Special - Buchtipps zu Weihnachten : Bücher zum Fest

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    Kunst und Kommerz

    Einige der besten Videospielbücher befassen sich primär mit den Leuten hinter den Spielen und ihren teils ungewöhnlichen Werdegängen. So wie David Kushners "Masters of Doom", das sich natürlich mit dem Ahnen aller Ego-Shooter beschäftigt, vor allem aber auch mit den beiden Machern John Carmack und John Romero, den vielleicht ersten Videospiel-Rockstars. Apropos Rockstar: "Jacked: The Story of Grand Theft Auto", ebenfalls von Kushner, erzählt die Geschichte der Houser-Brüder und ihres GTA-Imperiums. "Extra Lives: Why Video Games Matter" von Tom Bissel beschäftigt sich hingegen mit verschiedenen Persönlichkeiten der Branche, wie der Indie-Ikone Jonathan Blow oder Cliff "Cliffy B" Bleszinski. Gleichzeitig liefert das Buch den einen oder anderen Schwank aus Bissels Leben und geht der Frage nach, warum uns Videospiele eigentlich so bewegen. Zu den Spielen, die dies meisterhaft vermochten, zählen auch viele Titel von LucasArts. Umso trauriger, dass der Entwickler Anfang des Jahres seine Pforten schloss. "Rogue Leaders" dokumentiert auf 250 Seiten die Geschichte der Monkey-Island- und Star-Wars-Macher. Das Vorwort stammt von keinem Geringeren als George Lucas.

    Die Debatte, ob Videospiele nun Kunst sind oder nicht, wird wohl noch länger geführt werden. Gute Argumente für das Medium liefern Bücher wie Josh Jenischs "The Art of the Video Game", "Gamescenes: Art in the Age of Video Games" oder die Begleitbände zur Ausstellung "iam8bit" in Los Angeles, bei der wir bereits zweimal zu Gast waren. Hinzu kommen unzählige Artbooks und aufwendige Enzyklopädien zu den verschiedensten Spielen. Stellvertretend sei hier die "Hyrule Historia" genannt, die viele Zelda-Fans sicherlich schon im Schrank stehen haben. Zu Recht, denn der Wälzer ist liebevoll gestaltet und liefert viele Zusatzinformationen, wie eine offizielle Zeitlinie, die selbst Serienkenner noch verblüffen können.

    Medienwirksam

    Wenn es um Videospielkultur geht, ist "Trigger Happy" von Steven Poole noch immer der große Klassiker. Als einer der Ersten versuchte der Autor sich den Videospielen auf eine Art zu nähern, die über übliche Rezensionsschemata hinausgeht. Jane McGonigal stellt in "Besser als die Wirklichkeit!" gar die These auf, dass Videospiele nicht nur kulturell bedeutsam sind, sondern uns sogar zu besseren Menschen machen können. Retten wir am Ende nicht nur in Spielen die Welt, sondern die Welt durchs Spielen? Für die Schnittstelle von Filmen und Spielen interessiert sich Jamie Russell in "Generation Xbox: How Video Games Invaded Hollywood". Dabei geht es nicht nur um die Geschichten hinter den fragwürdigen Zelluloidversionen bekannter Spielreihen, sondern auch um den Einfluss der Videospiele hinsichtlich Ästhetik und Technologie.

    Dabei sind Videospiele längst über ein weiteres Medium hergefallen. Kaum eine Reihe, zu der es keinen dazugehörigen Roman gibt. Die Prosa ist dabei meistens schlicht, Preisverdächtiges sollte niemand erwarten. Dennoch finden sich so manche Perlen wie "Halo: Die Schlacht um Reach" von Eric Nylund oder "BioShock: Rapture" von John Shirley, das die Vorgeschichte zum Spiel erzählt. Manch anderer Roman basiert nicht direkt auf einem digitalen Werk, hat sich aber deutlich vom Medium Videospiele inspirieren lassen. Sehr empfehlenswert ist etwa "Ready Player One" von Ernest Cline, ein Fest für alle, die in den 80er- oder 90er-Jahren aufgewachsen und/oder MMO-affin sind. Oder "Du bist tot" von Charles Stross, bei dem es um einen virtuellen Banküberfall mit realen Konsequenzen geht. Bleiben noch die Kultklassiker, auf die sich auch heute noch unzählige Entwickler berufen: "Snow Crash" von Neil Stephenson und "Neuromancer" von William Gibson. Die Romane der beiden Visionäre handeln nicht nur von Themen, die auch heute noch aktuell sind, sondern etablierten auch Begriffe wie "Avatar" oder "Cyberspace".

    Leider sind viele dieser Bücher nicht auf Deutsch erschienen und werden das wahrscheinlich auch nie. Wer sich trotzdem herantraut, entdeckt ein erstaunlich vielfältiges Angebot, das unser schönes Medium noch reichhaltiger und spannender macht. Habt ihr weitere Tipps und Empfehlungen, postet diese doch in den Kommentaren. Auch die größte Leseratte ist immer auf der Suche nach neuem Futter.

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