Preview - Fear the Wolves : Battle Royale von den S.T.A.L.K.E.R.-Machern

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Ängstlich klammern wir uns an die Axt. Sie ist gerade die einzige Verteidigung, die wir haben in diesem neuen Spiel der S.T.A.L.K.E.R.-Macher namens Fear the Wolves. Bedrohliches Knurren kommt vom Tal, ein Rudel mutierter Wölfe ist auf der Jagd. Nahrung ist selten im verstrahlten, verlassenen Gebiet von Tschernobyl. Gerade sind wir hier mit dem Fallschirm gelandet, weitgehend nackt. Nur mit ziviler Kleidung ausgestattet, ohne Gasmaske, ohne Equipment, ohne Waffen. Gerne hätten wir jetzt die berühmte SVDm-2 aus dem Original-S.T.A.L.K.E.R.

Damit würden wir uns etwas sicherer fühlen, doch das war ja noch nie das Ziel der Mannen aus Kiew. Die Axt war ein Glücksgriff, steckte in einem Holzklotz auf einer Baustelle. In einem Schaufelradbagger könnten wir uns verschanzen, dessen Scheiben sind allerdings durchlöchert, funktionieren tut der wohl nicht mehr. Und dann die Musik: Traurig, hilflos, zwischendurch fährt das Orchester hoch. Ja, das geht schon alles ziemlich in Richtung S.T.A.L.K.E.R. 2, das gerade erst auf 2021 verschoben wurde und ebenfalls bei GSC Game World entsteht.

Der Geigerzähler springt an, die Raben schrecken auf

S.T.A.L.K.E.R.: Shadow of Chernobyl war 2007 ein atmosphärisches Meisterwerk: düster, gruselig, mit perfektem Einsatz von Soundelementen. Auch wenn Fear the Wolves kein klassischer Singleplayer-Shooter wird, sondern der Feind größtenteils Menschen sind, die Stimmung bleibt gleich. In der Ferne werden Raben aufgeschreckt, rascheln durchs Gebüsch und fliegen über unseren Kopf. Da erschrecken wir zum ersten Mal. Dann beim Geigerzähler. Ach, der gute alte Geigerzähler – Metro: 2033 und jetzt Metro: Exodus haben zwar Varianten davon, dort wirkt die Strahlung aber weniger bedrohlich.

Im Ansatz atmet Fear of the Wolves durchaus PUBG-Luft, versteht sich also als Battle-Royale-Titel: Bis zu 99 Spieler springen aus einem Flugzeug ab. Sie können sich verbünden, müssen erst Waffen, Kevlarwesten und natürlich auch Gasmasken finden, denn die Luft ist atomar verseucht. Atomare Wolken plant Vostok Games als wichtiges Gameplay-Element zu nutzen: Sie kommen in Wellen, die man durchaus spüren wird, und treiben umso mehr Überlebende in Bereiche, in denen es Schutzanzüge gibt. Will sich ein Kontrahent einen davon schnappen, kann es passieren, dass er unsere Axt zu spüren bekommt. Kollateralschaden.

„Das ist ein Battle-Royale-Titel, aber mehr hardcore ausgerichtet“, erklärt Oleg Yavorsky von Vostok Games: „Die Waffen fühlen sich realistisch an, die Ballistik ist physikalisch korrekt, Scharfschützen müssen die Windrichtung mit einberechnen. Es ist kein Run-and-Gun-Fun, mehr taktisch.“

Die Mutantenwölfe kommen

Fear the Wolves hat gleich mehrere Ebenen an Gefahren, die die Überlebenden zusammenschweißen sollen: Mutantenwölfe etwa jagen im Rudel wie normale Wölfe auch. Und sie greifen vor allem verwundete Opfer an, die sich nicht mehr so gut verteidigen können, sowie einsame Streuner – wer im Team arbeitet, der hat bessere Chancen. Alternativ baut der Titel ähnlich wie Metro: Exodus oder auch Dying Light 2 stärker in die Vertikale: Wer über Busse krabbelt und den Boden möglichst meidet, der kann den Wölfen leichter entgehen.

Spielerisch nutzt Vostok Games das auf interessante Art: Es gibt sehr wenig Munition, geschossen wird eher nur aus der Not, auch weil das natürlich andere Tiere anlockt. Sie folgen allerdings Leuchtgeschossen und allem, was in der Nacht leuchtet. Das lässt sich durchaus nutzen, um das Rudel auf den Feind zu hetzen. Gerade wenn dieser gut ausgestattet ist, kann das ein Mittel sein, um selbst aufzurüsten.

Wie in jedem Battle-Royale-Titel gibt es natürlich Supply-Drops. Es werden Güter abgeworfen, die für jeden auf der Karte direkt erkennbar sind. Warum wird Fear of the Wolves dennoch anders als das Gros der Konkurrenz? Die atomare Wolke lässt sich nur in den ersten Minuten gefahrlos überleben, weil das Adrenalin beim Sprinten die Schmerzen hemmt. Danach brauchen wir dringend Schutzkleidung, sonst wird’s düster. Ebenfalls sehr interessant: Wenn Blitze herabschießen, treffen sie Spieler, die campen, also stillstehen. Zucken Blitze über die Map, müssen sich alle bewegen, sonst laufen sie Gefahr, Lebenspunkte zu verlieren. Clever!

Nur einer kann überleben – wie in Dying Light: Bad Blood

Dying Light: Bad Blood, der kleine Bruder von Dying Light 2, und Fear the Wolves teilen sich die gleiche Spielidee: Am Ende gewinnt der, der es als Einziger aus Tschernobyl rausschafft. Während Bad Blood sich allerdings ums Sammeln von Blutproben dreht, geht es in Fear the Wolves rein ums Überleben, bis der Heli des Militärs eintrifft. Wie ihr das schafft? Komplett euch überlassen. Ihr müsst euch vor der radioaktiven Strahlung schützen, dürft also nicht bloß campen, schließlich braucht ihr Schutzkleidung. Zudem wird zwar vorher angezeigt, wo der Hubschrauber landen wird, das ändert sich allerdings jedes Mal.

Sobald ihr den Landepunkt kennt, ist es an euch, ob ihr euch bis an die Zähne bewaffnet, den Kampf sucht, jeden Gegner ausschaltet und letztlich ausgeflogen werdet oder lieber hinter einem Panzer kauernd abwartet, bis sich alle umgebracht haben, und dann den Hauptpreis einstreicht. Oder hockt ihr lieber lauernd auf einem Turm, überblickt ein altes Elektrizitätswerk und erledigt mit der Dragunow jeden Schlingel einzeln? Wohlgemerkt: Munition ist rar, Schüsse sind laut, es gibt keine Klassen und ihr müsst diese Waffe erst finden.

Spannend: Vostok Games plant spezielle Twitch-Features: Beispielsweise können Zuschauer das Wetter beeinflussen, indem sie dafür stimmen, es regnen zu lassen – entweder tröpfchenweise oder wie aus Eimern. Das wiederum verändert die Kampfweise. Bei starkem Regen kann man sich leichter anschleichen, weil das Plätschern die Geräusche beim Laufen durch den Matsch übertönt.

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