Test - ECHO : Wenn die eigene Taktik zum Verhängnis wird

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Wer wird schon gerne von sich selbst besiegt? In ECHO wird dieses Szenario oftmals bittere Wirklichkeit und das kann so erheiternd wie frustrierend sein. Das Indie-Spiel geht nicht auf Nummer sicher und biedert sich euch zu keiner Zeit an. Stattdessen verlangt es Aufmerksamkeit, Disziplin und eine gewisse Opferbereitschaft. Wer diese Kriterien nicht mitbringt, bleibt auf der Strecke.

Ist es ein Stealth-Game? Ist es ein Shooter? Nein, es ist ECHO. Ein Spiel, das sich nur sträubend in irgendwelche Genre-Schubladen stecken lässt. Und es ist auch ein Titel der Gegensätze. Voller guter Ideen, gleichsam hier und dort auf den falschen Kurs geraten. Doch fangen wir lieber am Anfang an, bei der Geschichte und unserer Reise in eine atmosphärische Science-Fiction-Welt.

Die Story – ein heiliger Palast

Ihr schlüpft in die Rolle des jungen, leicht arroganten Mädchens En, das ihr Leben lang dafür trainiert wurde, eines Tages das Paradies ihrer Religion betreten zu können. Hierbei handelt es sich um einen sagenumwobenen Palast irgendwo im Weltall, der es allem Anschein nach wert ist, eine ganze Glaubensrichtung um ihn herum zu erschaffen – und alles zu riskieren. Natürlich kommt es erstens anders und zweitens als man denkt.

Unser Raumschiff stürzt ab, eine alte, vom Dasein genervte KI gibt uns die Schuld am Tod des Piloten und um der ganzen Sache noch die Krone aufzusetzen, hat unser heiliger Palast eine Fehlfunktion. Dadurch werden unzählige Kopien unserer Heldin angefertigt, die uns bei der Erkundung im Weg stehen. Dies sind die Feinde in ECHO und für manch einen der schlimmste Albtraum in Sachen künstlicher Intelligenz.

Zu Beginn ist davon jedoch noch keine Spur zu sehen. Die erste Stunde dieses Sci-Fi-Adventures mag zwar cineastisch hervorragend präsentiert werden, zieht sich jedoch in die Länge. Plump bewegen wir uns in dieser Einführung von A nach B, folgen brav den Anweisungen und versuchen verzweifelt, nicht völlig desinteressiert nach einer anderen Ablenkung Ausschau zu halten.

Hier durchzuhalten mag für manch einen irgendwie belohnend sein, ist gleichsam aber auch eine Zumutung der besonderen Art. Wer hier die Zähne zusammenbeißt und nicht aufgibt, sollte vielleicht also bereits im Vorfeld wissen, womit er zu rechnen hat. Denn für eine breit gefächerte Abnehmerschaft ist ECHO einfach nicht geschaffen, was eine uneingeschränkte Empfehlung unmöglich macht.

Echo - Launch Trailer
Ab dem heutigen Dienstag ist Echo offiziell für PC und PS4 erhältlich.

Die lernende KI

Habt ihr die Einleitung hinter euch gelassen, kommt ECHO endlich in Fahrt und präsentiert sich in vielerlei Hinsicht prächtig. Zum einen durch seine packende Atmosphäre und die wunderschönen, teils beklemmenden, teils visuell spektakulären Schauplätze. Wenn ihr im Netz öfter über den Vergleich mit Stanley Kubricks 2001: Odyssee im Weltraum gestolpert seid, kann ich bestätigen, dass das nicht von ungefähr kommt.

Abseits davon gibt es natürlich auch noch die beiden Hauptfiguren des Spiels, En und London, die das Erlebnis durch ihre gegensätzlichen Persönlichkeiten und damit verbundene, interessante Gesprächsthemen bereichern. Die beiden bieten einen guten Einblick, wie Buddy-Komödien der frühen 80er-Jahren auch hätten funktionieren können: nämlich mit einem Hauch von dramatischen Untertönen und psychologischem Tiefgang.

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