Test - Elex : Ich hau Spacken auf die Backen mit’m Schwert

  • PC
  • PS4
  • One
Von Kommentieren

Wo ist sie hin, die Magie, die Piranha Bytes einst mit Gothic versprüht hat? Möglicherweise kommt sie für so manch einen von euch in Form von Elex zurück. In ihrem neuen Rollenspiel kreuzen die Piranhas die Fantasy eines klassischen Rollenspiels mit futuristischen Elementen. Was wohl unter dieser Fassade zum Vorschein kommen mag? Wir haben es uns angesehen ...

Eine ferne Zukunft auf einem noch viel ferneren Planeten. Eine technologisch weit fortgeschrittene Zivilisation wird quasi zurück in die Steinzeit befördert, als ein Meteorit sich die Heimat der Humanoiden als Landeplatz aussucht. Der Schrecken aus dem Himmelreich tötet unzählige Bewohner, verwüstet Städte wie Natur gleichermaßen. Wenige haben diese Katastrophe überlebt und jene, die sich zu den mehr oder weniger Glücklichen zählen dürfen, kämpfen seitdem ums Überleben.

Doch der Brocken aus dem All hat nicht nur Tod und Zerstörung gebracht, sondern auch das namensgebende Elex, ein neues, bis dato unbekanntes Element, das es ermöglicht, Magie zu wirken. Das sind die Zutaten, aus denen Piranha Bytes eine klassische, jedoch gleichsam ungewöhnliche Heldenreise zaubert (oder eher schustert?), die den Fokus auf emotionale Reichweite und menschliche Werte setzt.

In diesem Sinne könnte angenommen werden, das Spielstudio wäre auf dem richtigen Weg, Jahre nach dem Gothic-3-Desaster wieder Fuß zu fassen und ein frisches, unverbrauchtes Rollenspiel abzuliefern. Mit zwei zugedrückten Augen und dem Fanherz am rechten Fleck kann man dies auch so sehen. Unterm Strich ist dann aber doch nicht viel mehr dabei herausgekommen als ein guter Wille im leicht angestaubten Gewand.

Fantastische Sci-Fi-Welten

Die Welt von Elex, Magalan genannt, ist eine Marke für sich. Hier werden fantastische Landschaften à la Skyrim mit der härtesten Form von Science-Fiction konfrontiert, während apokalyptische Welten im Mad-Max-Design das gesamte Bild abrunden, untermalen und manchmal sogar definieren. Es ist Geschmackssache, wenn ein bulliger Krieger in pelziger Rüstung per Jet-Pack über eine Stadtmauer fliegt, doch es ist keine, wenn es um das reine Konzept in seiner Umsetzung geht.

Piranha Bytes hat geschafft, was zuvor nur wenigen gelungen ist. Die Symbiose aus Fantasy und Sci-Fi funktioniert, da die Entwickler sich die Zeit genommen und vor allem die Mühe gemacht haben, plausibel, stimmig, und nicht zuletzt auch einfallsreich zu verbinden, was sich meist wie Katz und Hund ist.

Schleichend beginnt es im Südwesten mit Wäldern, Berserkern und nur wenig, hier sogar verbotener Technik. Im Nordosten schließt die Welt mit großen Mechs, Laserkanonen, Neonlichtern und viel glattem Eisen und Stahl. Dazwischen: ein wilder Mix aus beiden Welten, bevölkert von Gesetzlosen, Fanatikern, Helden, Monstern und Mutanten. Eine große Spielwiese, die zum Erkunden einlädt und aufmerksamen Sammlern eine Menge Geheimnisse zu verraten hat.

ELEX - Launch Trailer
Piranha Bytes hat heute die neue Rollenspiel-Hoffnung ELEX für PC, PS4 und Xbox One veröffentlicht.

Kantenfiasko

Nichtsdestoweniger ist Elex über weite Strecken ein hässliches RPG. Nicht auf den ersten Blick, wohlgemerkt. Zu Beginn fällt die Welt recht positiv ins Auge mit ihren stimmungsvollen Landschaften und den Blickfängen von Lichteffekten. Eine Welt der Ideen, keine Frage, aber auch der fehlenden Vollendung. Auf den zweiten und dritten Blick drohen dann aber die Augen zu bluten. Schreckliche, mit dem Lineal gezogene Schatten. Scheußliche Kanten, wohin man nur blickt. Kein Gebäude, keine Ebene und keine Höhle hält einer längeren Betrachtung stand, ohne seine Hässlichkeit preiszugeben.

Die eigentliche Liebe zum Detail ist allgegenwärtig, doch komme ich nicht um das Gefühl herum, dass hier mehr Baustellen begonnen wurden, als überhaupt abgeschlossen werden konnten. Als wäre zum Ende hin noch ganz schnell ein Haufen Schrott, Blümchen und Heiltränke positioniert worden, doch die visuelle Aufbereitung von Gegenständen, Wänden und Wäldchen ist dabei in Vergessenheit geraten. Lasst die periphere Sicht stecken und schaut euch nicht zu lange und intensiv um, dann wird es schon gehen.

Könnte dichinteressieren

Kommentarezum Artikel