Test - Final Fantasy IV : Die Rückkehr des SNES-Epos

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Square Enix holt nicht nur den SNES-Klassiker aus dem Grab hervor, sondern schickt den RPG-Hit gleich noch mittels 3D-Schönheitsoperation in das Rennen um die Gunst der heutigen Spieler. Doch reicht dies, um den Staub abzuschütteln? Wir lüften dieses Geheimnis im folgenden Review.

Die Leiden eines Königsknechts

Das kennt eigentlich jeder aus seinem Berufsleben: Wenn der Cheffe etwas befiehlt und dabei auch noch schlechte Laune hat, dann hält man besser seine Klappe und erledigt einfach nur den Auftrag. Der dunkle Ritter Cecil hätte dies auch tun sollen. Nachdem er aber mit seiner Truppe das friedliche Nachbarland beraubt hat und nun beim König wegen des Sinns der Mission nachhakt, werden er und sein Ritterkumpel Kain just degradiert. Die beiden müssen als Strafexpedition einen Ring in ein Dorf bringen, das dann mitsamt Einwohnern dem Untergang geweiht ist.

Endgültig wird Cecil von seinem schlechten Gewissen und seinem destruktiven Schicksal gequält. Er macht sich auf, die Gründe für die böse Seite des Königs zu enträtseln und nach vier machtvollen Kristallen zu suchen. Dabei wird er zunächst von Kain begleitet, später stoßen unter anderem Cecils Freundin Rosa als Weißmagierin, der Barde Edward und die Beschwörerin Rydia zu dem Team hinzu.

Zufällige Kämpfe und Level-Schwerpunkt

Wie es sich für eine RPG-Truppe gehört, kommen nach und nach weitere Charaktere dazu und es wechseln die aktiven Mitglieder. Ihr habt dann die Wahl, welche Gesellen ihr in die Schlachten schicken wollt. Eine Stärke von 'Final Fantasy IV' ist das Charakterdesign. Nicht nur die Helden, sondern auch diverse Nebencharaktere und die wichtigsten Bösewichter besitzen eine interessante Hintergrundgeschichte. Gerade der von Sünden geplagte und unglücklich liebende Cecil ist eine angenehme Abwechslung zum üblichen Heldenklischee. Insgesamt ist die Story gut geschrieben und fesselt an den Handheld, auch wenn einige Handlungsfäden etwas zu kurz abgehandelt werden. Immerhin haben die Entwickler diesbezüglich die Vorlage verbessert, gibt es insgesamt doch ein paar Story-Passagen mehr als im Original.

Nichts verändert wurde am Kampfsystem. Dieses ist in bester 'Final Fantasy'-Tradition gehalten, wie sie europäische Spieler vor allem aus 'Final Fantasy VII' kennen. Will heißen: Die Kämpfe laufen gewissermaßen rundenbasiert ab, allerdings per Active-Time-Battle-System. Eine Energieleiste baut sich für jede Figur auf. Ist sie voll, dürft ihr angreifen, Items verwenden oder Fertigkeiten nutzen - so setzt ihr Magie oder Summon-Monster ein. Eher 'FF'-untypisch ist das Klassensystem, das jeder Figur spezifische Fertigkeiten verleiht, die wiederum vom Spieler verändert werden dürfen. Rollenspielstandard sind natürlich diverse Waffen und Rüstungsteile, Statusveränderungen sowie das Aufleveln.

Auf Letzteres legt 'Final Fantasy IV' besonders viel Gewicht. Um nach dem ziemlich einfachen Start nicht schon bald den DS vor Frust in das letzte Verlies zu pfeffern, müsst ihr eure Figuren und deren Fertigkeiten aufleveln, was das Zeug hält. Das bedeutet, dass ihr auf der Weltkarte viele Duelle bestreitet. Kein Wunder, dass es enorm häufig Zufallskämpfe gibt. Wollt ihr jedoch mal nicht euren Level erhöhen und stattdessen vorankommen, nerven die Fights mit den zunächst unsichtbaren Feinden gehörig.

Aus alt mach neu

Wie eingangs schon erwähnt, handelt es sich bei 'Final Fantasy IV' nicht um ein neues Spiel, sondern um ein Remake eines früheren 'FF'-Abenteuers - selbst Toastbrot-Hirne haben dies anhand der Zahl im Namen wohl schon geahnt. Das aus dem Jahre 1991 stammende SNES-RPG erschien schon auf Wonderswan und PSone, bei der DS-Umsetzung hat sich Square Enix aber deutlich mehr ins Zeug gelegt. Die 16Bit-Grafik wurde über Bord geworfen, stattdessen erstrahlt das epische und sehr umfangreiche Abenteuer in aufwändiger 3D-Grafik. Diese ist DS-typisch etwas pixelig, spielt abgesehen von den Figuren aber ganz weit vorne mit. Hervorzuheben sind hierbei vor allem die dramatisch in Szene gesetzten und in Echtzeit gerenderten Zwischensequenzen sowie das bombastische Render-Intro. Dazu kommen eine erstaunlich gut klingende englische Sprachausgabe und eine hübsche Musikuntermalung. Diese kann zwar nicht ganz mit anderen 'FF'-Ohrwürmern mithalten, ist aber trotzdem stimmig.

Inhaltlich wurde ebenfalls an 'FF IV' gefeilt. Die Story wurde leicht erweitert, außerdem gibt es nun mehr Hintergrundinfos und Gedankengänge der Hauptfiguren zu lesen. Der hohe Schwierigkeitsgrad wurde ein wenig abgemildert, trotzdem ist auch das DS-Remake gerade im Hinblick auf die zähen Bossgegner nix für RPG-Neulinge. Weitere Neuigkeiten: Es gibt eine zusätzliche Quest, ein neues Summon-Monster und (ziemlich öde) Minispiele. Bei Letzteren könnt ihr per Touchscreen steuern und ein Summon-Monster namens Poschka hegen und pflegen. Dieses Vieh dürft ihr dann gegen die Kreatur eines anderen Spielers antreten lassen. Nett gemeint, aber langweilig und sehr überflüssig.

Der Touchscreen kommt auch zum Einsatz, wenn ihr per Stylus eure Heldentruppe in bestimmten Gebieten direkt lenken wollt. Die Steuerung mittels Digi-Kreuz und Buttons geht jedoch besser von der Hand. Last but not least sei die mehr als bloß überzeugende deutsche Übersetzung der Bildschirmtexte erwähnt. Ein Lob an das Lokalisierungsteam!

Fazit

von David Stöckli
Trotz seines Alters und einiger mittlerweile unzeitgemäßer Spielelemente, wie dem stark im Zentrum stehenden Aufleveln und den viel zu häufigen Zufallskämpfen, beweist ’Final Fantasy IV’ auch heute noch problemlos seinen Kultstatus. Die Geschichte rund um Cecil ist interessant und die Fantasy-Welt lässt einen nicht so schnell los. Umso erfreulicher, dass Square Enix den Klassiker dank vieler Verbesserungen – allen voran die schicke 3D-Grafik – noch mal aufgewertet hat. Wer sich von dem hohen Schwierigkeitsgrad nicht abschrecken lässt, sollte sich dieses Epos nicht entgehen lassen, vor allem wenn er das Original noch nicht kennt.

Überblick

Pro

  • umfangreiches Abenteuer
  • interessante Story und Charaktere
  • gutes Remake des SNES-Klassikers
  • überzeugende deutsche Lokalisierung
  • sehr ansehnliche 3D-Grafik

Contra

  • nervige Zufallskämpfe
  • starke Gewichtung des Auflevelns
  • durchwachsenes Speichersystem
  • spielerisch teils angestaubt
  • hoher Schwierigkeitsgrad

Wertung

  • DS(i)
    83
    %

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