Test - Grand Theft Auto: Vice City Stories : Kriminell guter 80er-Jahre-Trip

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Nur wenige Monate später als die Handheld-Anhänger kommen nun auch notorische PSP-Verweigerer in den Genuss von ’Grand Theft Auto: Vice City Stories’. Ob der kriminelle Ausflug in das Miami der 80er-Jahre auch auf der PS2 zu begeistern vermag, klären wir im Review.

Von PSP zu PS2 zu den 80ern

Miami, Koks, grelle Neonfarben (bevorzugt Türkis und Pink), hässliche Anzüge, Popper versus Punks, Phil Collins fristet sein Dasein noch nicht als überbezahlter Fahrstuhlmusik-Lieferant, Don Johnson ist ein TV-Held bester Güte, in die Disco kommt man als Macho nur mit lächerlicher Frisur (auf Kopf und Brust) und im Radio plärren unzählige Pop-Künstler schnulzige Liebeslieder. Wer bei diesen Stichworten an die 80er-Jahre denkt, der liegt genau richtig. Wer ’Grand Theft Auto: Vice City’ im Kopf hat, trifft es gar noch besser. Denn ’Vice City Stories’ auf der PSP setzt voll auf die 80er-Retrowelle, wie schon der namensähnliche Vorgänger auf der PS2. ’Vice City Stories’ bietet im Vergleich zu ’Vice City' zwar dasselbe Gameplay und Setting, ansonsten ist es aber ein neues Abenteuer mit neuen Missionen, manch alten sowie neuen Figuren und einigen Verbesserungen. Wer schon ’Vice City Stories’ auf der PSP gespielt hat, kann sich den Griff zur PS2-Fassung aber sparen, denn es handelt sich inhaltlich um eine direkte Umsetzung. PS2-Besitzer bekommen also keine neuen Missionen spendiert, ja sogar der Mehrspieler-Modus der PSP-Version fiel der Schere zum Opfer. Wer die PSP-Version aber noch nicht gespielt hat, darf sich auf eine umfangreiche neue ’GTA’-Episode freuen, deren Szenario gegenüber dem alten ’Vice City’ gar etwas verändert wurde – schließlich ist die Handlung auch zwei Jahre früher angesiedelt.

Freischaffender Gangster wider Willen

In puncto Story haben sich die Entwickler wieder mal einiges einfallen lassen, um das recht gleichförmige Spielprinzip der ’GTA’-Formel etwas aufzulockern. Natürlich sind die zahlreichen und dialoglastigen Zwischensequenzen wieder ziemlich schräg und bieten sehr viel Humor und satirisches Augenzwinkern, was bereits zeigt, dass die Gangster-Action nicht allzu ernst zu nehmen ist. Denn wieder verschlägt es den Spieler in die Verbrecherwelt der Stadt, wo er allerlei fiese Aufträge, wie Mord, Diebstahl, das Finden und Ausliefern von heißer Ware und ähnliches, erledigen muss. Dabei ist der Held namens Vic Vance kein Kleingangster, sondern ein pflichtbewusster Soldat. In einer korrupten, von Prostituierten, Waffengeschäften und Drogen verseuchten Umgebung wird er aber rasch in die Unterwelt der Stadt getrieben, wo das schnelle Geld, die schnellen Karossen und der schnelle Tod warten. Der in mancherlei Aspekten von Zweifel und Zwiespalt getriebene Hauptcharakter ist sehr gelungen und macht die Handlung interessanter. Am eigentlichen Spielprinzip wurde erwartungsgemäß nicht gerüttelt: Nach wie vor erkundet ihr zwischen den Missionen eine frei befahrbare Stadt, nehmt Aufträge an, erledigt diese entweder zu Fuß oder mit einem geklauten Fortbewegungsmittel und setzt dabei natürlich allerlei Waffen wie Pistolen oder Schlaginstrumente ein. Ähnlich wie schon in ’Liberty City Stories’ sind die Missionen des neuen Spiels recht kurz ausgefallen – dies liegt daran, dass die Missionen auf ein schnelles Spielchen für zwischendurch auf der PSP ausgelegt sind und für PS2-Verhältnisse nicht angepasst wurden. Bis ihr alle Missionen erledigt, alle Jobs und Nebenaufgaben gemeistert und alle Geheimnisse entdeckt habt, werden trotzdem unzählige Stunden vergehen.

’Grand Theft Auto: Vice City Stories’ bietet im Vergleich zu ’GTA’: Liberty City Stories’ nicht nur ein "neues" Terrain und neue Missionen, sondern auch ein paar Verbesserungen. So sind endlich auch Hubschrauber und Boote steuerbar, außerdem kann unser Held jetzt schwimmen. Die Steuerung wurde in puncto Wagen-Handling und Zielsystem ebenfalls verbessert, vor allem Letzteres ist aber nach wie vor ein Schwachpunkt, da ihr nicht selten eine falsche Figur anvisiert. Auch das Fliegen sowie das Behalten der Übersicht ist nicht so einfach. Technisch ist die PS2-Variante ebenfalls eine direkte Umsetzung der PSP-Vorlage, was man grafisch deutlich sieht: Die Texturen, die Details und die Polgyondichte sind deutlich schwächer als in ’GTA: San Andreas’. Dafür gibt es immerhin im Vergleich zum PSP-Spiel einen neuen Unschärfe-Filter, verbesserte Lichteffekte, eine höhere (aber instabile) Framerate und sehr kurze Ladezeiten. Trotzdem wirkt die Optik ganz schön veraltet. Ebenfalls schade: Eine Surround-Abmischung gibt es nicht. Ansonsten kann der Sound voll überzeugen: Der exzellente 80er-Soundtrack und die schrägen Radiotalks sind einfach Kult und auch die englische Sprachausgabe ist hervorragend gelungen. Wie gehabt müssen Käufer der deutschen Version mit einigen Kürzungen bei der Gewaltdarstellung leben.

Fazit

von David Stöckli
Was auf der PSP begeistert, wirkt so schnöde umgesetzt auf der Heimkonsole längst nicht mehr so gut. Die klobige Grafik, die auf Handheld-Verhältnisse gekürzten Missionen und das mittlerweile arg nach einer Überarbeitung verlangenden Zielsystem nagen an der Wertung. Dank des tollen 80er-Jahre-Flairs und gewohnt spaßigen Gameplays lohnt sich der Titel aber als Zeitvertreib für alle ’GTA’-Fans, die auf den offiziellen vierten Teil warten.

Überblick

Pro

  • tolle 80er-Jahre-Atmosphäre
  • viel Humor
  • gewohnt spaßiges ’GTA’-Gameplay

Contra

  • zu kurze Missionen
  • technisch veraltet
  • hakelige Zielsteuerung

Wertung

  • PS2
    79
    %

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