Test - Gravity Rush 2 : Wo die Schwerkraft keine Bedeutung hat

  • PS4
Von Kommentieren

Mehr vom Selben, nur noch schöner, größer und ausladender: Das Action-Adventure Gravity Rush 2 geht keine Risiken ein. Muss es auch nicht, denn bereits der Vorgänger kam ohne Experimente aus. Protagonistin Kat trotzt weiterhin der Schwerkraft und liest gemeinen Ungeheuern per Kick-Kombo die Leviten. Kein Meisterwerk, aber grundsolider Spielspaß in schöner Cel-Shading-Grafik.

Für Entwickler ist es tragisch, wenn ihr Werk unbemerkt an der Masse vorbeizieht, obwohl es durchaus spielenswert ist. Gravity Rush wäre ein schönes Beispiel, obwohl es weniger an der Qualität des Werks lag als an dessen ungeliebter Plattform, der PS Vita. Geschlagene fünf Jahre nach der Erstveröffentlichung erreichte uns ein Remake für die PS4, dessen grafische Vorzüge vor allem Anime-Fans in Verzückung bringen sollten, nur verkümmerte es abermals ungerechtfertigt im Schatten gewaltiger Konkurrenten.

Nicht untypisch für ein Spiel, das weder zur Spitzenklasse gehört noch als Schandfleck gilt. Das Prädikat „gut“ wird heutzutage viel zu oft übersehen. Kein Wunder also, dass der Nachfolger mit dem simplen Titel Gravity Rush 2 genau dann erscheint, wenn sich so gut wie nichts auf dem Markt tut: Jetzt, kurz nach dem Weihnachtsansturm und noch vor der Frühjahrswelle, wenn der eine oder andere frischgebackene Konsolenbesitzer die obligatorische Christkind-Beigabe durchgezockt hat und nach neuem Futter lechzt.

Das Angebot ist gar nicht mal schlecht, immerhin hat allein die Protagonistin schon einiges zu bieten: Neben schönen Kurven und einer Portion schelmischem Charme etwa die Fähigkeit, der Schwerkraft zu trotzen. Die junge Dame mit Namen Kat schwebt nach Belieben von Ort zu Ort, wobei sie es allerdings nicht Superman gleichtut. Vielmehr gleitet sie durch die Lüfte. Etwas unbeholfen, vielleicht sogar tollpatschig – solange sie nicht zu einem Angriff ansetzt, bei dem sie den Wind mit den Stiefeln voraus schneidet.

Über und unter den Wolken

In einer Welt, in der Felseninseln, Holzhütten und ganze Siedlungen in Formation schweben, könnte man meinen, es ginge um nichts Ungewöhnliches, doch Kat sorgt mit ihren Fähigkeiten für ebenso viel Neid wie Bewunderung unter Freunden und Rivalen. In anstrengender Schichtarbeit zwängen sie sich in klobige Gravitationsanzüge, die an alte Tauchergarnituren erinnern, fahren kilometertief auf schwebende Inseln hinab und bauen wertvolle Edelsteine ab. Dazwischen turnt Kat mit Leichtigkeit an ihnen vorbei und muss die Klunker nicht einmal mit schwerem Gerät herausbohren. Ein paar Tritte gegen eiförmige Nester genügen, schon springen ihr die edlen Steinchen entgegen.

Angeboren ist ihr die Fähigkeit aber nicht. Eine kleine schwarze Katze, die stets an ihrer Seite schlendert, verleiht Kat die Gabe der Schwerelosigkeit, welche nicht nur das Schweben in dünner Luft ermöglicht. Unsere Heldin kann auch auf jeder Kante eines Gebäudes (oder Gebildes) entlang spazieren, solange der zugehörige Kraftbalken nicht auf den Nullwert sinkt. Eine schwindelerregende Angelegenheit. Nach einiger Zeit mit Kat werdet ihr buchstäblich vergessen, wo oben und unten ist.

Zumindest zeitweise, denn Kats Hauptbeschäftigung abseits des Sammelns von Edelsteinen ist das Verprügeln schwarzer Monster, die sie unter dem Namen „Nevi“ kennt. Die Einwohner der schwebenden Siedlung, in der Kat derzeit ihre Arbeit verrichtet, nennen sie hingegen „Skarabäen“. Nicht, dass der Name von Bedeutung wäre. Herkunft und Absichten sind ebenso unwichtig. Ihr müsst nur eines wissen: Ihre großen Glubschaugen, die in den seltensten Fällen am Kopf hervorschauen, sind stets ihre verwundbaren Stellen. Also immer rein mit den Hacken der Stiefel.

Alternativ könnt ihr mithilfe von Kats Kräften ein Stasisfeld erschaffen, das herumliegende Gesteinsbrocken schweben lässt. Auf Befehl sausen sie den Monstern entgegen – und verfehlen ihr Ziel dank einer halbautomatischen Peilfunktion so gut wie nie. Praktisch, aber nicht immer von Nutzen. Liegt kein Geröll (oder zumindest ein paar stachelige Pflanzen) herum, so fehlt es an Munition für diese Fähigkeit.

Könnte dichinteressieren

Kommentarezum Artikel