Test - Divinity: Original Sin 2 : Viel zu gut um wahr zu sein?

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Alle Wege führen nach Rom. Selten hat diese alte Redewendung besser gepasst als zur Designphilosophie hinter Divinity: Original Sin 2. Wobei „Rom“ nicht nur euer Ziel sein kann, das lange Zeit ohnehin nicht so richtig klar ist, sondern auch der Tod. Denn die Konsequenz, die es hinsichtlich spielerischer Freiheit an den Tag legt, setzt sich bei der Gnadenlosigkeit knallhart fort. Trotz exzessiver Nutzung der Schnellspeicher- und -ladefunktion werden Taktiker und Tüftler dieses epochale Rollenspiel so schnell nicht wieder beiseitelegen.

Die Qualität und die Stärken von Divinity: Original Sin 2 kommen für Kenner des ersten Teils wenig überraschend. Schließlich war das komplette Grundgerüst damals schon vorhanden und sorgte für einen Überraschungshit. Doch wo der Vorgänger noch nicht so genau wusste, wie ernst er sich selbst eigentlich nehmen sollte und den Balanceakt zwischen Parodie und erwachsenem Rollenspiel nicht so recht hinbekam, macht der zweite Teil sofort klar: Bei mir gibt es keine halben Sachen mehr. An Nichts soll es dir mangeln, ich will das RPG sein, von dem du immer geträumt hast!

Das Spiel mit Charakter

Klar, flotte Sprüche und absurde Situationskomik gibt es immer noch, aber auf einer deutlich realistischeren und abgeschwächten Ebene. Vor allem sind sie eingebettet in eine Rahmenhandlung, die uns viel schneller packen konnte und sich weitaus relevanter anfühlt, als noch im Vorgänger. Das wird schon bei der Charaktererstellung deutlich. Sechs vorgefertigte Charaktere stehen euch zur Auswahl, die alle ihren eigenen spannenden Hintergrund mitbringen. Alternativ erstellt ihr euren eigenen Helden. Wie eure Wahl auch ausfällt, ihr habt komplette Freiheit bezüglich des initialen Fertigkeiten- und Attributsets, könnt euch aber an vordefinierten Klassen orientieren.

Wir konnten es uns natürlich nicht nehmen lassen und haben uns für den Untoten Fane entschieden, den eventuell spannendsten Charakter. Der stellt nicht nur die Spielmechanik auf den Kopf, indem er sich durch Gift heilt und durch klassische Heilung Schaden nimmt, sondern er kann auch noch die Gestalt aller vier Rassen (Elfen, Zwerge, Menschen, Echsen) annehmen. Damit ist er imstande, zwischen den unterschiedlichen Rassenfertigkeiten zu wechseln und ist bei den Dialogen äußerst flexibel. Diese basieren nämlich auf einem Tag-System, sprich je nach Herkunft eures Charakters hat er nicht nur ein Rassen-Tag, sondern ist auch beispielsweise ein Gelehrter oder Mystiker.

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Das eröffnet neue Dialogoptionen und steuert, wie NPCs auf euch reagieren. Kleiner Tipp: Ein grinsender Skelettschädel sorgt nicht bei jedem für Begeisterungsstürme. Aber auch ohne einen untoten Charakter sind diese Elemente wichtig. Ihr könnt bis zu drei der anderen vordefinierten Charaktere in eure Gruppe aufnehmen und Dialoge mit jedem von ihnen initiieren. Das kann vor allem im Koop-Modus für jede Menge Chaos sorgen, hat aber als Solospieler seine Vorteile. Während euer Hauptcharakter gerade an einer Überzeugungsprobe beim NPC gescheitert ist, probiert es Sebille, die Elfin einfach selbst noch einmal und schafft es womöglich.

Von göttlichen Bestimmungen

Die vorgefertigten Charaktere verfügen darüber hinaus noch zusätzlich über ganz persönliche Dialogmöglichkeiten und treten manchmal sogar aktiv vor, wenn wir auf eine Figur treffen, die für ihre persönliche Questreihe relevant ist. Das kann durchaus unseren eigenen Zielen in die Quere kommen, beispielsweise wenn Sebille einen NPC aus Rache einfach tötet, bevor wir Informationen aus ihm quetschen konnten. Generell ist eure Gruppe eine interessante Mischung aus Zweckgemeinschaft, Freundschaft und beinharter Konkurrenz. Schnell stellt sich nämlich heraus, dass nicht nur ihr ein Anwärter darauf seid, der nächste Göttliche zu werden, sondern eure Kameraden ebenso, und es kann bekanntlich nur einen geben.

Doch bis einigermaßen klar ist, wovon Divinity: Original Sin 2 eigentlich handelt, stehen erstmal zahlreiche Spielstunden bevor, die von abwechslungsreichen Nebenquests, aber auch einer gewissen Planlosigkeit geprägt sind. Gemeinsam mit den anderen Hauptcharakteren startet ihr auf einem Schiff, das euch zur Freudenfestung bringen soll. Ihr alle seid Quellenmagier und damit eine Gefahr für die Magister des Heiligen Ordens. Quellenmagie lockt nämlich seit einiger Zeit die Monster der Leere an und soll daher unterbunden werden. Ein Halsband, das Quellenmagie unterbindet, ziert euren Hals und die Freudenfestung ist nichts anderes als eine Strafkolonie auf einer Insel, wo Quellenmagier „geheilt“ werden.

OMG! One Minute Game-Review - Divinity: Original Sin 2
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Einiges geht schief und das Schiff kentert. Dennoch werdet ihr an den Strand besagter Insel gespült und trefft dort schnell wieder auf eure potentiellen Gruppenmitglieder. Nicht nur die haben viel zu sagen, sondern auch alle anderen Charaktere im Lager. Schnell habt ihr euch in die Nebenquestspirale hineinziehen lassen und verbringt erst einmal locker fünf bis zehn Stunden, ehe ihr euch wieder eurem eigentlichen Ziel, dem Ausbruch aus der Festung und danach der Flucht von der Insel, widmet.

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