Test - FIFA 17 : Gute Reise

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Seit 1993 existiert die FIFA-Reihe nun schon. Da ist es nicht leicht, bei den alljährlichen Neuauflagen stets für neue Impulse zu sorgen. EA Sports gelang dies im Laufe der Serienevolution mal mehr und mal weniger prägnant. Vor allem unter der Leitung von Line Producer David Rutter wurden sinnvolle Schritte unternommen, das einst als zu arcadig und anspruchslos geltende FIFA realistischer zu gestalten. Spielerisch scheint die Fußballsimulation nun mehr oder weniger ausgereizt zu sein. An Details wird weiterhin gefeilt, aber größere Zäsuren wie das „Tactical Defending“ sind vorerst nicht in Sicht. Vielleicht ist das der Grund, warum EA nun neue Wege bei der Präsentation geht und in FIFA 17 auf Drama und Emotionen setzt.

Alex Hunter ist 17 und hat wie viele Jungs in dem Alter einen großen Traum: Fußballstar werden und für einen der ruhmreichen Premier-League-Clubs auflaufen. FIFA 17 lässt euch in „The Journey“ den Werdegang des Talents bestimmen. Es tut dies nicht ohne Klischees – viele Dialoge werdet ihr so oder so ähnlich bereits in Sportfilmen oder auf Dramaturgie getrimmten Dokumentationen gehört haben –, schafft es aber letztendlich, dass wir mit Alex mitfiebern und auf dem Platz alles für ihn geben wollen.

Das Supertalent

Bevor wir die Chance erhalten, uns im Haifischbecken des Profifußballs zu beweisen, müssen wir zunächst eine Art Abschlusstest überstehen und die Scouts auf uns aufmerksam machen. Hier bekommt ihr bereits einen Eindruck von den hohen Anforderungen, die an euch gestellt werden. Habt ihr endlich den ersten Profivertrag unterschrieben, geht der konstante Kampf um die Stammplätze erst richtig los. Nur bei guten Leistungen im Training und bei den Spielen werdet ihr euch im Kader dauerhaft etablieren. Vor jeder Partie habt ihr die Wahl, ob ihr die ganze Mannschaft oder nur Alex Hunter steuern wollt.

Eine Anzeige in der Bildschirmecke wacht mit Argusaugen über eure Leistung. Alex beginnt jedes Match mit einer Wertung von 6.0. Gute Aktionen wie gelungene Pässe, Tore oder Torvorlagen lassen die Note in die Höhe schnellen. Solltet ihr patzen, geht die Anzeige aber ebenso schnell in den Keller. Zusätzlich lassen sich Bonusziele erfüllen, wie etwa „Schieße das entscheidende Tor“ oder „Bringe zehn Pässe zum Mitspieler“. Das ist motivierend, hat aber wie einst schon der Be-a-Pro-Modus ein großes Manko: Dadurch, dass Alex euer Fixpunkt ist, versucht ihr natürlich sämtliche Aktionen über ihn laufen zu lassen. Mit einem durchdachten und realistischen Spielablauf hat das dann oft nichts mehr zu tun.

Grass Effect

Nach jedem Spiel erhaltet ihr Erfahrungspunkte, mit denen Alex neue Attribute freischalten kann. Seine Fertigkeiten wachsen ebenfalls mit jeder absolvierten Partie. So werdet ihr nach und nach ein kompletter Kicker, seid aber vor den Rückschlägen des harten Fußballgeschäfts nicht gefeit. Alex' Charakter legt ihr in den immer wieder eingestreuten Story-Segmenten fest. In den Dialogen mit Team-Kameraden und knorrigen Coaches sowie in den Interviews nach dem Spiel habt ihr stets drei Optionen: eine neutrale, eine hitzköpfige und eine coole Antwort.

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Wer Alex zum Heißsporn macht, eckt öfter beim Trainer an, was im ungünstigsten Fall den Stammplatz kosten kann, generiert aber auch mehr Follower und bekommt dadurch schneller Sponsorenverträge. Abgeklärte Statements stellen eure Vorgesetzten zufrieden, lassen Alex aber auch etwas eindimensionaler erscheinen. Dieses rudimentäre RPG-System erinnert nicht zufällig an die Titel von BioWare. Die zu Electronic Arts gehörenden Rollenspielspezialisten waren tatsächlich an „The Journey“ beteiligt. Welche Wendungen auf Alex zukommen werden, wollen wir nicht verraten, aber mit diesem Modus ist FIFA 17 eine ebenso einschneidende wie gelungene Veränderung des Status quo geglückt.

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