Test - Conker: Live and Reloaded : Conker: Live and Reloaded

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Tatsächlich ist ’Conker: Live and Reloaded’ spielerisch im Grunde nichts besonders Spektakuläres. Der Reiz des Titels ist aber die Inszenierung, in die das Spielgeschehen eingebettet ist und die für viel Spaß sorgt. Es ist schier unglaublich, was für schräge Ideen die Entwickler umgesetzt haben. So kämpft ihr etwa auf einer Redneck-Heugabel gegen einen Terminator-Heuhaufen, lasst einen Dinosaurier einem riesigen Neandertaler ins Gemächt beißen, stopft einem Opernarien singenden Scheißhaufen mit Toilettenpapier das Maul, taucht in ein Becken voll Kuhdung ein, bringt eine Sexbombe-Sonnenblume mit einer notgeilen Biene zusammen, tretet gegen ein Handpuppen spielendes Teddybärmonster an, kotzt in einer Disco die richtigen Leute an, malträtiert mit Backsteinen die Genitalien eines höllischen Ofens und vieles mehr. Darüber hinaus erlebt ihr in den vielen Zwischensequenzen herrlich witzige Dialoge und seltsam-komische Situationen. Die witzig-derben Einfälle sind allerdings alles andere als kindgerecht - die Gags sind meist unter der Gürtellinie und strotzen nur so vor Fäkalhumor, sexuellen Anspielungen und Kraftausdrücken. Besonders inspirieren ließen sich die Entwickler bei ihren Einfällen übrigens wohl von Hollywood. Die meisten Levels sind Persiflagen auf bekannte Kinostreifen wie ’Saving Private Ryan’, ’Dracula’, ’Matrix’, ’Alien’, ’Clockwork Orange’, ’Der Pate’ oder ’Der weiße Hai’.

Multiplayer-Spaß und wunderbare Inszenierung

Soweit kennt man das alles schon von der N64-Vorlage, denn im Einzelspieler-Modus hat sich inhaltlich so gut wie nichts geändert. Einzig einige neu platzierte Standardgegner und ein Baseballschläger als Waffe sind in der Xbox-Version dazugekommen. Ganz anders sieht es dagegen im mächtig aufgemotzten Mehrspieler-Modus aus. Ihr dürft zwar nur noch zu zweit im Splitscreen antreten, dafür könnt ihr online oder im System Link gegen bis zu 15 andere Spieler kämpfen. Anders als der Einzelspieler-Modus setzt der Multiplayer-Part auf reine 'Third Person'-Ballereien. In zwei Teams mit unterschiedlichen Aufgaben je nach Map oder im klassischen Team-Deathmatch wird gespielt, mal in einem Zweiter-Weltkrieg-Szenario, mal in futuristischen Arealen à la ’Star Wars’. Dabei stehen unterschiedliche Charakterklassen zur Verfügung - neben dem Allrounder stehen unter anderem ein Scharfschütze, ein Pilot, ein schwertschwingender Spion, ein Bazooka-Experte und ein Flammenwerfer-Soldat zur Verfügung. Jede Klasse hat ihre Vor- und Nachteile in puncto Geschwindigkeit, Waffen und Spezialfähigkeiten, darüber hinaus kann jede Klasse ein anderes Fahrzeug oder eine andere Flugmaschine anfordern und Verteidigungsanlagen platzieren. Allein schon aus diesen Erläuterungen lässt sich erahnen, dass der Mehrspieler-Modus sehr komplex ausgefallen ist. Demzufolge braucht es einige Einspielzeit, bis man mit den vielen Möglichkeiten und Kniffen zurechtkommt. Hat man diese Hürde aber gemeistert, machen die Multiplayer-Schlachten viel Spaß. Einzig der überladene Bildschirm voller Anzeigen und die zuweilen schlecht erkennbaren Feinde sowie Teamkameraden trüben den sehr guten Gesamteindruck ein wenig. Erfreulich ist hingegen, dass der Mehrspieler-Part alleine auch gegen Bots bestritten werden darf.

Doch nicht nur beim neuen Mehrspieler-Modus hat sich Rare ins Zeug gelegt, sondern auch technisch wurde ’Conker’ deutlich überarbeitet. Die Levels sind herrlich liebevoll gestaltet, strotzen nur so vor hervorragenden Details und bieten überaus ansehnliche Effekte wie Regentropfen, Einschusslöcher, animierte Grashalme und Echtzeit-Lichtspielereien. Besonders knuffig ist außerdem das Fell von Conker ausgefallen, aber auch die sonstigen Figuren und insbesondere die Bosse sind sehr liebevoll gestaltet. Die vielen kurzen Ladepausen stören bei der Grafikpracht nicht, nerviger sind da schon die teils heftigen Framerate-Einbrüche in den späteren Levels, die sich ärgerlicherweise negativ auf die Steuerung auswirken. Aus diesem Grund schrammt das Spiel auch knapp an einer ’Ausgezeichnet’-Grafikwertung vorbei. Wenig zu bemäkeln gibt es beim Sound. Die schrägen Melodien des Soundtracks sind längst Kult, die englischen Dialoge begeistern mit viel Wortwitz und die Soundeffekte inklusive passabler Surround-Abmischung können sich hören lassen. Die deutschen Bildschirmtexte fangen den Wortwitz zwar nicht immer ganz gelungen ein, aber das ist zu verschmerzen.

Fazit

von David Stöckli
Conkers Abenteuer war schon auf dem N64 kultig und auch auf der Xbox kann das Action-Adventure mit seiner niedlichen Inszenierung und dem herrlich derben Humor begeistern. Leider verbergen sich hinter den urkomischen Ideen und den abwechslungsreichen Missionen aber einige frustige Passagen und Unsauberkeiten, zumal die meisten Levels im Grunde spielerisch nichts Neues zu bieten haben. Im Hinblick auf die vielen witzigen Situationen, die anarchischen Figuren und die üppige Inszenierung fällt das aber nicht zu sehr ins Gewicht. Ich hätte mir zwar im Vergleich zur N64-Vorlage einige neue Levels gewünscht, der stark überarbeitete Mehrspieler-Modus entschädigt hierfür aber ganz gut. Wer ’Conker’ auf dem N64 noch nicht erlebt hat, sollte sich die Xbox-Fassung nicht entgehen lassen, aber auch Kenner des Originals dürften am vor allem visuell mächtig aufgemotzten Remake ihre Freude haben.

Überblick

Pro

  • zeitlos witziger Einzelspieler-Modus
  • anspruchsvoller Multiplayer-Part
  • beeindruckende Grafik
  • witzige Dialoge und Situationen
  • abwechslungsreiches Leveldesign

Contra

  • sehr instabile Framerate
  • kaum Neuerungen im Remake
  • Mankos bei der Steuerung und Kollisionsabfrage
  • einige frustige Level-Passagen
  • störrische Perspektivenjustierung

Wertung

  • Xbox
    86
    %

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