Test - Daylight : Ein Fall für die Klapsmühle

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Eine verfluchte Nervenheilanstalt in fast völliger Dunkelheit, gruselige Geräusche, gemeine Geister und die Unreal Engine 4! Und das für 14 Euro! "Her mit Daylight!", werdet ihr jetzt vielleicht in feuchtfröhlicher Ekstase schreien. Doch langsam: Nicht wegen der Handlung, sondern vielmehr vor lauter Frust werdet ihr Körperflüssigkeiten in euer Höschen sprenkeln.

Drei Stunden nach dem Spielstart fällt schon wieder der Vorhang - und wir haben getrödelt. Als gruselig bleiben nur die per Zufall generierten monotonen Orte und ganz wenige Szenen in Erinnerung. Daylight ist unterm Strich eine dieser typischen Enttäuschungen: Das düstere Spiel fängt stark an, lässt ebenso stark nach und geht am Ende nur noch stark auf die Nerven. Oder ganz böse formuliert: Am liebsten hätten wir uns manchmal gleich selbst in die verlassene Klapsmühle eingewiesen, in der sich alles abspielt.

Leuchte mir den Weg!

Doch zurück zum Anfang: Bewaffnet mit einem Smartphone müsst ihr euch im Körper von Sarah durch triste Gänge und Räume eines Krankenhauses und über düstere Wiesen schlagen. Etwas Licht liefert die eingebaute Taschenlampe, während ihr auf dem Bildschirm die Karte mit eurem Standort seht. Einen Waffenschein besitzt Sarah nicht, weshalb ihr euch ausschließlich mit grünen Knicklichtern und Fackeln gegen die Geister wehren müsst - eine ordentliche Bleiladung dürfte allerdings auch wenig ausrichten.

Andere Utensilien bleiben euch verwehrt, außerdem sind die beiden Glimmstängel absolute Mangelware. Ihr müsst daher ständig vor Geistern abhauen, anstatt sie per Fackel anzukokeln. Für den Spielfortschritt ist das aber ohnehin egal, hierfür zählt einzig und allein das Aufheben kleiner Notizzettel alias Relikte. Habt ihr genügend Papiere gelesen (oder einfach weggeklickt), die eine von Klischees nur so triefende Geschichte erzählen, müsst ihr am Ende jedes Levels ein Siegel aufnehmen und durch Türen rennen.

Ein Königreich für mehr Pyrotechnik

Zwischendurch begegnen euch ein paar Minispiele - von "Rätseln" wollen wir lieber nicht sprechen. Meistens müsst ihr Kisten durch Räume schieben oder bestimmte Gegenstände berühren, Letztere findet ihr mithilfe der Knicklichter. Die restliche Zeit heißt es: Zettel finden, Siegel befummeln, manchmal leicht zusammenzucken und ins nächste Level flitzen.

Daylight - Nvidia Technology Trailer
Die PC-Fassung von Daylight wird auch bestimmte Features von Nvidia unterstützen.

Den zarten Hauch eines Schrecks lösen plötzlich auftauchende Schattenviecher auf, das muss man Daylight genauso lassen wie die größtenteils gelungene Atmosphäre. Zum Ende des Spiels werden die Wesen aber so unfair schwer, dass sie Sarah in Sekundenbruchteilen das Leben aus dem Schädel pusten. Ein Verlust für die Menschheit ist ihr Ableben aber kaum, im Gegenteil: Manchmal möchte man sie am liebsten selbst zu Tode schütteln.

Halt den Rand!

Das passiert genau dann, wenn ihr wieder einmal eine völlig deplatzierte Bemerkung über die Lippen wandert. Beispiel gefällig? Nach einer fünfminütigen Tour durch knalldunkle Gänge knicken wir einen grünen Glühstängel, um der feinen Dame hell erleuchtete Räume vorzusetzen. Und was sagt die vorher stille Frau? "Oh Gott - ich kann nichts sehen!" In solchen Momenten möchte man ihr am liebsten genau dort hineintreten, wo kein Knicklicht der Welt hinstrahlt.

Viel Potenzial bleibt auch wegen der Grafik auf der Strecke, genauer gesagt wegen der verwaschenen Texturen und immer gleichen Objekte. Nvidias exklusives HBAO+ sorgt bei Geforce-Grafikkarten zwar für schönere Schatteneffekte, aber kaum für einen besseren Gesamteindruck. Epic dürfte die Hände über den Kopf zusammenschlagen, so einen Einstand hat sich die Schmiede definitiv nicht für die Unreal Engine 4 gewünscht. Nur der Sound qualifiziert sich als einziger Lichtblick, sofern ihr von der eintönigen Musik in Dauerschleife abseht.

Fazit

Andreas Ludwig - Portraitvon Andreas Ludwig

Daylight liefert bei der düsteren Atmosphäre und den plötzlich auftauchenden Wesen gelungene Ansätze, für handfesten Schrecken sorgt letztendlich aber ausschließlich das triste Level-Design. Schon nach etwa 30 Minuten blieb vom anfänglichen Spielspaß wenig übrig, da sich neben den ständig gleichen Orten auch die Aufgaben und Minispiele wiederholten. Obendrauf gibt es eine breiige Optik, dafür aber gelungenen Sound.

Ja, manchmal kommt das Gefühl eines spannenden Überlebenskampfes auf. Und ja, bei voll aufgedrehtem Ton und mitten in der Nacht haben wir uns tatsächlich gelegentlich erschrocken. Diese Momente retten Daylight vor einem Totalausfall, sind letztendlich aber so rar gesät, dass sie kaum über die großen Schwächen hinwegtrösten können. Und deshalb ist es auch nicht schlimm, dass der Spuk schon nach drei Stunden vorbei ist.

Überblick

Pro

  • durchaus gelungene, düstere Atmosphäre
  • ein paar erschreckende Szenen
  • bedrohliche Kulisse durch gute Toneffekte
  • schöne Schatteneffekte (Nvidia-exklusives HBAO+)

Contra

  • zufallsgenerierte und dadurch monotone Orte
  • durchschaubare, mit Klischees vollgepumpte Story
  • eintönige Aufgaben
  • unfair schwere Gegner, gegen die man sich nur selten wehren kann
  • seltsame Reaktionen der Hauptdarstellerin
  • verwaschene Grafik
  • sehr kurze Spielzeit und damit zu teuer

Wertung

  • PC
    5.0
    /10
  • PS4
    5.0
    /10

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