Test - Final Fantasy Fables Chocobo's Dungeon : Für Fans der flauschigen Vögel

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Final Fantasy ist eigentlich selten niedlich oder süß. Doch die gelben Chocobos gehören zu den besten Plüschfiguren, welche die Videospielbranche zu Stande gebracht hat. Die Fans des flauschigen Vogels sind entsprechend zahlreich genug, um eine Spin-off-Serie bereits seit elf Jahren am Leben zu erhalten. Den neuesten Teil, in dem ihr allein mit einem Chocobo auf Monsterjagd geht, gibt es nun für Nintendos Wii.

Einfach nur niedlich

Unseren heldenhaften Chocobo verschlägt es auf seinen Reisen in die Stadt Lostime, deren Bewohner vereinzelt beim Glockenschlag der Turmuhr ihr Gedächtnis verlieren. Plötzlich fällt ein Baby namens Raffaello vom Himmel: Der Kleine hat die Gabe, sich sowie Chocobo in den Kopf eines Einwohners zu versetzen, um die verloren gegangenen Erinnerungen zurückzuholen.

Letztendlich führt euch diese Suche durch gewöhnliche Labyrinthe inklusive vieler Monster und vereinzelter Endgegner. Auch wenn die Bildschirmfotos ein Actionsystem suggerieren, so wird eure Reaktionsschnelligkeit praktisch nicht geprüft. Wie in uralten Rollenspielen der Marke Hack steht jeder Schritt von Kästchen zu Kästchen für eine Runde, zwischen denen der Computer seine Schergen bewegt.

Sobald ihr vor einem Gegner steht, könnt ihr also in Ruhe überlegen, ob ihr einfach angreift oder diverse Zaubersprüche benutzt, die wiederum Magieenergie kosten. Fallen und negative Statuseffekte, wie beispielsweise "Gift" oder "langsam", erschweren euer Vorankommen. Darüber hinaus müsst ihr auf den Futtervorrat eures Chocobos achten: Solange dieser über null Prozent liegt, heilt ihr euch automatisch. Ansonsten verliert ihr konstant an Lebensenergie.

Simpel, aber dezent süchtig machend

Sämtliche Labyrinthe bestehen aus mehreren Stockwerken, zwischen denen ihr bei Bedarf zurück nach Lostime reisen dürft. Allerdings müsst ihr dann wieder von vorne oder zumindest bei einem der wenigen Checkpoints, die es bei größeren Dungeons alle zehn Stockwerke gibt, starten. Das Leveldesign ist zufallsgeneriert und wirkt sehr austauschbar. Stets durchstreift ihr gleich aussehende Gänge sowie Räume. Rein spielerisch fehlt den Levels die dritte Dimension, anders ausgedrückt: Das Design ist "platt".

Chocobos Dungeon - Trailer
Ein erster japanischer Trailer zu SquareEnix' 'Chocobos Dungeon' für die Nintendo Wii.

Das simple Herumlaufen und Bekämpfen von Monstern mag nicht sonderlich innovativ klingen, sorgt aber für einen kleinen Suchtfaktor. Durch die Einteilung in einzelne Stockwerke und die Tatsache, dass ihr ein Labyrinth nahezu jederzeit verlassen dürft, macht das Design einen Häppchen-Eindruck. Dies bedeutet: Ihr spielt immer mal wieder ein, zwei Stunden am Stück. Danach pausiert ihr und abenteuert euch später oder am nächsten Tag durch die nächsten zehn, zwanzig, dreißig Stockwerke.

Hinzu kommt das altbewährte und anscheinend überall funktionierende Jobsystem, das Serienkenner beispielsweise aus Final Fantasy 3 oder Final Fantasy 5 kennen. Euer Chocobo kann sich als Ritter, Weißmagier, Dragoon und so weiter verkleiden und jede dieser Klassen individuell trainieren. Es versteht sich von selbst, dass ihr dabei jeweils unterschiedliche Kräfte und Zauberfähigkeiten besitzt.

Wir empfehlen: Classic Controller, Final-Fantasy-Musikfaible und Wörterbuch für den Nachwuchs

Was die Spielbarkeit anbelangt, raten wir dringend zur Nutzung eines Classic Controllers. Damit steuert ihr den Chocobo kinderleicht sowie höchst intuitiv durch die Gegend und ärgert euch allerhöchstens bei der nicht perfekten Menüführung bezüglich eurer Objekte im Inventar. Ansonsten bleibt nur die Wiimote selber übrig, allerdings führt das Bewegen per Digikreuz zu Krämpfen eurer Spielerhand.

Die Präsentation ist etwas mager, weil die Grafik größtenteils spartanisch und eintönig ist. Ohne die putzigen Charaktere und deren gelungene Animationen wäre das Spiel ein echter Weggucker. Dafür ist der Soundtrack eine Klasse für sich, da Square-Enix einen ganzen Batzen bekannter Final-Fantasy-Stücke in teilweise hervorragender Qualität adaptiert und arrangiert hat.

Abschließend müssen wir einen Rüffel der besonderen Art aussprechen: Final Fantasy Fables Chocobo's Dungeon wäre prima für Kinder geeignet, die gerne mal ins Rollenspiel-Genre reinschnuppern möchten. Doch ausgerechnet bei diesem Spiel liefert der deutsche Publisher keine Übersetzung für Text oder Sprachausgabe.

Fazit

Andreas Altenheimer - Portraitvon Andreas Altenheimer
Schaut auf das Cover und ihr wisst genau, was euch erwartet: Chocobo's Dungeon ist ultraniedlich. Besonders der kleine Chocobo selbst ist noch viel liebenswerter als seine Artgenossen in der Hauptserie. Ähnlich niedere Instinkte wecken Spielkonzept und Spieldesign: In eckigen, zufallsgenerierten und grafisch öden Höhlen ein Monster nach dem anderen platt zu schlagen, so etwas gab es bereits anno 1980. Doch genau wie damals schleicht sich ein leichter Suchtfaktor ein, weil ihr “nur noch dieses eine Stockwerk“ bestreiten wollt ... und das über mehrere Dutzend hinweg. Doch auf lange Sicht fesselt euch das Spiel nicht für die Ewigkeit. Dafür setzt ihr euch immer mal wieder für ein, zwei Stunden vor den Bildschirm. Zum Abschluss ein Lob: Mit meinem Faible für Videospielmusik langweile ich sicherlich bereits Chefredakteur, Lektor sowie alle Stammleser, aber der Soundtrack, bestehend aus liebevoll arrangierten Versionen alter Final-Fantasy-Songs, ist mal wieder ein kleines Highlight für sich.

Überblick

Pro

  • abgrundtief niedlich
  • ein Fest für Fans arrangierter Final-Fantasy-Musik
  • kleiner Suchtfaktor
  • Jobsystem ist immer toll
  • Steuerung mit Classic Controller prima

Contra

  • Steuerung mit Wiimote nicht prima
  • grafisch zweckmäßig
  • simples Hack'n'Slay-Leveldesign mit zufallsgenerierten 08/15-Dungeons
  • nicht besonders abwechslungsreich
  • Spiel abseits der Anleitung komplett Englisch

Wertung

  • Wii
    73
    %

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