Test - Dragon's Crown Pro : Kloppen um die Krone

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Es ist kein Geheimnis, dass ich zünftige virtuelle Prügeleien mag. Insbesondere die Kategorie von Spielen à la Double Dragon, Final Fight und Streets of Rage hat es mir angetan. Von links nach rechts laufen, Gegnern die Kauleiste polieren, Bosse umhauen, fertig. Entsprechend erfreut saß ich 2013 vor der PS3, im Laufwerk rotierte Dragon's Crown. Das bot die besagte 2-D-Sidescroll-Action, würzte das Ganze aber mit zahlreichen RPG-Elementen und toller Grafik. Das ist fünf Jahre her ...

Dennoch hat Dragon's Crown nichts von seinem Charme eingebüßt. Im Gegenteil: Weil fast jeder Brawler der letzten Zeit enttäuschte, darunter Raging Justice oder aktuell Shaq-Fu: A Legend Reborn, freute ich mich auf die bekannten Qualitäten der Keilerei. Manche Spiele altern nämlich nicht – das gilt auch für Dragon's Crown.

Als Spielfiguren stehen Kämpfer, Amazone, Zwerg, Elfe sowie Hexe und Magier zur Wahl. Die teilen sich in Nah- und Fernkämpfer auf: Die ersten drei wirbeln mit Schwertern, Lanzen und Äxten durch die gegnerischen Reihen, während die andere Hälfte auf Pfeile beziehungsweise Elementar-Zauber wie Feuer und Eis setzt. Ich könnte meinen alten Spielstand von der PS3 oder Playstation Vita importieren und somit meinem Ritter zum Comeback verhelfen, entscheide mich jedoch für die Hexe. Man möchte ja mal etwas Neues ausprobieren.

Anschließend entlässt mich das Spiel ins Dorf, das als zentrale Anlaufstelle dient: Hier wähle ich KI-Begleiter oder hole bis zu drei menschliche Mitspieler in die Gruppe, kaufe, verkaufe und repariere Waffen wie Rüstungen, erwerbe neue Fähigkeiten und nehme Nebenquests an. Die reichen vom Sammeln bestimmter Gegenstände bis zum Auffinden versteckter Schätze. Abgeschlossene Aufgaben bringen Erfahrung und Punkte für neue Fähigkeiten. Das kenne und mag ich.

Ein Spiel wie gemalt

Obwohl ich genau weiß, was mich erwartet, packt mich Dragon's Crown Pro bereits nach wenigen Minuten wieder, weil das Prinzip aus Kämpfen und Sammeln nach wie vor erstklassig funktioniert und motiviert. Langeweile kommt keine auf, denn die Kerker, Burgen, Tunnel und Höhlen wimmeln vor Skeletten, Echsenwesen, Riesenspinnen, Zombies und anderen Monstern. Diese tauchen alle paar Bildschirmmeter in Gruppen auf und kriegen eine Abreibung: Je nach gewähltem Zauberstab greift meine Magierin effektreich mit Blitzgewitter, Feuerwand oder Eiswolke an, was spielerisch und optisch wuchtig inszeniert ist. Hin und wieder nutze ich Extrawaffen wie Flammenwerfer oder Armbrust, die eine Zeitlang ordentlich Schaden austeilen. Das Repertoire an Angriffsmöglichkeiten ist überschaubar, bietet aber dennoch ausreichende Möglichkeiten, etwa im Hinblick auf Combos.

Grafisch verzückt mich Dragon's Crown auf der Playstation 4 Pro dank 4K-Auflösung noch mehr als die bereits wirklich hübsche PS3-Fassung: Die gezeichnet wirkenden Hintergründe und Figuren scheinen direkt einem hochwertigen Artbook entsprungen zu sein. Dieser Stil ist seit Jahren das unverkennbare Markenzeichen des japanischen Entwicklers Vanillaware und jedes Mal eine Augenweide. Zu meinem absoluten Glück fehlt einzig eine HDR-Unterstützung, damit die herrlichen Farben und Effekte noch differenzierter strahlen. Der neu aufgenommene Soundtrack bietet wie schon das Original pompöse Themen und dynamische Kampfgeräusche – da gibt es nix zu meckern, sondern viel Schönes zu hören.

Etwas merkwürdig bleibt die Notwendigkeit, neue Gegenstände erst gegen einen gewissen Geldbetrag freischalten zu müssen, bevor sie zum Einsatz kommen können. Das knabbert gerade im späteren Spielverlauf teils kräftig am Ersparten, zumal Continues nach dem Verlust aller Bildschirmleben ebenfalls bezahlt werden müssen. Genauso ungewöhnlich ist das Loot-System: Bei Dragon's Crown purzeln Gegenstände nicht einfach aus besiegten Gegner heraus, sondern liegen in verschlossenen Schatztruhen.

Die kann nur ein Dieb öffnen, der mir auf Schritt und Tritt automatisch folgt. Was drinsteckt, weiß ich leider erst nach Abschluss des Levels. Ebenso fraglich ist die Qualität des Gesammelten – die hängt von den Punkten ab, die ich in der Stage durchs Monsterkloppen verdient habe. Auch darf ich ausschließlich im Dorf auf das Menü zugreifen und somit meine Ausrüstung verändern, deshalb sollte ich für bevorstehende Missionen einigermaßen gewappnet sein.

Wo bin ich?!

Gerade in den ersten Stunden geht es fix voran mit neuen Stufen, Fähigkeiten und frischen Gegenständen. Danach dauern Fortschritte zwar länger, jedoch öffnet sich die Spielwelt zunehmend und ermöglicht neue Quests und alternative Routen, an deren Ende deutlich stärkere Bosse warten. Leider mangelt es gerade auf den anspruchsvolleren Wegen mitunter an Übersicht, denn Spielfiguren, Gegner und Effekte verdecken einander. Das verschlimmert sich, wenn mehr als ein Mitspieler dabei ist – es wird schlicht zu voll auf dem Bildschirm.

Dragon's Crown Pro - Launch Trailer
Mit Dragon's Crown Pro startet nun auch die PS4-Version des Rollenspiels durch.

In Verbindung mit dem Kauf von Continues, dem Reparieren der eigenen Ausrüstung sowie dem kostenpflichtigen Wiederbeleben der KI-Kameraden kann es finanziell eng werden. Irgendwann helfen nur noch das Farmen von Gold und weniger Bildschirmtode. Denn mit jedem Ableben steigen die Kosten für den Wiedereinstieg. Ist die Kohle weg, geht es zurück ins Dorf. Geld und Schätze, die bis hierhin gesammelt wurden, bleiben jedoch erhalten.

Auf eine einfallsreiche Story muss man bei Dragon's Crown Pro übrigens verzichten. Ein böser Drache droht wieder die Welt ins Chaos zu stürzen, was eingangs erwähnte Helden um jeden Preis verhindern sollen. Mehr als den gelegentlichen Offtext eines wahlweise englischen oder japanischen Sprechers, Standbilder und Textboxen werden nicht geboten. Das war damals dünn und ist es immer noch.

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