Test - Dragon's Dogma : Herzensangelegenheit

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Die Liste der beteiligten Entwickler am Rollenspiel Dragon's Dogma ist beeindruckend: Hideaki Itsuno war zuletzt mit Devil May Cry von Teil zwei bis vier beschäftigt, Hiroyuki Kobayashi kümmerte sich um Killer 7 und Resident Evil 4. Nun haben sie sich vereint, um sich an einem Rollenspiel zu versuchen, das ein wenig nach Dark Souls aussieht, sich wie Monster Hunter anfühlt und sich so spielt, als hätte sich Shadow of the Colossus mit Fable zusammengetan. Ein wilder Mix, der zwar nicht das Rollenspiel-Genre revolutioniert, aber vielen Aspekten einen frischen Wind verleiht.

Das Dasein als Fischer klingt eigentlich verlockend: ein ruhiges Leben, entspannte Arbeit und leckeres Essen. Im heimischen Dorf kennt jeder jeden, man grüßt sich und winkt den Kindern zu. Diese Idylle hat allerdings jäh ein Ende, als ein riesiger Drache am Strand auftaucht und Chaos stiftet. Ihr fackelt nicht lange, greift euch ein Schwert und stellt euch der Bestie. Das Schicksal nimmt seinen Lauf: Ohne auch nur den Hauch einer Chance zu haben, werdet ihr abgefertigt. Mit einer Kralle reißt der rote Drache euren Torso auf und stiehlt euer Herz. Doch anstatt zu sterben, wacht ihr mit einer riesigen Narbe im heimischen Bett auf. Nur noch ein Gedanke schwirrt euch im Kopf herum: Ihr wollt euer Herz zurück.

Baukasten des Lebens

Bevor es allerdings so richtig losgeht, erstellt ihr euren eigenen Helden. Dabei habt ihr eine Menge Möglichkeiten, euren Charakter anzupassen. Von der Gesichtsform bis zum Umfang einzelner Extremitäten bleiben kaum Wünsche offen. Es ist aber ein wenig schade, dass ihr die Länge und das Gewicht nur in größeren Schritten regeln könnt. Außerdem ist die Auswahl der Stimme ein wenig überflüssig, schließlich verliert euer Held kein Wort. Er stöhnt höchstens dann und wann mal, wenn er eine größere Waffe schwingt und zum Angriff schreitet.

Anschließend entscheidet ihr euch für eine Klasse. Am Anfang stehen euch drei verschiedene zur Auswahl. Der Kämpfer lässt die Schwerter klirren und verteidigt sich mit einem Schild. Der Streicher setzt auf seine Flinkheit, ist mit zwei Dolchen ausgerüstet und schaltet Feinde aus sicherer Entfernung mit einem Bogen aus. Natürlich darf auch der Magier nicht fehlen, der vorrangig mit Zaubersprüchen arbeitet. Jeder einzelne hat seine besondere Fähig- und Fertigkeiten, die freigeschaltet werden, wenn ihr bestimmte Ränge erreicht. Dafür braucht ihr Disziplinpunkte. Und die gibt es nur, wenn ihr fleißig kämpft und Missionen erfüllt. Außerdem müssen die Angriffe erst festgelegt werden, da ihr nur begrenzt Platz dafür habt.

Dragon's Dogma - Staaart! Die ersten 10 Minuten
Wir zeigen euch die ersten Minuten aus Capcoms neuem Action-RPG.

Drei Klassen, das klingt nicht nach viel Individualität, doch ihr könnt euch weiter spezialisieren. Ihr dürft nicht nur die ursprüngliche Berufung verfeinern und so zum Beispiel aus dem Magier einen Erzmagier machen, sondern auch Klassen mischen. Entwickelt euch beispielsweise vom Streicher zum Assassinen, der dann auch in der Lage ist, Schwerter und Schilde zu benutzen. Außerdem hat er dadurch Zugriff auf die Fähigkeiten des Kriegers. Falls ihr mit eurer Wahl unzufrieden seid, könnt ihr jederzeit die Klasse beim Gastwirt ändern.

Schreibe Geschichte

Tatsächlich gestaltet sich der Spielverlauf relativ offen, es gibt keinen richtigen roten Faden. Na klar, irgendwann steht ihr eurem geschuppten Herzensbrecher gegenüber, aber bis dahin habt ihr eine offene Welt zur Verfügung, die ihr frei erkundet. Am einfachsten geht das, wenn ihr Aufträge von anderen Leuten annehmt, die überall anzutreffen sind. Hier erinnert Capcoms Rollenspiel eher an ein MMORPG. Euer Tagebuch wird sich schnell mit Aufgaben füllen, die ihr zu erledigen habt. Besonders dann, wenn ihr an den vielen Schwarzen Brettern nach Aufträgen sucht. Wie und in welcher Reihenfolge ihr sie angeht, bleibt euch überlassen.

Dem Spiel fehlt etwas der dramaturgische Kniff. Die Geschichte und ihr Verlauf fühlen sich beliebig an. Die Entwickler haben es versäumt, die allumfassende Rahmenhandlung spannend zu inszenieren. Der große Bogen fehlt weitgehend, weil die Zwischensequenzen nicht mitreißen können und zu selten eingespielt werden. Vielmehr konzentriert sich Dragon's Dogma darauf, was ihr erlebt, wenn ihr unterwegs seid. Ähnlich wie in Dark Souls wird eure Erfahrung dadurch geprägt, in welche Situationen ihr geratet und wie ihr sie meistert. Es ist eines dieser Spiele, in denen ihr immer wieder euren Freunden erzählt: "Du glaubst nicht, was mir letztens passiert ist!" Und das ist eine ganze Menge wert.

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