Test - Destiny 2 : Erstes Fazit nach 20 Stunden

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Die Destiny-Fangemeinde ist ein Phänomen: Mit der Veröffentlichung des ersten Teils von Bungies Sci-Fi-Saga bekam sie einen Shooter, der zwar Spaß machte, aber einiges des vorhandenen Potenzials ungenutzt auf der Strecke ließ. Mit der Erweiterung König der Besessenen machten die Entwickler zwar eine ganze Menge richtig, doch so richtig rund war das Endergebnis nicht. Mit Destiny 2 krempelt Bungie nun die Ärmel hoch und verfeinert das Hüterabenteuer, sodass sich jetzt sagen lässt: “Ja, so soll Destiny sein!” Wäre da nicht die Ziffer Zwei im Titel …

Bösewicht Ghaul sorgt für Kahlschlag, damit auch jene Spieler, die Ende Oktober auf dem PC dazustoßen, nicht befürchten müssen, dass sie von der Handlung etwas Wichtiges verpasst haben. Der Ballast und die Grimoire-Karten des Erstlings sind Geschichte. Wer auf der PlayStation 4 oder Xbox One seinen lieb gewonnen Hüter reaktiviert, darf sich jedoch über einige Anspielungen freuen. Bekannte Rassen werden dementsprechend nicht wieder neu vorgestellt, stattdessen wird in der Anekdotenkiste gewühlt.

Auf der Suche nach dem Licht

Ghaul schnappt sich den Reisenden, entführt den Sprecher und legt den letzten Turm, den Rückzugsort der Hüter, in Schutt und Asche. Euer Hüter entkommt knapp mit dem Leben, verliert aber sein Licht, also seine Superkraft – genauso wie die andern Hüter auch. Nachdem ihr euch wieder zusammengerauft habt, müsst ihr erst mal eure Spezialfähigkeit zurückerlangen. Dann geht es auf die Suche nach der Vorhut. Zavala, Cayde-6 und Ikora hat es auf verschiedene Planeten verschlagen. Eure Aufgabe ist es, die legendäre Feuertruppe wieder zu vereinen, um Ghaul dann gemeinsam in den Hintern zu treten.

Die Geschichte in Destiny 2 wird von Bungie deutlich aufwendiger präsentiert. Zwar reißt die Handlung keine Bäume aus, hält aber ausreichend bei der Stange und sorgt dafür, dass ihr emotional involviert seid. Im Gegensatz zum Vorgänger wisst ihr zu jeder Zeit, was eure Aufgabe ist und was auf dem Spiel steht. Ein großer Fortschritt, der ja schon in König der Besessenen seinen Anfang nahm. Es ist aber nicht nur die Kampagne an sich, die vom größeren Fokus auf die Erzählweise profitiert. Jede Aufgabe und jede Nebentätigkeit besitzt in Destiny 2 ein storybasiertes Fundament. Das ist gut so. Etwas schade ist, dass ihr im Rahmen der Hauptkampagne die verschiedenen Planeten flott abarbeitet.

Einer für alle

Ihr müsst auch mindestens ein Auge zudrücken. Wieso ihr in der Kampagne die einzige Person seid, die zum Licht zurückfindet, ist mindestens schleierhaft. Besonders in Anbetracht der Tatsache, dass ihr auf den verschiedenen Planeten in Strikes, Raids oder im Multiplayer auf zahlreiche Hüter stoßt, die ebenfalls ihre Lichtfähigkeit wiedererlangt haben. Nur die Vorhut scheint ohne auskommen zu müssen.

Eine positive Entwicklung entdeckt ihr auf euren Streifzügen auf den verschiedenen Planeten. Jeder Schauplatz beherbergt einen speziellen Charakter, der als eure primäre Anlaufstelle fungiert. Stellt es euch so vor: Für jede Tat, Nebenaufgabe, gefundene Kiste oder wenn ihr wichtige Ziele ausschaltet, bekommt ihr Marken. Besonders hervorzuheben sind hier die Adventures: umfangreichere Nebenmissionen, die mit einer soliden Portion Story ausgestattet sind und mehr über die Charaktere oder Nebenstränge in der Galaxie von Destiny verraten.

Alle für einen

Mit diesen Marken geht ihr zu der jeweiligen Person (oder auch KI, je nachdem), gebt sie ab und steigt im entsprechenden Level auf. Für jeden Levelaufstieg dürft ihr euch über legendäre Ausrüstung freuen. Gerade Normalos im Destiny-Kosmos freuen sich, denn Bungie gibt ihnen einerseits die maximale Freiheit, genau das zu unternehmen, worauf sie Bock haben. Gleichzeitig existiert auf jedem Planeten eine Anlaufstelle, wo die Belohnungen abgeholt werden können.

Zumindest in der Anfangszeit werden Spieler gerne Zeit in den verschiedenen Gebieten verbringen und Münzen sammeln. Die Gebiete an sich sind auf den ersten Blick nicht unbedingt größer geworden, trotzdem merkt man auch hier, dass Bungie dazugelernt hat. Jeder Planet ist nicht nur einzigartig designt, es lassen sich auch überall interessante Orte mit spannend gestalteten Kulissen entdecken.

Die EDZ umfasst Waldgebiete, ein Salzwerk sowie ein kleines Dorf. Ein krasser Kontrast dazu ist Titan. Hier bewegt ihr euch auf massiven Konstruktionen, die Ölplattformen ähneln. Nessus hingegen könnte mit seiner bunten Farbpalette und der exotischen Flora auch aus No Man's Sky stammen, hätten die Vex den Planeten schon ihren eigenen Vorstellungen angepasst. Der Jupitermond Io zu guter Letzt kommt vielleicht etwas karger daher, doch dank Ghauls Armee, die dort fleißig ihr Unwesen treibt, gibt es genug zu entdecken.

Spielerisch ist Destiny 2 sowieso eine Bank. Das Gunplay wurde kaum angetastet, aber warum auch? Bereits mit dem ersten Teil zeigte Bungie, wie sich ein Shooter anzufühlen hat. Diesbezüglich krempelt der Nachfolger keine Elemente auf links, sondern beruft sich auf die Stärken des Vorgängers. Veteranen werden sich sicherlich freuen, doch fehlt zumindest aktuell die große Neuerung, die eine Fortsetzung normalerweise mit sich bringt. Momentan fühlt sich Destiny 2 an wie die definitive Version des ersten Teils und nicht wie ein richtiger Nachfolger.

Neue Strikes braucht der Hüter

Natürlich dürft ihr euch zum Release von Destiny 2 mit einer guten Handvoll neuer Strikes herumschlagen. Diese werden erst ab einem bestimmten Punkt in der Kampagne freigeschaltet, entschädigen aber in den meisten Fällen für den späten Auftritt mit interessanten Spielmechaniken und coolen Bossen. Es empfiehlt sich, sich für diese speziellen Missionen fähige Hüter ins Feuerteam zu holen.

Besonders der Strike namens Pyramiden gefällt aufgrund der Laserfallen, die dem Sci-Fi-Shooter vorübergehend Jump-'n'-Run-Elemente verleihen. Ähnlich sieht es bei Exodus Crash aus. Der Strike The Arms Dealer setzt eher auf klassische Kost, ist dafür fett inszeniert. Jeder Strike hat sein Alleinstellungsmerkmal. Natürlich gibt es auch Dämmerungsversionen der jeweiligen Strikes, die noch mal eine ganze Ecke knackiger daherkommen.

Nicht ganz so subtil

Mit Titan, Jäger und Warlock bekommt ihr die drei bekannten Klassen aus dem ersten Destiny-Teil erneut zur Auswahl gestellt. Allerdings verfügen sie von Anfang an über eine neue Subklasse, die sich vielfältig einsetzen lässt. Auf coole Art und Weise schaltet ihr die verschiedenen Klassen frei und bekommt gleichzeitig viele Hintergrundinformationen serviert.

Der Titan beschwört als Sentinel einen Leereschild, mit dem ihr Projektile abwehrt oder in bester Captain-America-Manier Gegner aus den Latschen haut. Eine weitere Fähigkeit erlaubt es dem Sentinel-Titan, eine Barriere zu errichten, hinter der man sich vor Angriffen der Gegner schützen kann. Beim Stürmer handelt es sich um die klassischste Version des Titans, der mächtige Faustangriff bei geladener Superanzeige vernichtet Gegner in Nullkommanichts. Cool ist, dass mit dem Sonnenbezwinger die Subklasse wiederkehrt, die ihre Premiere in König der Besessenen feierte.

Der Jäger wird zum Arkusakrobaten. Mit dem Arkusstab vermöbelt ihr eure Feinde. Der Revolverheld darf natürlich auch nicht fehlen. Mit der Golden Gun tötet ihr die meisten Widersacher mit einem Treffer. Auch der Nachtpirscher ist wieder mit dabei. Mit einem mystischen Bogen geht er auf die Jagd.

Destiny 2 - Explore Lost Sectors Trailer
In der riesigen Spielwelt von Destiny 2 könnt ihr euch die geheimen "Lost Sectors" entdecken; der Trailer gewährt erste Einblicke.

Während also der Titan eher für die gröberen Aufgaben gedacht ist und der Jäger aus dem Hinterhalt agiert, geht der Warlock als Supporter durch, macht aber trotzdem eine Menge Schaden. Mit dem Solarfernangriff der Dämmerklinge schwebt ihr durch die Gegend und heizt Gegnern mit Feuerphoenixprojektilen ein. Zum Leereläufer gesellt sich der aus König der Besessenen bekannte Sturmrufer, der einen Superangriff besitzt, der sogar den Imperator aus Star Wars vor Neid erblassen lässt. Schade nur, dass es keine komplett neue Klasse in Destiny 2 geschafft hat.

Zwar ist auch in Destiny 2 die Maximalstufe mit Level 20 erreicht, aber bis dahin schaltet ihr zwei Talentbäume frei und dürft so euren Hüter eurem Geschmack anpassen. Bei Level 20 ist noch nicht wirklich Schluss, ihr könnt weiterhin Erfahrungspunkte verdienen und aufsteigen. Doch statt eines neuen Levels bekommt ihr Loot. Viel wichtiger ist eigentlich das Powerlevel, das von eurem Equipment definiert wird. Je besser eure Ausrüstung, desto höher der Wert. Das ist besonders wichtig bei den Dämmerungsstrikes und den anstehenden Raids. Ach ja: Die Shader werden nun aktiv verbraucht und gelten nur für das jeweils ausgewählte Ausrüstungsteil. Dadurch dürfen sich Hüter modisch noch mehr austoben.

Noch lange kein Ende in Sicht

Auch wenn ich bereits viele Stunden mit Destiny verbringen konnte, ist ein Ende noch nicht in Sicht, da das letzte Kapitel der Kampagne noch bevorsteht und ich den PVP-Modus nur kurz ausprobieren konnte. Hier müssen wir zum Release noch ein paar Stunden investieren, weil Bungie verspricht, dass massig Inhalte nach Beendigung der Kampagne verfügbar werden. Der Raid steht ja ebenfalls noch an.

Bislang macht Destiny 2 einen ausgereiften Eindruck, gerade was die Präsentation angeht, auch wenn richtige Neuerungen fehlen. Grafisch ist der Shooter zwar meistens „nur“ nett und beeindruckt lediglich aufgrund der coolen Schauplätze, dafür überzeugt der Soundtrack auf ganzer Linie. Jedes Musikstück übertrifft das vorherige an Epik. Jeder Planet verfügt über seine eigene musikalische Untermalung. Da hat Bungie ganze Arbeit geleistet.

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