Test

Gears of War: Judgment

Henkersmahlzeit

  • X360

Das Ende der aktuellen Konsolengeneration ist da. Das merkt man nicht nur an der begrenzten Leistungsfähigkeit der Hardware, sondern auch an den Spielen. Bekannte Marken werden nicht fortgesetzt, sondern weichen vom Grundgerüst ab oder wagen den Schritt in die Vergangenheit. So auch Epics Third-Person-Shooter Gears of War. Doch anstatt an den dritten Teil und den eigentlichen Abschluss der Saga anzuknüpfen, überlässt Epic den Entwicklern von People Can Fly das Feld. Sie drehen mit dem Ableger Judgment die Zeit zurück, konzentrieren sich auf andere Schicksale und servieren damit ein Kapitel des Locust-Krieges, das sich zwar von den anderen Teilen unterscheidet, aber in der Essenz nicht eindeutiger Gears of War sein könnte.

Das Kilo-Squad steckt in der Klemme. Als in der Stadt Halvo Bay am Emergence Day 15 Jahre vor dem ersten Gears of War die Hölle ausbricht und die Locust angreifen, sieht sich die Einheit gezwungen, auf eigene Faust zu handeln. Das schmeckt dem Oberkommando der KOR gar nicht, weswegen sich die vier Gears-Soldaten vor dem Kriegsgericht verantworten müssen. Die Spezialeinheit besteht aus alten Bekannten: Im Mittelpunkt stehen allerdings nicht Marcus Fenix oder Dominico "Dom" Santiago, sondern der junge Damon Baird und  "Cole Train" Augusts Cole.

Die Furcht vor dem Heldentum

In Rückblenden wird die Akte des Kilo-Squads aufgerollt. Dabei darf jeder mal zu Wort kommen. Ihr spielt in der gut siebenstündigen Kampagne also nicht nur Baird und Cole, sondern auch die beiden Neuzugänge Sofia Handrik, eine Kadettin der Onyx-Akademie, und Garron Paduk, einen raubeinigen Soldaten, der vor dem Krieg gegen die Locust der "Vereinigung der unabhängigen Republiken" diente und somit ein Feind der "Koalition der ordentlichen Regierungen" war. Auswirkung auf die Spielmechanik haben die verschiedenen Soldaten nicht. Die sich nicht immer sympathische, bunt gemischte Truppe dient eher als Katalysator für die Handlung. Das Konfliktpotenzial wird ebenfalls nur oberflächlich thematisiert. Gears of War: Judgment ist keine Charakterstudie, sondern ein deftiger Deckungs-Shooter.

Gears of War: Judgment - Meet Kilo Squad Trailer

Die meiste Zeit verbringt ihr ballernd hinter Mauern oder anderen Vorsprüngen und zerfetzt die Locust-Monster mit allerhand Gewehren und Granaten in Einzelteile. Im Gegensatz zum zuletzt erschienen dritten Teil setzen die Entwickler aber andere Prioritäten. Statt einer möglichst spektakulären Präsentation zu frönen, die versucht euch mit Dramatik aus den Sitzen zu fegen, rücken sie die Gefechte klar in den Mittelpunkt. Auf umfangreiche Zwischensequenzen wird in den Rückblenden fast gänzlich verzichtet. Gears of War: Judgment orientiert sich verstärkt an den Ursprüngen der Serie. Das hat Vor- und Nachteile: Ihr erlebt die intensivsten Schusswechsel in der Geschichte der Serie, aber erzählerisch ist dieser Ableger noch belangloser als seine Vorgänger.

Wo ist der Feind?

Ihr werdet in der Kampagne viele Locust-Löcher stopfen. Zwei entscheidende Kniffe werten dieses Vorhaben auf. Da sind zum einen die Deklassifizierungen. Dabei handelt es sich um optionale Modifikatoren, die ihr in jedem Abschnitt aktivieren könnt, wodurch ihr eine anspruchsvollere Spielerfahrung serviert bekommt. Da sie recht stimmig in den Erzählstil verwoben werden, fühlt sich dieses Spielelement nicht fremd an. Mal stehen euch nur bestimmte Waffen zur Verfügung, mal müsst ihr gegen härtere Gegner kämpfen, mit eingeschränkter Sicht klarkommen oder unter Zeitdruck den Ausgang des Abschnitts finden. Dafür bekommt ihr einen Bonus auf eure abschließende Bewertung. Je mehr Sterne, desto besser.