Test - Der Pate: Don's Edition : Die ehrenwerte Gesellschaft besucht die PS3.

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Diese haben neben einer Lebensenergieanzeige auch einen Kapitulationsbalken, der euch anzeigt, wie sehr ihr euren Argumenten bisher Nachdruck verliehen habt. Dies geschieht auf unterschiedliche, aber stets moralisch bedenkliche Weisen: Angelegte Feuerwaffen können die eingeschüchterten Selbstständigen ebenso wenig verkraften wie eine Tracht Prügel. Packt die zu akquirierenden Kunden beim Kragen, schüttelt und schubst sie und lasst mit dem rechtem Stick die Fäuste sprechen. In diesen Sequenzen müssen weniger grob gestrickte Naturen sicherlich schwer schlucken, zumal es das wirklich interessante Kampfsystem zusätzlich ermöglicht, das wimmernde Gegenüber brutal gegen Wände zu schmettern und beispielsweise die Kasse mit dem Kopf des Unglücklichen zu demolieren.

Blood Money

Leider ist das Spiel nicht nur in diesen Nebenmissionen unnötig brutal ausgefallen. Wer nun argumentiert, ein Spiel vor diesem Hintergrund bedinge brutales Vorgehen schon per se, hat sicherlich recht. Die zahlreichen “Exekutionsweisen“, wie das Spiel seine Fatalitys selbst nennt, stoßen allerdings auch bei abgebrühten Zockern an diverse Geschmacksgrenzen. Zwar gibt es eine spezielle Taste für diese besonders martialischen Animationen, speziell in Feuergefechten aus nächster Nähe löst das Spiel seine blutrünstigen Hinrichtungen schon mal automatisch aus.

Davon abgesehen funktioniert die Mafiosi-Schießbude mit einigen Abstrichen aber durchaus erfreulich. Ihr solltet stets eine angemessene Deckung wählen und bereits aus dieser Position Gegner aufschalten und einzelne Körperpartien anvisieren. Wer sich auf freiem Feld einer gegnerischen Übermacht in den Weg stellt, sollte lieber Fersengeld geben. Schade nur, dass das Durchschalten und Anvisieren der Gegner nicht immer nach Wunsch funktioniert, darüber hinaus ist die Steuerung insbesondere bei den Fahrzeugen etwas hakelig ausgefallen.

Unterschiede zur Xbox 360?

Im Hinblick auf die PS3 gibt es bei der Steuerung eine kleine Neuerung, denn im Nahkampf kommt der Sixaxis-Controller zu seinem Recht. So könnt ihr Gegner, die ihr bereits festhaltet, durch Bewegen des Controllers gegen eine Wand schubsen, ordentlich durchschütteln, sie wegschleudern oder gegen harte Gegenstände schmettern. Das wurde insgesamt auch ordentlich umgesetzt, wenn es auch der ohnehin nicht gerade geringen Brutalität im Spiel nochmals Auftrieb gibt. Neben der Bewegungserkennung haben noch einige wenige neue Features ihren Weg ins Spiel gefunden. So gibt es nun per L2-Druck ein sehr praktisches Schnellauswahl-Menü für die Waffen, des Weiteren könnt ihr neuerdings auch Gangster anheuern, die euch bei euren Missionen und Erpressungsversuchen tatkräftig unterstützen. Zudem gibt es eine Hand voll neuer Missionen und Locations, überdies wurde das Skill-System noch etwas erweitert. Dadurch dass die Skills in Pfade aufgeteilt wurden und mehr Details bieten, ist mehr Spezialisierung möglich und die Skills an sich sind sinnvoller. Ebenfalls neu sind einige Challenges, die ins Spiel integriert wurden, um euch noch etwas mehr Abwechslung zu bieten.

Optisch immer noch mager

Gespannt durfte man auf die technische Umsetzung auf der PS3 sein. Leider hat sich hier gegenüber der auch schon mauen Xbox-360-Version herzlich wenig getan. Dies merkt man vor allem bei den Texturen: Zwar wurden einige verbessert, doch sie sind immer noch weit unter Next-Gen-Niveau. Gerade wenn man die extrem detailarmen Hinterhöfe sieht, zweifelt man daran, dass sich die Entwickler hier mehr als fünf Minuten Mühe gemacht haben. Verschärfend kommt hinzu, dass die faden Tapeten durch die HD-Auflösung noch steriler und atmosphärekillend wirken. Immerhin gefallen die Modelle der Hauptfiguren, die ihren Filmvorbildern in nichts nachstehen. Die überarbeiteten Effekte, wie Explosionen und Feuer, zeigen zumindest ansatzweise PS3-Niveau.

Bei der kargen Grafik ist es umso seltsamer, dass die Framerate in den Fahrpassagen immer wieder mal einbricht. Die tolle Filmatmosphäre, die durch gelungene Zwischensequenzen, eine cineastische Musikuntermalung und eine exzellente deutsche Sprachausgabe vermittelt wird, kann allerdings durchaus überzeugen.

Fazit

Andreas Philipp - Portraitvon Andreas Philipp
Ich muss sagen, die PS3-Version gefällt mir dank der sinnvollen Neuerungen doch einen Tick besser als die Xbox-360-Variante. Und das tolle Kino-Flair ist dank guter Charakterdarstellung und gelungener Sprachausgabe ebenfalls vorhanden. Dennoch bleiben einige Vorbehalte. Die Grafik ist weit unter dem machbaren Niveau der Konsole und enttäuscht vor allem durch maue Texturen. Die Steuerung wurde zwar erweitert, leidet aber immer noch unter den gleichen Kinderkrankheiten. Was mich aber am meisten stört, ist, dass 'Der Pate' dort, wo Spiele wie 'Mafia' oder 'GTA' mit Stil oder Einfallsreichtum punkten, einfach nur überzogene Brutalität bietet, die den an sich guten cineastischen Gesamteindruck auf ein unnötig niedriges Niveau herunterzieht. Klar, das Mafia-Geschäft ist kein Kindergeburtstag, aber etwas stilvoller hätte man das schon lösen können, insbesondere in Anbetracht der legendären Filmvorlage.

Überblick

Pro

  • frei erkundbares New York
  • einige neue Features
  • grandioses Ambiente

Contra

  • Grafik weit unter PS3-Niveau
  • ungenaue Steuerung und Anvisierungsprobleme
  • überzogene Gewalt

Wertung

  • PS3
    72
    %

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