Test - Echochrome : 3D-Knobeleien in Schwarzweiß

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Trau deinen Augen: Während das normale Spiel von nebenan verzweifelt versucht, mithilfe aufwändiger Technologien ein 3D-Abbild auf einen 2D-Bildschirm zu pressen, geht ’Echochrome’ einen ganz anderen Weg. Auch hier ist die Welt dreidimensional, dabei jedoch werden optische Täuschungen zur Realität. Eine interessante Idee, deren Veröffentlichung aufgrund karger Präsentation Mut beweist.

Ohne Umschweife

Es gibt keine Story und kein Intro in 'Echochrome'. Hier wandeln einfach weiße, schwarze und/oder graue Männchen über ein schlichtes Levelkonstrukt, welches aus simplen Blöcken, wenigen Treppen, vereinzelten Löchern sowie Sprungfeldern besteht.

Die Männchen lassen sich nicht steuern, sind aber in ihrem Verhalten sehr berechenbar: Entweder sie laufen ununterbrochen und halten sich bei Wegkreuzungen stets links oder sie bleiben stur an einem Punkt stehen. Um welche Art von Männchen es sich handelt, hängt vom Spielprinzip ab. Jeder Level lässt sich nämlich auf drei Arten spielen, was kurz als "Solo", "Paare" und "Andere" bezeichnet wird.

Beim Solo-Spiel läuft ein weißes Männchen herum, mit dem Ziel mehrere schwarze sowie stillstehende Männchen einzusammeln. Bei "Paare" sollen sich jeweils zwei weiße und zwei schwarze Männchen berühren, woraufhin zwei graue Männchen entstehen, welche ebenfalls von euch vereint werden müssen. Zu guter Letzt bleibt der Andere-Modus, welcher dem Solo-Konzept sehr ähnelt: Auch hier muss ein laufendes Männchen andere, stillstehende einsammeln, zusätzlich jedoch marschieren feindliche Männchen umher, welche es zu umgehen gilt.

Faszinierendes Konzept

Eure Mittel, diese Ziele abhängig vom Spielprinzip zu erreichen, sind arg eingeschränkt: Ihr dürft lediglich die Kamera um den gesamten Level drehen und ihren Höhenwinkel verstellen. Der Trick hört auf den Namen "optische Täuschung": Wenn ihr die Kamera so dreht, dass eigentlich weit voneinander entfernte Plattformen direkt nebeneinander zu sehen sind, dann verschmelzen beide zu einem Konstrukt. Wer die Zeichnungen von M.C. Escher kennt, weiß in etwa, wie die Levels gestaltet sind.

Ebenfalls interessant ist das Prinzip der Löcher und der Sprungfelder: Wenn ein Männchen durch ein Loch fällt oder per Sprung gen Himmel fliegt, dann landet es auf der Plattform, welche dem Bildschirm nach unten drunter beziehungsweise oben drüber liegt. Abschließend könnt ihr mit einem einfachen Trick Dinge verschwinden lassen: Dreht ihr die Kamera so, dass eine Wand beispielsweise eine Lücke zwischen zwei Plattformen verdeckt, dann laufen die Männchen über die Lücke hinweg, als ob diese gar nicht existiert. Mit dem gleichen Prinzip könnt ihr auch Löcher oder Sprungfelder überwinden.

Suboptimale Ausführung

Was sich bis zu diesem Zeitpunkt höchst interessant anhört, ist leider nicht frei von Problemen. Allem voran mangelt es an Abwechslung, denn die Levels werden zwar immer komplexer, aber schon das Tutorial zeigt euch wirklich jedes Spielelement und das gesamte Grafikdesign. Ein eigener Modus zum Spielen weniger, zufallsbestimmter Levels und ein schicker Level-Editor können daran auch nichts ändern.

Des Weiteren sind nicht alle diese optischen Tricks wasserdicht, vor allem wenn es darum geht, ein Männchen durch ein Loch auf eine optisch darunterliegende Plattform fallen lassen: Wenn der Höhenwinkel nicht steil genug eingestellt ist, dann kullert das arme Männchen unschön durch die untere Plattform hindurch. Ebenfalls nicht perfekt ist das zusammenschweißen zweier Plattformen, wozu ihr die Kamera teilweise pixelgenau positionieren müsst. Der grafische Effekt, dass beide Plattformen eins werden und die Konturen zwischen beiden verschwinden, tritt obendrein nicht immer in Erscheinung.

Die Präsentation entfaltet ihren Reiz allein durch ihre Schlichtheit und funktioniert auch entsprechend, aber der Ansatz dürfte nicht jedem gefallen. Abseits der Schwarzweißgrafik plätschert eine sehr ruhige, klassische Musikkulisse im Hintergrund und eine Frauenstimme kommentiert ab und an die Ereignisse. Deren ruhige Art ist eigentlich passend, aber dafür stört ihr peinliches "Oops!"-Gehabe, wenn ein Männchen versehentlich vom Bildschirmrand geflogen ist. Zudem kann die Musik anstrengend werden, weil sie wirklich ohne Pause läuft.>>

Fazit

Andreas Altenheimer - Portraitvon Andreas Altenheimer
Da hatte ich, ehrlich gesagt, mehr erwartet. Solch optische Tricks, wie sie in ’Echochrome’ eingesetzt werden, haben mich schon als Kind fasziniert. Entsprechend groß war die Vorfreude und letztendlich ist es auch ein gutes Spiel. Aber der große Knüller ist es mangels Abwechslung und kleiner Unzulänglichkeit bezüglich der Ausführung nicht geworden. Oder wieso fallen meine Männchen dann doch durch so manche Plattform, obwohl diese direkt unter dem Loch zu sehen ist? Die Grafik ist mir persönlich zu simpel, auch wenn sie durchaus Stil besitzt. Das klassische Violingedudel zerreißt mich regelrecht, denn einmal finde ich es enorm beruhigend, ein anderes Mal drehe ich deswegen die Lautstärke schon nach wenigen Minuten runter. Kurzum: Ich spiele ’Echochrome’ gerne mal zwischendurch, jedoch ungern mehr als fünf Levels am Stück.

Überblick

Pro

  • geniale Spielidee
  • schlichte, aber sehr passende Präsentation
  • drei Spielkonzepte in einem
  • hervorragender Leveleditor

Contra

  • wenig abwechslungsreich
  • manche der optischen Tricks funktionieren nicht einwandfrei
  • Präsentation für so manchen Spieler sicherlich zu schlicht
  • Musikberieselung ohne Pause kann anstrengend werden

Wertung

  • PSP
    79
    %

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