Test - Evil Twin : Evil Twin

  • PS2
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Evil Twin
Genaues Zielen in der Egoansicht.

Doch nicht nur die vielen freundlichen Charaktere und Dialoge geben 'Evil Twin' Adventure-Flair, nein auch diverse Puzzles müssen gelöst werden. So sammelt ihr in einem Jump 'n' Run-Abschnitt ein Item ein und müsst dies dann an einem anderen Ort richtig einsetzen. Leider sind diese Aufgaben weniger originell als das Design des Spiels und durch das oftmalige Fehlen von Hinweisen geraten diese Puzzles eher zu frustigem Ausprobieren, ohne dass sich ein logischer Zusammenhang oder eine Notwendigkeit erkennen lässt. Allerdings besteht die Hauptaufgabe des Titels nicht darin, Rätsel zu lösen, sondern in der Bewältigung der Jump 'n' Run-Abschnitte. In diesen stehen klassische Hindernisse wie kleinere Gegner und knifflige Sprünge auf schmale Plattformen über einem todbringenden Abgrund im Vordergrund. Glücklicherweise trefft ihr immer mal wieder auf Checkpoints, von wo ihr weiterzocken könnt, wenn Cyp ein Leben verliert. Neben den Gefahren findet ihr natürlich auch Extras wie zum Beispiel die schon erwähnten 'Super-Cyp'-Items, Boni, die Cyps Lebensenergie auffrischen oder gar heiss begehrte Extra-Leben. Heiss begehrt deshalb, weil der Schwierigkeitsgrad ziemlich hoch ausgefallen ist. Doch nicht nur das sorgt des öfteren für Frust, sondern einige Mängel im Leveldesign und die ungenaue Sprungsteuerung, wodurch ihr öfters durch einen Fehltritt oder Fehlsprung ein Leben verliert. Dazu kommt eine ungünstige Ansicht, die zuweilen das Geschehen sehr ungeschickt zeigt. Zwar dürft ihr die Perspektive nachjustieren, dies ist aber ungünstig und nicht immer möglich, so dass unter anderem Blindsprünge und unübersichtliche Situationen häufig vorkommen. Ebenfalls für Unmut sorgt das Speichersystem - neben sehr seltenen automatischen Speicherplätzen müsst ihr bei Wilbur den Spielstand verewigen. Allerdings müsst ihr pro Abspeichern eine Fotokamera finden und einsetzen. Leider ist dieses Item nicht gerade oft in den Levels vertreten - ärgerlich, dass ihr zum Beispiel erst nach langem Spielen nach Spielbeginn erstmals wirklich abspeichern dürft.

Evil Twin
Cyp hat sich in seinen bösen Zwilling verwandelt.

Schade, dass die Entwickler nicht ebenso viel Feinarbeit bei der Steuerung, bei der Perspektive und beim Leveldesign verwendet haben wie beim wirklich gelungenen Design der Story, Umgebung und Figuren. So herrscht doch oftmals Verwirrung und Frust, was denn nun genau zu tun ist und wo man hin soll, da die meisten Levels alles andere als linear aufgebaut und miteinander verbunden sind, der Spieler aber auf seinem Weg durch die seltsame Welt von 'Evil Twin' ziemlich allein gelassen wird. Somit ist dieser Titel das richtige für Jump 'n' Run-Experten, die sich in das Spiel verbeissen wollen und nicht vor Frust und unfairen Stellen zurückschrecken. Hat man sich nämlich durch die ersten mühsamen Abschnitte gekämpft und sich in das Design des Spiels eingelebt, kommt durchaus Spass auf - solange man nicht vorher das Joypad an die Wand gepfeffert und entnervt aufgegeben hat.

Evil Twin
Im Kampf mit fiesen Blüten.

Einen Grund, die Zähne trotz der spielerischen Patzer zusammenzubeissen, findet man in der tollen Präsentation des Spiels. Die schrägen Ideen der Handlung und Charaktere wurden wunderbar grafisch umgesetzt. Mit viel Liebe zum Detail wurden die verschiedenen Figuren entworfen und mit einer eigenen Geschichte ausgestattet, wobei auch die visuelle Umsetzung nicht zu kurz kommt. Als Beispiel seien die Protagonisten der Demi-Insel angeführt, die in der Mitte durchtrennt sind und nur lose zusammenhalten, was sehr ulkige Animationen hervorruft. Fast noch beeindruckender ist die grafische Gestaltung der Levelumgebung, die sehr stimmig gehalten ist und hervorragende detaillierte Texturen beinhaltet - in puncto Texturen gehört 'Evil Twin' eindeutig zur Elite der PS2-Games. Dafür hätten die Levels etwas mehr Polygone vertragen können, da diverse Plattformen, Gebäude und Details recht kantig wirken. Auch das Scrolling ist oftmals ziemlich ruckelig, was gerade bei hakeligen Sprungpassagen und wenn die Kamera etwas weiter wegzoomt unangenehm auffällt. Dafür wird man immerhin von dicken PAL-Balken verschont und auch das berüchtigte PS2-Flimmern ist kaum zu sehen. Ebenfalls Lob geht an den Sound, der äusserst stimmige Melodien und passende Geräusche bietet. Und schlussendlich gibt es wie schon erwähnt auch an der deutschen Sprachausgabe nichts auszusetzen.

 

Fazit

von David Stöckli
'Evil Twin: Cyprien's Chronicles' ist ein zweischneidiges Schwert: Einerseits kann die originelle Story und das gelungen-düstere Design gefallen, zumal man selten so schöne und detaillierte Texturen auf der PlayStation 2 gesehen hat. Andererseits treibt einem der hohe Schwierigkeitsgrad, die ungenaue Steuerung, die oftmals ungünstige Kameraperspektive und etliche Patzer im Level-Aufbau und Gameplay schier zur Weissglut. Doch wer auf knifflige Jump 'n' Runs mit Adventure-Flair steht und über die genannten Mängel hinwegsehen kann, wird nach einiger Einspielzeit durchaus gefallen an Cypriens Abenteuer finden. Den Vorschusslorbeeren wird Ubi Softs neuestes Jump 'n' Run allerdings nicht gerecht - schade, dass man sich spielerisch nicht stärker an den Qualitäten des eigenen Maskottchens 'Rayman' orientiert hat.  

Wertung

  • PS2
    70
    %

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