30.01.2012 - Thomas Weise
Die Menschheit ist in zwei Lager gespalten: eine in höheren Sphären lebende Oberschicht und - der traurige Rest. Diese Konstellation ist nichts neues und kann zu so unterschiedlichen Ergebnissen führen, wie die Eloi und Morkocks aus Wells „Zeitmaschine“ oder Fritz Langs Metropolis. Oder aber zu Deponia, dem neuesten Adventure aus dem Hause Daedalic - wo es im Verhältnis zu den eben genannten Beispielen aber dann doch wesentlich witziger zugeht.
Besonders witzig findet Rufus, der Held des Abenteuers, sein Leben allerdings nicht. Was auch nicht verwundert, wenn man bedenkt, dass er - wie der Titel des Spiels sehr schön andeutet - auf einem Müllplaneten lebt. Klar, dass er da weg will. Zwar verfügt er über reichlich Kreativität und ein hinreichend aufgeblasenes Ego für so ein Vorhaben, allerdings stehen ihm seine Faulheit und sein reichlich aufgeblasenes Ego dabei so sehr im Weg, dass alle bisherigen Versuche gescheitert sind. Was natürlich - wegen des aufgeblasenen Egos - kein Grund ist, es nicht weiter zu versuchen.
So beginnt dann das Adventure auch mit Rufus‘ neuestem, unfehlbaren Plan, die Müllhalde zu verlassen. Nur noch schnell den Koffer gepackt: die flüchtige Zahnbürste eingefangen, Wabasinüsse aus der Couch geklaubt usw. bis die Checkliste abgehakt ist. Jetzt nur noch den Abschussmechanismus (per Minispiel) kalibriert und schon kann die Reise zu den in himmlischen Sphären lebenden Elysianiern beginnen - die allerdings schon recht bald wieder zurück auf der Müllhalde endet.
Diesmal hat Rufus aber den Vogel abgeschossen und ein elysianisches Mädchen ist mit ihm auf der Planetenoberfläche gelandet. Für den Helden, so wie er das sieht, ein Ticket in die Freiheit. Dem stehen aber sein mieser Ruf in der Dorfgemeinschaft und die Tatsache, dass das Mädchen bewusstlos ist, im Weg. Mit unerschütterlichem Selbstbewusstsein und einem selbst gebrautem, teuflisch starken Espresso sollte aber auch diese Hürde zu nehmen sein, oder?
Doch woraus braut man einen Espresso, wenn es auf dem ganzen verdammten Müllhaufen nicht einmal Kaffee gibt? Es ist nicht ganz einfach, die Zutaten zusammen zu bekommen. Nicht nur, weil kaum eine Lösung offensichtlich ist, sondern auch, weil die restlichen Bewohner Deponias nicht gerade Schlange stehen, um Rufus zu helfen. Da ihr euch auf Deponia auch noch ziemlich frei bewegen könnt, habt ihr nach kurzer Zeit nicht nur das Inventar voll von Gegenständen, die immer wieder ein Fragezeichen in eure Augen zaubern, sondern auch noch genügend Locations mit reichlich Hotspots, um Blindversuche von vorn herein zum Scheitern zu verurteilen.
Es muss also geknobelt werden, bis der Arzt kommt (der im Dorf auch gleichzeitig Polizist und Feuerwehrmann ist). Von einer Hotspotanzeige abgesehen, gibt es nämlich keinerlei Hilfestellungen. Wie selten in einem aktuellen Spiel muss hier noch selbst nachgedacht werden. Erstaunlicherweise fällt das gar nicht so schwer, wie es anfangs aussieht. Denn so absurd viele Gegenstände und deren Funktionen zu Beginn auch erscheinen, bei genauerer Betrachtung ergeben sich doch immer wieder Möglichkeiten und Muster, denen ihr folgen könnt. weiter...
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Kommentare zu Deponia
Bin gerade am Zocken..
hmm... grübel..studier...
aha,so geht das!
Bin ernsthaft am überlegen mir das zu holen, die Demo war sehr unterhaltsam und ein gutes P&C hatte ich lange nich mehr.
Ich hab mein Exemplar schon am Schreibtisch liegen, gute Adventures unterstütze ich sehr gerne weil es die Entwickler einfach verdient haben und man als P&C-Fan heute eh als Rarität gilt.
Häh??
Du findest also die Spiele von Daedalic "ganz toll", machst aber um P&C immer nen Bogen..... aha
das nenne ich mal ne geile Logik........
Dir is schon klar was Daedalic für Spiele entwickelt, oder??
Ich find die Spiele von Daedelic auch ganz toll und so. Stehe voll auf tolle Geschichten,Rätsel und Charaktere, aber mit Point&Click kann ich mich nicht anfreunden. Deswegen mach ich immer nen Bogen rum.
In der Tat! Was liebevolle Adventures angeht, macht heimischen Entwicklern mittlerweile keiner mehr was vor - es sollte Ehrensache sein, das zu unterstützen. Dieses Baby und B. o. Unwritten Tales 2 stehen auf jeden Fall auf meiner "To play"-Liste. Sobald ich wieder so etwas wie Zeit habe, Gna!
Der günstige Preis sollte ebenfalls noch kurz erwähnt werden. Bei Amazon und Co. kostet das Spiel zwischen 25 und 30 Euro. Ich finde, dass ist bei einem solch tollen Spiel noch ein zusätzlicher Kaufgrund. [Wink an die "Kopiererfraktion"]