Special - Buchtipps zu Weihnachten : Bücher zum Fest

    Von Kommentieren

    Vor längerer Zeit habe ich euch in losen Abständen lesenwerte Videospielliteratur vorgestellt und mich dafür sogar in ein viel zu enges (Lese-)Rattenkostüm gezwängt. Nun ist die Leseratte zurück und sagt euch, welche Bücher ihr euch unter den Weihnachtsbaum legen lassen oder selbst verschenken solltet. Das Angebot ist vielfältiger und hochwertiger als je zuvor. Wer das gedruckte Wort nicht scheut, wird hier sicherlich fündig.

    Wer sich einen schnellen Überblick über die weite Welt der Videospiele verschaffen will oder einfach nur ein kompetentes Nachschlagewerk sucht, sollte sich "1001 Video Games You Must Play Before You Die" zulegen. Das von Tony Mott herausgegebene, 960 Seiten starke Mammutwerk umfasst Spiele von den ganz frühen Pixeljahren bis zur Moderne. Mit den Leuten und Firmen hinter den Werken befasst sich das "Lexikon der Computer- und Videospielmacher" von Altmeister Winnie Forster. Der sehr empfehlenswerte und umfassend recherchierte Wälzer zeigt interessante Verbindungen und Entwicklungen innerhalb der Branche auf, auch wenn er freilich keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben kann. Wer sich hingegen in erster Linie für die Werke von Firmen wie LucasArts und Sierra interessiert, bekommt mit "The Guide to Classic Graphic Adventures" eine kompetente Übersicht über das Point-&-Click-Genre.

    Dienen die oben genannten Bücher eher zum Nachschlagen, taucht die "Ultimate History of Video Games" tief in die Materie ein. Der Titel des Türstoppers ist keine Übertreibung. Autor Steven Kent beschreibt die Geschichte der Videospiele von der Ursuppe bis zum Beginn dieses Jahrtausends bis ins kleinste Detail. Dass das Buch dabei trotzdem stets unterhaltsam bleibt, ist eine große Leistung. Als Ergänzung bietet sich "Replay: The History of Video Gamesvon Tristan Donovan an, das einen etwas globaleren Blick auf die Videospielhistorie gewährt und auch die europäischen Errungenschaften nicht ausklammert. Das grauenhafte Cover sollte euch keinesfalls vom Kauf abhalten. Speziell um Nintendo geht es in Jeff Ryans "Super Mario: How Nintendo conquered America", das sich die Frage stellt, wie es eine japanische Firma, die jahrzehntelang lediglich Spielkarten produzierte, schaffen konnte, zum Videospielmagnaten zu werden und mit Mario eine Figur zu kreieren, die mittlerweile bekannter ist als Micky Maus.

    Kulturzeit

    Um den Einfluss ausgewählter Titel wie GTA, Donkey Kong oder Everquest auf die Videospielindustrie und die popkulturelle Wahrnehmung von Spielen geht es in Harold Goldbergs "All Your Base Are Belong to Us". Benannt nach dem vielleicht bekanntesten Übersetzungsfehler der Videospielgeschichte, liefert das Buch viele Details und so manche kaum erzählte Anekdote zu einigen der einflussreichsten Spielen der Branche. Eines der bekanntesten Werke der akademischen Videospielliteratur ist "Half-Real" von Jesper Juul. Auf dem relativ jungen und so vitalen Feld der Spieltheorie mögen einige von Juuls Thesen seit ihrer Veröffentlichung vor nunmehr acht Jahren nicht mehr die aktuellsten sein, lesenswert bleibt das Buch des Ludologen aber allemal. Noch verkopfter und um einiges umfangreicher kommen die beiden "Video Game Theory Reader" daher. Zahlreiche Fachleute und Wissenschaftler befassen sich hier mit Themen, bei deren Namen schon vielen Laien die Köpfe rauchen dürften, wie zum Beispiel "Z-Axis Development", "Media Convergence and Self-Defeating Adaptations" oder "Embodiment and Interface".

    Leichter verständlich ist "A Mind Forever Voyaging" von Dylan Holmes, das sich einem bisher sehr vernachlässigten Themenbereich widmet. Das Buch befasst sich mit der Geschichte des Storytellings in Videospielen anhand exemplarischer und in diesem Bereich revolutionärer Titel wie Half-Life, Metal Gear Solid oder Dear Esther. Durch die Lektüre versteht man, wie facettenreich das Thema ist und warum sich viele Spiele trotz zahlreicher Errungenschaften in diesem Punkt noch immer so schwertun. Wer es in Zukunft besser machen will, kann in "The Ultimate Guide to Video Game Writing and Design" oder "Professional Techniques for Video Game Writing" Anregungen und Tipps finden. Verlangt es euch hingegen nach einer Karriere als Videospieljournalist, könnten "Up Up Down Down Left WRITE" von Nathan Meunier oder "Critical Path: How To Review Videogames For a Living" von Dan Amrich was für euch sein.

    Könnte dichinteressieren

    Kommentarezum Artikel