Test - Evil Genius : Evil Genius

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Doch Vorsicht ist geboten, denn wer den Leuten allzu lange in die Taschen greift, erregt immer Aufsehen, was dazu führt, dass einige der ausgesandten Männer von den Einheimischen zur Strecke gebracht werden. Es gibt daher auch die Alternative des so genannten Plottings, bei dem die Agenten nach bestimmten Aufgaben suchen, die man je nach Lust und Laune in Angriff nehmen kann. Diese sorgen unter anderem dafür, dass der Ruf des Oberschurken nach oben schnellt und langsam an Bedeutung gewinnt. Die einzelnen Missionen stellen jedoch auch bestimmte Anforderungen wie zum Beispiel eine konkrete Anzahl von Arbeitern oder Technikern - selbst dann ist ein Erfolg nicht garantiert. Doof nur, dass man kaum mitbekommt, wenn beispielsweise einzelne Männer sterben, denn die optischen Hinweise sind viel zu unscheinbar, als dass man sie registriert. Erst beim nächsten Besuch der Weltkarte bekommt man plötzlich gezeigt, wie die tapferen Helfer in den letzten Minuten ihr Leben gelassen haben - was nicht gerade für die Übersicht spricht.

Training ist alles

Apropos Techniker: Diese müsst ihr in eurer Basis zunächst erst mal ausbilden, denn eigentlich verfügt ihr nur über einfache Arbeiter. Daher gilt es zunächst einen entsprechenden Charakter zu entführen, diesen im hauseigenen Gefängnis zu verhören und schwupp - schon habt ihr euren ersten Techniker oder Wissenschaftler etc. Diese bilden in geeigneten Schulungsräumen neue Berufskollegen aus, wobei ihr über ein kleines Menü stets einstellen könnt, wie viele ihr von jeder Gruppe benötigt. Auch für die Entwicklung der Basis und die angestrebte Superwaffe ist dies von entscheidender Bedeutung. Ohne die entsprechenden Wissenschaftler und die technischen Einrichtungen werdet ihr nicht ans Ziel gelangen. Stellt euch das aber alles nicht so einfach vor, denn je bedeutender euer Ruf und der Bedrohungsfaktor werden, desto größer wird die Gefahr für das Hauptquartier.

Schon zu Beginn schleichen immer wieder einige Spione auf der Insel umher, die aber noch relativ einfach auszuschalten sind. Im weiteren - sehr zähen - Spielverlauf rücken aber immer stärkere Einheiten an und sogar besonders gefährliche Superagenten tauchen plötzlich in der Basis auf. Diese Jungs sind äußerst gewitzt und verfügen über spezielle Fähigkeiten. Aber was ein gewiefter Oberschurke ist, der weiß sich auch zur Wehr zu setzen. Besonders hilfreich sind die zahlreichen Fallen, die man innerhalb der eigenen Räume installieren und beliebig kombinieren kann. Windmaschinen, Elektroschocker und Falltüren sind dabei nur einige wenige Beispiele. Hinzu kommt auch noch die Figur des so genannten Henchman - die rechte Hand des Bosses. Diese speziellen Charaktere können - wie der Evil Genius selbst übrigens auch - direkt gesteuert werden und sind ebenfalls besonders zähe Burschen mit durchschlagkräftigen Skills. Sie können mit steigender Erfahrung sogar ausgebaut werden. So lassen sich viele Gegner recht schnell dingfest machen und dürfen dann übrigens mit den verschiedensten Methoden gefoltert werden. Hier kommt wieder der teils tiefschwarze Humor zum Vorschein, der sich durch das komplette Spiel zieht.

Wie ein Comic

Unterstützt wird das alles durch die grafische Präsentation, die sich stark an den Stil älterer Comics und Agentenfilme der 60er-Jahre anlehnt und somit die spaßige Note noch weiter in den Vordergrund stellt. Teils knallige Farben und mit Absicht überzeichnete Szenen sorgen für den einen oder anderen Schmunzler. Die Figuren und deren Aktionen sind allesamt sehr flüssig und detailreich animiert und auch die einzelnen Objekte machen auch aus nächster Nähe noch einen guten Eindruck. Leider können die meisten Texturen da nicht ganz mithalten und vor allem die Wände sehen teilweise sehr steril aus. Zusätzlich kommt es sehr oft zu einigen unschönen Clipping-Fehlern, die den Gesamteindruck etwas nach unten ziehen.

Der Sound schneidet im direkten Vergleich etwas besser ab. Zwar ist die vor sich hin dudelnde Hintergrundmusik ein wenig eintönig, doch die sonstige Geräuschkulisse passt bestens zum comicartigen Stil und sorgt für die richtige Atmosphäre. Leider lag uns für den Test nur die englische Version vor, so dass wir keine Rückschlüsse auf die deutsche Sprachausgabe ziehen können. Sollte diese aber ein ähnlich hohes Niveau erreichen, gibt es nur wenig Grund zur Beanstandung.

Fazit

André Linken - Portraitvon André Linken
'Dungeon Keeper' meets James Bond. Dieser Vergleich wird sich wohl jedem halbwegs versierten Spielekenner sofort aufdrängen, wenn er 'Evil Genius' zu Gesicht bekommt. Die Entwickler haben einige Dinge einfach ganz frech aber auch gut kopiert und sie mit einer Vielzahl weiterer Ideen ausgestattet. Die meisten Ansätze sind sehr interessant und vor allem der schwarze Humor sorgt für Heiterkeit und Schadenfreude. Schade nur, dass sich gerade die Anfangsphase dermaßen in die Länge zieht und einige kleine Macken die Langzeitmotivation torpedieren. Etwas mehr Übersicht, ein Multiplayer-Modus sowie ein Tick mehr Abwechslung hätten dafür gesorgt, dass die Elixir Studios einen Award einsacken können. Trotz aller Kritik solltet ihr unbedingt mal einen Blick auf 'Evil Genius' werfen, denn nie war es spaßiger, den Bösewicht zu spielen.

Überblick

Pro

  • abgedrehtes Agentenszenario
  • zahlreiche Räumlichkeiten und Objekte
  • schwarzer Humor im Comicstil
  • einfacher Basenbau

Contra

  • mangelnde Visualisierung einiger Ereignisse
  • sehr zähe Anfangsphase
  • auf Dauer zu eintönig
  • grafische Mängel
  • fehlender Multiplayer-Modus

Wertung

  • PC
    79
    %

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