Test - Darkest Dungeon : Komm, süßer Tod

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Der Weg eines Spielhelden ist für gewöhnlich vorgezeichnet: Während er immer stärker wird, sammelt er Ruhm, Reichtum und Macht, bis er irgendwann an der Spitze der Fantasiewelt steht. In Darkest Dungeon sind Helden schon froh, wenn sie nach einem Abenteuer überhaupt noch stehen können und ihren eigenen Namen noch wissen. Gnadenloser Heldenverschleiß, Lovecraft-artiges Grafik-Design und eine markante Erzählerstimme machen dieses rundenbasierte Taktikspiel nach knapp einem Jahr Early Access zu einer brutalen Herausforderung, der wir uns nicht entziehen konnten.

"Remind yourself that overconfidence is a slow and insidious killer." Passender kann Darkest Dungeon kaum zusammengefasst werden. Die markante, düstere Stimme des Erzählers Wayne June kommentiert all eure Aktionen mit markigen Sprüchen und verbindet sich mit dem überzeichneten, dunklen 2-D-Art-Design zu einem Atmosphärebrett.

Dabei beginnt alles mit einem Erbe, das doch eigentlich eine erfreuliche Sache sein sollte. Zumindest wenn der Vererbende ein unbekannter Vorfahr war, der euch ein heruntergekommenes Herrenhaus überlassen hat. Das wäre halb so wild, wenn der alte Herr nicht ein dunkles Portal geöffnet hätte, um Tentakelmonster, Untote, Dämonen und andere Biester in unsere Welt zu lassen.

Mit zwei Helden macht ihr euch im Tutorial auf den Weg zu besagtem Herrenhaus, um dem Unheil Einhalt zu gebieten und die Familienehre wiederherzustellen. Dabei lernt ihr schnell die Grundlagen des Spielprinzips kennen. In typischer Side-Scroller-Manier bewegt ihr eure Gruppe von links nach rechts. Die Dungeons, die ihr durchstreift, sind zwar zufallsgeneriert, aber stets nach demselben Prinzip aufgebaut. Ihr hangelt euch von einem Raum zum nächsten und entdeckt Fallen, Kuriositäten, Hindernisse und Gegner. Sowohl eure Charaktere als auch die Hintergründe sind allesamt im selben 2-D-Stil gehalten, der einen Vergleich mit H. P. Lovecrafts Welten nicht zu scheuen braucht.

Simple Taktiktiefe

Das Kickstarter-Budget von 300.000 Dollar wurde gekonnt ausgereizt, auch wenn das Spiel in Sachen Grafik und Interface eine Einfachheit an den Tag legt, die es eigentlich zum idealen Kandidaten für ein Mobile-Spiel machen würde. Aber lasst euch nicht täuschen, denn Darkest Dungeon bietet jede Menge Taktiktiefe. Je nachdem, auf welcher Position ihr eure vier Helden platziert, können sie unterschiedliche Fähigkeiten nutzen, die Gegner jeweils nur auf bestimmten Positionen treffen. Zudem verfügen die 14 Heldenklassen über sehr unterschiedliche Skills, die auch die Gruppenzusammenstellung stark beeinflussen. Ein Heiler in der Party beispielsweise ist beinahe unvermeidbar.

Darkest Dungeon - Launch Trailer
Anlässlich der Veröffentlichung von Darkest Dungeon für PC, gibt es hier den Launch-Trailer für euch.

Der Kreuzfahrer als klassischer Tank etwa ist am besten in der ersten Reihe aufgehoben, um dort Nahkampfattacken sowohl auszuteilen als auch einzustecken. Die hinteren Reihen sind schwerer zu erreichen, doch auch beim Gegner sind die Fernkampfeinheiten oft die gefährlichsten. Aber all die geschickte Positionierung hilft nichts, wenn das Spiel euch mit seinen vielen (oft zufallsbasierten) Gemeinheiten ein Bein stellt. Wenn eure Party vom Gegner überrascht wird, sind einfach mal alle Positionen durcheinandergewirbelt und die Heilerin steht plötzlich in der ersten Reihe.

Licht und Schatten

Auch sonst bieten viele Attacken mehr, als bloß Schaden auszuteilen. Gift und Blutungen verursachen Schaden auf Zeit, während andere Angriffsarten den Gegner betäuben oder Debuffs verursachen. Auch die eigene Gruppe kann geheilt und gebufft werden. Als wäre es nicht schwierig genug, die Truppe am Leben zu erhalten, müsst ihr auch eure Stressbalken im Auge behalten. Als Faustregel gilt: So gut wie jedes negative Ereignis verursacht Stress – und die meisten Ereignisse sind negativ. Sei es ein kritischer Treffer des Gegners, das Tappen in eine Falle oder ein verfluchter Schatz: Der Stresspegel steigt kontinuierlich.

Ab der Hälfte des maximalen Stresses schnappen die meisten Charaktere über – die Form des Leidens kann dabei variieren. Paranoia, Masochismus oder Hoffnungslosigkeit sind nur ein Teil der Palette. Dadurch werden eure Charaktere unzuverlässig und der ohnehin schon schwere Dungeon wird noch härter.

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