebt seid, zu erfahren, wie es weitergeht.

Die 1997 gegründete schwedische Entwicklerfirma Massive Entertainment ist bisher in der Spielbranche ein eher unbeschriebenes Blatt. Mit dem Erscheinen von "Ground Control" dürfte sich das schlagartig ändern. Es handelt sich dabei um ein Echtzeit-Strategiespiel das ganz trendgemäss auf einer 3D-Engine basiert. Bisher litten Spiele dieser Art an der technisch meist nur mittelmässigen Umsetzung wie auch an umständlicher, unübersichtlicher Steuerung und Handhabung. Bei "Ground Control" fällt aber gleich zu Beginn die optisch überaus ansprechende Grafik auf, die gleichzeitig überraschend schnell und flüssig ist. Selten waren derart schöne Landschaften mit solch detaillierten Gebäuden und Einheiten wie hier zu sehen. Besonders beeindruckend aber sind die Spezialeffekte wie die Explosionen oder "lens flares". Manchmal wird es euch passieren, dass ihr vor lauter Begeisterung über die dargebotene Bildschirmpracht völlig euer Missionsziel vergisst.

Um mit der Steuerung vertraut zu werden, hat Massive ein ausgesprochen gut gemachtes Tutorial integriert, das euch an die Hand nimmt und Schritt für Schritt mit der Steuerung, dem Handling der Einheiten und dem Interface vertraut macht. Schnell wird dabei klar, dass es sich bei "Ground Control" einmal mehr um ein Spiel handelt, das gängigen Genre-Gepflogenheiten den Rücken zukehrt. So werdet ihr die Möglichkeit des Basisaufbaus, den Abbau von Ressourcen oder auch den Aufbau der eigenen Armee vergebens suchen.

"Ground Control" setzt stattdessen weitgehend auf eigene Konventionen, die aber sowohl für altgediente Strategen als auch für Neulinge schnell erlern- und begreifbar sind. So ist zum Beispiel der Kommandopanzerwagen (kurz KPW) in jeder Mission fester Bestandteil der Truppe. Dabei handelt es sich um euren mobilen Gefechtsstand, den es wie dein Augenlicht zu beschützen gilt. Denn ist erst mal der KPW zerstört, so zieht das unweigerlich das Ende der Mission nach sich. Weiter werden viele Spieler den direkten Zugriff auf einzelne Einheiten vermissen. Diese sind nämlich von Haus aus zu Gruppen, den sogenannten "Squads" zusammengefasst denen man Befehle erteilen kann. Darüber hinaus kann man die "Squads" nach Belieben zu grösseren Verbänden gruppieren.

Gerade was die Steuerung der Einheiten betrifft, bietet "Ground Control" deutlich mehr Möglichkeiten als die Konkurrenz. So kann man festlegen, wie aggressiv Einheiten vorrücken sollen, ob selbständig gefeuert oder lediglich das Feuer erwidert werden darf. Ausserdem kann man den "Squads" bestimmte Formationen befehlen, was sich oft als nützlich erweist. Auf schmalen Gebirgsgraden empfiehlt es sich beispielsweise die Säulenformation zu wählen, während hingegen beim Vorrücken auf weiten flachen Ebenen der Reihenformation der Vorzug zu geben ist um die Feuerkraft der Truppe besser auszunützen. Im Gegensatz zu anderen Spielen solltet ihr bei "Ground Control" nie das "Friendly Fire" vergessen. Das bedeutet, dass auch eigenen Einheiten von den Kugeln befreundeter Einheiten in Mitleidenschaft gezogen werden können. Ihr solltet also beim Vorrücken stets auf ein freies Schussfeld für eure "Squads" achten.

Eine typische "Ground Control"-Mission beginnt mit einem ausführlichen Briefing an Bord eines Raumschiffs. Detailliert werden die Ziele der Mission erläutert. Danach geht es an des Verladen der Einheiten in eines der riesigen Landungsschiffe. Beim Zusammenstellen der Einheiten muss man stets mit einer fest vorgegebenen maximalen Anzahl vorlieb nehmen, allerdings hat man teilweise die Möglichkeit, selbst zu bestimmen, welche Einheiten das im Detail sein sollen. Mit dem Landungsschiff werden die Truppen dann zu vorgegebenen Landezonen auf der Planetenoberfläche transportiert. Zuvor hat der Spieler noch die Möglichkeit, für jede Mission individuell den gewünschten Schwierigkeitsgrad festzulegen. Seid ihr mit euren Truppen erst mal auf der Planetenoberfläche angekommen, bleibt nur in den seltensten Fällen Zeit, sich an der prächtigen Grafik zu erfreuen. In aller Regel geht es unmittelbar voll zur Sache. Auch während der Missionen tauchen immer wieder unerwartete Wendungen in der Story auf, die durch kleine Video-Einblendungen dargestellt werden. Dadurch gelingt es Massive, beim Spieler ständig eine angenehm kribbelnde Spannung zu erzeugen. Einziger Wehrmutstropfen ist die Tatsache, dass ein Abspeichern während der Missionen nicht vorgesehen ist.

Wie man es sich von Echtzeit-Strategiespielen, die auf einer 3D-Engine basieren, erwartet, gibt es in "Ground Control" Dinge wie Terrain mit unmittelbaren Auswirkungen auf die Taktik, frei bewegliche, rotier- und zoombare Kamera und detaillierte Grafiken. Anders als bei der Konkurrenz ist die Technik hier aber durchaus ausgereift und das User-Interface wirkt durchdacht, weshalb die Bedienung leicht und zügig von der Hand geht. Da der Basisbau gänzlich fehlt, ist der taktische Part besonders stark ausgeprägt. Das geht soweit, dass sich Einheiten Vorteile verschaffen können, wenn sie sich auf Anhöhnen oder auch im Schatten von Gebäuden oder Bergketten positionieren. Ganz allgemein ist es auch ratsam, wenn ihr euch wunde Punkte der gegnerischein Einheiten merkt. Es ist in der Regel zeitmässig deutlich aufwendiger oder gar aussichtslos, gepanzerte Einheiten von vorne als von der schwächer gepanzerten Rückseite anzugreifen.

Massive Entertainment versteht es, durch den Aufbau der Story und die Zusammenstellung der Missionen ausgezeichnet, den Spieler auch auf lange Sicht zu motivieren und an den Bildschirm zu fesseln. Hat man dann die Einzelspieler-Kampagnen erst einmal durchgespielt, so sorgt der Mehrspieler-Modus für langanhaltenden Spielspass. Im LAN können bis zu acht Spieler gegeneinander antreten und über Internet können bis zu vier Spieler ihr Kräfte messen. Als spezielles Features hat Massive Entertainment den sogenannten "Drop-in"-Modus integriert. Im Gegensatz zum herkömmlichen Netzwerkmodus, in dem wie gewohnt alle gegnerischen Parteien von Beginn an auf der Karte vertreten sind und solange kämpfen, bis die vordefinierte Siegbedingung erfüllt ist, ist es beim "Drop-in"-Modus, wie wir es von 3D-Shootern kennen, jederzeit möglich, in das Spiel einzusteigen. Massive Entertainment verspricht sich davon eine höhere Popularität von "Ground Control" im Internet.
Nicht unerwähnt soll an dieser Stelle die deutsche Lokalisierung bleiben, für die offenbar ein recht hoher Aufwand betrieben wurde. Allerdings ist die Wahl der deutschen Synchronstimmen nicht immer ganz glücklich ausgefallen, womit ein klein wenig vom Flair des Spiels verloren geht. Ausserdem wurde das Spielgeschehen, wie im deutschsprachigen Raum inzwischen üblich, stellenweise etwas entschärft.

Fazit

von tiger
Es ist lange her, dass ein Echtzeit-Strategiespiel derart überzeugen konnte wie "Ground Control". Die Grafik sucht ihresgleichen, die Story ist fesselnd und ausgesprochen gut aufbereitet, die Steuerung logisch, leichtgängig und schnell zu erlernen und das Gameplay vermag den Spieler immer wieder über lange Zeit an den Monitor zu fesseln. Das Spiel ist für Freunde des Echtzeit-Strategiegenres quasi Pflicht. Ausdrücklich warnen möchte ich an dieser Stelle aber all jene, die nicht gerne auf gewohnte Traditionen wie den Basisbau oder den Abbau von Ressourcen verzichten. Beides gibt es in "Ground Control" nicht einmal ansatzweise. Spieler, die gerne in Ruhe und mit viel Liebe ihre Basis und ihre Armee aufbauen, werden bei "Ground Control" sicher nicht auf ihre Kosten kommen.
Für alle anderen aber, die sich schon immer mehr Action gewünscht haben, geht mit "Ground Control" ein kleiner Traum in Erfüllung.

Wertung

  • PC
    90
    %

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