Preview - Driver: San Francisco Mehrspieler : In den Mehrspieler geshiftet

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Nachdem wir uns in London schon mal einen Eindruck vom aktuellen Stand des Einzelspielermodus von Driver: San Francisco verschaffen konnten, sind wir - um im Terminus des Spiels zu bleiben - dieses Mal nach Düsseldorf in den Mehrspielermodus „geshiftet".

Wenn das doch auch in der echten Welt funktionieren würde: Mittels der nach wir vor umstrittenen Shift-Funktion von Driver: San Francisco zoomt ihr aus eurem Auto heraus, schwebt über der virtuell nachempfundenen Ostküstenmetropole und sucht euch eines der mehr als 120 voll lizenzierten Fahrzeuge als neues Gefährt aus. Was konfus, merkwürdig und geradezu albern anmutet, erfüllt - wie wir uns in London überzeugen konnten [http://www.gameswelt.de/articles/previews/7068-Driver_San_Francisco/index.html] - nicht nur seinen Zweck, sondern erlaubt vor allem ein völlig neuartiges, interessantes Spielerlebnis.

Du bist! Nein, du bist!

Und das nicht nur im Einzel-, sondern auch im Mehrspielermodus. In drei Spielvarianten klemmten wir uns hinters Lenkrad und wagten eine Probefahrt. Nach einer kurzen Aufwärmrunde ging's mit dem „Tag"-Modus los, in dem ihr zunächst von einem computergesteuerten Fahrzeug die Krone erobern und verteidigen müsst. Werdet ihr von einem eurer Gegner gerammt, verliert ihr die Krone und müsst sie nun eurerseits durch Rammen wieder zurückerlangen. Je länger ihr in ihrem Besitz seid, desto mehr Punkte fließen auf euer Konto, bis ihr im Idealfall 100 Punkte und damit den Sieg für euch verbuchen könnt.

Noch etwas rabiater geht es beim Katz-und-Maus-Spiel zwischen der Polizei und einem bösen Buben zur Sache. Während der Verbrecher versuchen muss, bestimmte Wegpunkte anzusteuern, und dabei das Shift-Feature nicht nutzen darf, können die Ordnungshüter fröhlich zwischen den verschiedenen Autos auf der Straße hin- und herwechseln. Ihr Ziel: den Flüchtenden durch Rammen daran hindern, seine heiße Ware an den Zielorten abzuliefern. Da ihr in den Streifenwagen nicht nur weniger Blechschäden vertragt, sondern im dichten Stadtverkehr von San Francisco auch des Öfteren mal den Anschluss verliert, drückt ihr euch die Finger wund, um das Shift-Feature zu aktivieren.

Driver: San Francisco - Multiplayer-Event aus Düsseldorf
In der Düsseldorfer Ubisoft-Zentrale konnten wir den Mehrspieler-Modus von Driver: San Francisco anspielen.

Ein Shift kommt selten allein

Nach der anfänglichen Eingewöhnungsphase, in der man es erst einmal mit der „klassischen" Vorgehensweise eines Rennspiels versucht und auf das Shiften verzichtet, geht das Feature sehr schnell in Fleisch und Blut über. Beinahe schon selbstverständlich, als hättet ihr nie etwas anderes gemacht, schwebt ihr dann über der Stadt, setzt euch hinter das Lenkrad der Boliden und schnuppert am Auspuff des Gejagten. Damit gewinnt Driver: San Francisco eine ganz neue und vor allem taktische Tiefe, die uns unheimlich viel Spaß und dem Rennspiel-Genre einen kreativen frischen Wind beschert.

Aber nicht alle Modi verlangen von euch, den Shift-Knopf auf dem Controller auszuleiern. In der dritten Spielvariante versucht ihr, einem vom Computer gesteuerten Fahrzeug hinterherzufahren. Bleibt ihr genau hinter ihm, berührt ihr eine Spur, die der KI-Fahrer hinter sich herzieht, und erntet dafür immer mehr Punkte. Nur: Ihr seid selbstverständlich nicht allein auf den Straßen unterwegs, immer wieder drängeln sich die Kollegen vor euch in die Spur oder schubsen euch gleich komplett in die Leitplanke. Um den Anschluss nicht zu verlieren, springt ihr ganz einfach ins nächste Auto und nehmt die Verfolgung wieder auf. Viel kompakter und actionreicher als in Driver: San Francisco vermochte bisher kaum ein Rennspiel die Mehrspielerpartien umzusetzen.

Golden Gate, Cable Cars, Lombard Street ...

Und: Reflections vernachlässigt die Puristen ebenfalls nicht. In den klassischen Rennspielmodi tritt die Shift-Funktion in den Hintergrund und legt eine Pause ein, sodass ihr euch voll und ganz auf den Kern des Spiels konzentrieren könnt: Auto fahren. Schnell Auto fahren. Mit der überraschend gut gelungenen Fahrphysik, die euch das Gewicht des Autos merkbar spüren lässt und sich je nach Fahrzeugtyp teils deutlich unterscheidet, manövrieren wir gekonnt durch den Verkehr. Da die Entwickler auch den Mehrspielermodus auf 60 Bilder pro Sekunde getrimmt haben, rauschen wir butterweich an den Häuserfronten San Franciscos entlang. Dass dabei die die Grafikqualität nicht ganz auf dem Niveau von Spielen wie Grand Theft Auto 4 ist, verzeihen wir in Anbetracht der flüssigen Darstellung gerne.

Fazit

Yves Günther - Portraitvon Yves Günther
Angesichts des Shift-Features war die Skepsis schon im Einzelspielermodus groß, ob die Entscheidung von Reflections und Ubisoft richtig war, einerseits zurück zu den Wurzeln der Serie zu wollen, andererseits aber mit dem Shiften völlig neue Pfade zu beschreiten. Und noch ein bisschen größer war die Skepsis, wie wohl die Umsetzung für den Mehrspieler gelingen würde. Unbegründet, wie sich letztlich herausstellte. Das Konzept der Mannen um Martin Edmondson geht auf: Shift ist auch bei Partien mit beziehungsweise gegen menschliche Raser eine willkommene Bereicherung für das Genre. Driver: San Francisco verlangt euch dabei alles ab, sei es den Bleifuß, schnelle Finger und Daumen oder Gehirnschmalz. Schon die drei spaßigen Modi, die wir ausführlich anspielen konnten, fesselten mit ihrer packenden Dauer-Action und versprechen damit stundenlangen Spielspaß. Gelingen Reflections auch die übrigen Spielvarianten so gut, könnte sich das britische Action-Rennspiel zu einem echten Mehrspielerklassiker in seinem Genre mausern.

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