Test - UFC 3 : Der neue Champion?

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Nach zwei Jahren bringt EA Sports den Nachfolger zu UFC 2 auf den Markt. Viel ist passiert seitdem. Neue UFC-Champions wurden gekrönt, alte haben sich verabschiedet. Auf dem Cover ist nun nicht mehr das Gespann Ronda Rousey und Conor McGregor zu sehen, sondern lediglich der schlagstarke Ire McGregor. Hat sich sonst noch etwas verändert außer der Verpackung? Wir fanden es in intensiven Kämpfen mit dem neuen Teil heraus.

Wer mich kennt, der weiß, dass ich der Mixed-Martial-Arts-Materie nicht fremd bin. Nachdem ich selbst als Profi mehrmals im Octagon stand, meine ich zu erkennen, ob ein Sportspiel die Atmosphäre und die Intensität eines MMA-Kampfes einfängt. Um diese Frage zu klären, habe ich mir die Hilfe eines weiteren Profis geholt. Gemeinsam mit meinem Freund und Kampfsportkollegen Ramin Abtin, seines Zeichens ehemaliger Kickboxweltmeister und Trainer, habe ich UFC 3 einer ersten Testsitzung unterzogen. Der erste Eindruck von uns beiden: Der dritte Teil macht Laune.

Das Wichtigste vorab: Die Duelle sind in ihrer Inszenierung noch detailverliebter und authentischer geworden. Ich habe bereits mehrmals eine UFC-Veranstaltung besucht und kann sagen, dass vom Einmarsch über die Gesten bis hin zu den Bewegungen der Kämpfer und deren Spezialtechniken vieles originalgetreu eingefangen wurde. Sogar die Coaches der bekanntesten Kämpfer erkenne ich wieder. Tolle Arbeit, Electronic Arts!

So realistisch wie nie

Die Erscheinung der Kämpfer ist ebenfalls realistisch. Ich brauche nur die seitliche Silhouette oder die Bewegungen eines Kämpfers zu sehen und erkenne meistens sofort, um wen es sich handelt. Die Darstellung der Körper ist genauso beeindruckend. Ihr erkennt Adern unter der Haut oder ob sich ein Muskel anspannt oder nicht. Wenn ihr Ex-UFC-Champ Georges St. Pierre einen Superman-Punch ausführen lasst, dann sieht das genauso aus wie im realen Leben. Überhaupt ist das Motion Capturing sehr authentisch. Nur gelegentlich (etwa bei Würfen) sehen die Bewegungen etwas lustlos ausgeführt aus.

Den Kämpfer in der Hand

Da Mixed Martial Arts der wohl komplexeste Kampfsport überhaupt ist, ist die Steuerung von UFC 3 nicht gerade simpel. Kopfbewegung, Beinbewegung, Kicks, Schläge, Griffe, Würfe, all das in eine sinnvolle und einfache Steuerung zu transferieren, ist eine Herausforderung. EA gelingt das zum Teil richtig gut und in manchen Bereichen eher schlecht. Das Striking-System, also das Schlagen und das Treten, wurde komplett und sinnvoll überarbeitet. Ausweichen, Kontern und Lückenfinden ist viel einfacher und spaßiger geworden.

Beim Bodenkampf sieht das ganz anders aus. Hier kann das Duell sehr schnell zu Ende sein, selbst wenn ihr wisst, was ihr zu tun habt. Die Tutorials helfen auch nicht sonderlich, das nicht ganz unkomplizierte Thema in den Griff zu bekommen. Hier wünschen wir uns mehr Übersicht und Klarheit. Was uns ebenfalls störte, war die mangelnde Kontrolle in den Situationen, in denen ein Übergang herrscht. Wer die UFC schaut, der weiß, dass, sobald ein Kämpfer zu Boden geht, sein Gegner ihm hinterher will, um Schläge und Würger anzubringen. In dieser kampfentscheidenden Situation gelang uns das meist nie, was schade ist, da sich so der Ausgang eines Duells wenden kann.

(Fast) alle dabei

Der Roster lässt fast keine Wünsche offen. Ihr findet beinahe all eure Lieblinge aus dem 500-Mann-Kader der UFC wieder. Zwar sind nicht alle dabei, doch die gesamte Truppe originalgetreu abzudecken, wäre wohl auf Kosten der Authentizität gegangen. Trotzdem habt ihr Oldies und Legenden wie Dan Henderson, Chuck Lidell und Mark Coleman neben aktuellen Kämpfern und Champions wie Stipe Miocic und Daniel Cormier.

Selbst Bruce Lee hat es wieder ins Spiel geschafft. Die Match-ups, die es in der Realität nie gab, dürft ihr mit dieser Kämpferriege nachspielen. Wer Fan von Conor McGregor ist, der findet den Iren an fast jeder Ecke des Spiels. Dadurch wirkt es fast so, als wäre UFC 3 um ihn herum gebaut worden. Fans werden das mögen, andere mag es vielleicht eher stören.

Eine neue Karriere

Abseits von einfachen Duellen gibt es natürlich noch diverse Onlinemodi. Duelle gegen Kämpfer aus der ganzen Welt sind der Standard. Im Offlinebereich gibt es als Neuzugang den sehr spaßigen Knockout-Modus, kommentiert im Englischen von Rapper Snoop Dogg. Der Name ist Programm. Jeder hat eine Leiste, die die Kopftreffer darstellt. Ist sie aufgebraucht, geht die Runde an euren Gegner. Wer zuerst dreimal siegt, gewinnt die Partie.

Ähnlich verhält es sich mit dem Submission Showdown. Dort ist Schlagen und Treten verboten und ihr müsst euren Gegner mit Aufgabegriffen wie Würgen oder Hebeln besiegen. In Stand and Bang ist es umgekehrt: Ringen und Bodenkampf sind verboten. Ihr haut und tretet nur. Diese Modi sind wunderbar als Training für den eigentlichen Kampf geeignet und sorgen für kurze Unterhaltung.

Der überarbeitete Karrieremodus sticht aber am meisten hervor. Ihr hangelt euch von Kampf zu Kampf, verbessert durch Training eure Fähigkeiten und steigt im Ansehen. Nun ist es aber sehr viel entscheidender, wie ihr die Zeit zwischen den Kämpfen verbringt. Sogenannte Wochenpunkte sind die Ressource, die ihr während der Vorbereitung ausgebt. Wöchentlich könnt ihr nur 100 davon verwenden. Trainiert ihr? Studiert ihr euren Gegner? Was trainiert ihr? Investiert ihr in ein teures Training im Gym oder werdet ihr im Keller zum Weltmeister? Welche Spezialfähigkeiten und Attribute gebt ihr euch? Helft ihr im Gym aus und sichert euch so Rabatte? Was macht euer Social-Media-Account?

Gerade die Wahl des Trainingsortes ist interessant. Jedes zur Auswahl stehende Gym hat seinen eigenen Stil, was bei der Bearbeitung eures Kämpfers sehr gute Planung mitbringt. Jedes Gym trainiert verschiedene Stärken. Seid ihr mehr Kickboxer, Ringer oder Bodenkämpfer? Ihr könnt euch auf diese Weise nun wirklich euren Wunschkämpfer basteln. Doch auch eure Fitness bestimmt den Kampfausgang. Es ist entscheidend und nicht immer leicht zu managen, ob ihr euren Kämpfer komplett fit in den Ring schickt oder er unvorbereitet oder übertrainiert dort auftaucht. Alles in allem ist der Modus sehr gelungen und definitiv ein Fortschritt im Vergleich zu Teil 2.

EA SPORTS UFC 3 - Launch Trailer
Ab heute ist EA SPORTS UFC 3 für PS4 und Xbox One erhältlich.

Den Ultimate-Team-Modus hingegen hätten die Entwickler vermutlich besser weggelassen. Warum? Er passt in seinem Aufbau einfach nicht zum Spiel. So einen Modus erwarten wir eher in einem FIFA als in UFC 3. Ihr stellt ein Team aus Kämpfern aus vier Gewichtsklassen zusammen. Verbessern könnt ihr eure Kämpfer durch Karten aus Lootboxen. Diese bekommt ihr durch die im Spiel erarbeiteten Münzen oder durch UFC Points, die ihr für richtiges Geld kauft. Der Modus fühlt sich deplatziert an und durch die Mikrotransaktionen brauchen nicht zahlende Spieler ewig, um Fortschritte zu machen.

Starke Grafik, starker Sound, schwacher Kommentar

Grafisch sieht UFC 3 klar besser aus als sein Vorgänger. Wo allerdings nicht sinnvoll investiert wurde, ist im Kommentatorenbereich. Die US-Sprecher vermitteln eine viel bessere Atmosphäre als ihre unspektakulär und langweilig wirkenden deutschen Kollegen. Geht unbedingt ins Optionsmenü und stellt die amerikanischen Originalstimmen ein. UFC-Kommentator Joe Rogan leistet wunderbare Arbeit. Auch Snoop Dogg als Sprecher im Knockout-Modus ist sehr viel spaßiger. Der Soundtrack ist richtig passend und bietet eine aktuelle Zusammenfassung der feinsten Hip-Hop-Songs, die der Mainstream gerade hergibt.

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