Test

Game of Thrones

Viele Worte, wenig Spiel

  • PC
  • PS3
  • X360

Wer kennt sie nicht – die TV-Serie "Game of Thrones" und ihre Buchvorlage von George R. R. Martin sind derzeit in aller Munde und überaus beliebt. Da war es nur eine Frage der Zeit, bis auch Entwickler und Publisher auf die Idee kommen sollten, ihr Stückchen vom Kuchen abzuschnippeln. Die Tatsache, dass ausgerechnet Cyanide, die in der Vergangenheit nicht gerade mit qualitativ hochwertigen Titeln glänzten, für das Spiel zu Buch und Serie verantwortlich sein sollten, sorgte allerdings schon im Vorfeld für Magenverstimmung. Leider mit Recht, denn bei allen Mühen um Lizenz und Handlung haben die Entwickler offenbar das eigentliche Spiel vergessen.

An der Geschichte des Rollenspiels ist im Grunde wenig auszusetzen. Die Handlung startet mehr oder minder gleichzeitig mit den Ereignissen des ersten Romans und lässt euch, anfangs noch abwechselnd in den insgesamt 15 Kapiteln, die Rolle von zwei Hauptfiguren übernehmen. Mors Westford ist ein alter Kriegsveteran und fristet seinen Dienst in der Nachtwache mit eiserner Treue und kümmert sich dort anfänglich noch um Übergriffe der Wildlinge und die Jagd nach Deserteuren. Doch dann trifft ein Brief von seinem alten Freund Jon Arryn, der rechten Hand des Königs, ein. Mors soll sich um eine junge Frau kümmern, die sich dort versteckt hält, wo nur Mors sie finden kann. Als Mors dem letzten Wunsch des mittlerweile verstorbenen Arryn nachkommt, sticht er in ein Wespennest aus Verrat und Korruption.

Alester Sarwyck hingegen hat andere Probleme. 15 Jahre nach seinem freiwilligen Exil als Roter Mönch kehrt er in seine Heimat zurück, um den Feierlichkeiten zum Tod seines Vaters beizuwohnen. Doch im heimischen Flussrath läuft wahrlich nicht alles rund. Die Bevölkerung hungert und steht kurz vor der Rebellion. Viel schlimmer noch: Alesters Bruder Gawen wird des Mordes an seinem Vater bezichtigt, während der uneheliche Halbbruder Valarr mit Unterstützung der Königin Alesters Schwester heiraten und die Macht in Flussrath übernehmen will. Besagte Königin wiederum kocht ihr ganz eigenes Süppchen und so steckt Alester mitten in einem Schmelztiegel der Intrigen, aus dem er irgendwie heil herauskommen will.

Die Handlung: besser als befürchtet

Die Geschichte ist gut ausgedacht und hält sich an die grundsätzliche Konzeption der Vorlage. Fans von Buch und Serie werden sich zumindest inhaltlich schnell wohlfühlen, zumal es immer wieder Querverweise gibt und sogar einige bekannte Gestalten auftreten, wie beispielsweise Jeor Mormont in der Schwarzen Festung oder Königin Cersei Lennister. Die übrigens sind ihren Serienvorbildern recht eng nachempfunden und bekamen sogar die originalen Synchronstimmen spendiert. Game of Thrones entpuppt sich vor allem als sehr dialoglastiges Spiel. Es wird viel geredet, manchmal etwas zu ausufernd und nicht selten mit inhaltlichen Wiederholungen, aber vor allem die Hauptrollen sind sehr gut auf deutsch vertont. Nur in den Nebenrollen entdeckt man Schwächen und einige sich häufig wiederholende Sprecher. Allerdings muss man etwas Geduld mitbringen, denn es dauert eine Weile, bis die Handlung nach einigen Überraschungen richtig auf Touren kommt.

Die Motivation ist aber da, die Dialoge sind interessant und stilecht und die Frage, wie nun die beiden parallelen Handlungsstränge, zwischen denen ihr hin- und hergeworfen werdet, letztendlich zusammenlaufen, ist absolut spannend - mit einigen faustdicken Überraschungen. Auch gefallen die gut ausgearbeiteten Hauptcharaktere, wie der knochentrockene Haudegen Mors, der ehrenvolle Alester, aber auch deren Gegenspieler, allen voran der fiese Valarr. Visuell sind die Figuren ebenfalls recht gut in Szene gesetzt, allerdings hapert es in den vielen Dialogsequenzen massiv am Geschick bei der Inszenierung. Zudem wirken die Dialoge aufgrund mangelnder Mimik der hölzernen Gesichtszüge leider viel zu emotionslos, trotz der guten Sprecher. Schade auch, dass die Nebenfiguren austauschbar bleiben.

Game of Thrones: Das Lied von Eis und Feuer - Launch Trailer

Schön wiederum ist, dass ihr immer wieder vor kleinere oder größere Entscheidungen gestellt werdet, die sich letztendlich darin auswirken, dass es fünf verschiedene Enden gibt. Auch die Aufgabenstellungen können sich meist sehen lassen. Die Hauptgeschichte bietet abwechslungsreiche Quests, die von der Handlung vorangetrieben werden. Ergänzt wird das Geschehen durch sporadische Nebenquests, die zum Teil simple Sammelaufgaben, zum Teil aber auch gut gestrickte Minigeschichten umfassen. Das Level-Design kann da allerdings nicht mithalten, es besteht zumeist aus sehr eingegrenzten, recht linearen Umgebungen mit herzlich wenig Abwechslung.

Los geht es mit den Mängeln

So weit die überwiegend positive Seite des Spiels. Denn abgesehen von der insgesamt guten Handlung gibt es wenig, womit die Franzosen punkten können. Gespielt wird aus der Third-Person-Perspektive, wobei ihr teils einen, teils zwei Charaktere nebst Hund steuert. Richtig aktiv ist zwar nur einer, Wechsel sind aber möglich. Interaktive Objekte werden mit einem Zeichen markiert, leider sind dies viel zu wenige. Euch werden herzlich wenig Freiheiten gelassen, die raue mittelalterliche Spielwelt zu erkunden, die oftmals extrem leer und leblos wirkt. Auf einem Radar seht ihr nur Symbole für Quests, Türen oder relevante NPCs. Zur Orientierung müsst ihr stets auf die eigentliche Karte wechseln.

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