Preview - CivCity: Rome : CivCity: Rome

  • PC
Von Kommentieren
Handel und Wandel

Und dann sind die mageren 2000 Denari, die euch an Kapital am Anfang zur Verfügung stehen, auch schon fast aufgebraucht. Die Steuern allein reichen auf Dauer nicht, um eure Bürger zufrieden zu stellen. Denn wenn die Laune sinkt, wandern viele Bürger wieder ab und die Steuereinnahmen sinken. Um dem entgegenzuwirken, müssen neue Gebäude her, die die Stadt attraktiver machen, aber das kostet halt wieder viel Geld. Also muss eine neue Einnahmequelle her. Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, in den Handel mit anderen Städten einzusteigen. Mit einem Klick gelangt ihr auf die Übersichtskarte, auf der ihr Städte in eurer Nachbarschaft sehen könnt, mit Angabe der Handelsgüter, die ihr kaufen und – zu diesem Zeitpunkt viel wichtiger – für klingende Münze verkaufen könnt. Jetzt muss noch eine Handelsroute eingerichtet werden (was auch nicht zu knapp kostet) und wieder zurück in der Stadtansicht ein Markt gebaut werden (schon wieder einige hundert Denari futsch). Natürlich muss auch noch das von der anderen Stadt gewünschte Handelsgut produziert und gelagert werden. Das alles kostet schon mal mindesten 2000 Denari und schlimmstenfalls ist jetzt der Punkt erreicht, an dem ihr von vorn anfangen könnt.

Was haben die Römer je für die Römer getan?

Das Finanzmanagement ist häufig ein Knackpunkt in Wirtschaftssimulationen und auch in 'CivCity: Rome' ist von Anfang an extrem vorsichtiges Investieren angesagt. Für meinen Geschmack wäre ein wenig mehr Startkapital wünschenswert, um zumindest den Einstieg in das Spiel zu erleichtern und frustrierendes Rumprobieren mit vielen Neustarts gerade zu Beginn zu vermeiden. Ist diese Hürde allerdings genommen und der Geldfluss durch Handel gewährleistet, kommt das Spiel so richtig in Schwung und kann seine Komplexität voll entfalten. Wird mehr gebaut, sind die Bürger zufriedener und es kann noch mehr gebaut werden und die Stadt wächst und wächst. Auch wenn sich die Laune der Bürger vor allem durch bessere Wohnbedingungen steigern lässt, so gibt es doch auch einige andere Möglichkeiten der Einflussnahme. Zum einen könnt ihr direkt auf die Unzufriedenheit reagieren, indem ihr die Arbeitszeit verkürzt oder die Steuern senkt. Aber Vorsicht! Wird weniger gearbeitet, wird natürlich auch weniger produziert und weniger Steuern bedeuten natürlich geringere Einnahmen im Staatssäckel. Zum anderen solltet ihr die Stadt um öffentliche Gebäude erweitern: Tempel können gebaut werden, die nicht nur religiöse Bedürfnisse befriedigen, sondern auch Eheschließungen ermöglichen, mit der Folge, dass die Männer mehr Zeit zum Arbeiten haben, während die Frauen sich um den Einkauf und die Kinder kümmern können. Eine saubere Stadt mit dem schon anfangs aus 'Leben des Brian' erwähnten Komfort von sanitären Einrichtungen, Medizin und Schulen lassen natürlich auch das Wohlbefinden und den Stolz der Bürger auf ihre Stadt wachsen. Wenn dann so richtig das Silber in der Kasse klingelt, könnt ihr euren Römern natürlich auch die berühmten und schweineteuren Spiele im Kolosseum bieten, denn der Mensch lebt ja nicht vom Brot allein.

Wuselfaktor

Und das Schönste ist, ihr dürft euren Bürgern bei ihrem alltäglichen Leben zuschauen. Per Zoom wandelt ihr mit ihnen beim Einkauf durch die Straßen oder seht einfach mal bei ihnen zu Hause vorbei (ihr könnt, ähnlich wie in 'Stronghold', per Klick in jedes Gebäude schauen). Das ist nett und da das Spiel gerade im späteren Verlauf nicht allzu stressig ist, könnt ihr euch ruhig mal einen Einblick in das Leben eines Römers gönnen. Grafisch ist 'CivCity: Rome' leider nicht so beeindruckend, wie es sein könnte. Aus der Ferne ist die Stadt zwar wunderschön anzusehen, beim ganz nahen Heranzoomen erkennt man aber leider die recht kantigen Figuren und etwas eintönigen Texturen. Außerdem ruckelte das Spiel bei hohen Auflösungen und sehr vielen Details und stürzte sogar einige Male ab. Allerdings war laut Entwickler die Unterstützung für Nvidia-Karten in der Preview noch nicht voll implementiert und die Grafik im Allgemeinen hin noch nicht optimiert, also kann sich da bis zum Release noch einiges tun.

Civilization?

Doch wo, bitte sehr, bleibt die Verbindung zur 'Civilization'-Reihe? Nun, die Verwaltung der Stadt erinnert eher an die 'Caesar'-Reihe. Einen ausgeprägten Kampfmodus wird es nicht geben, die Legionen werden ähnlich wie die Handelsgüter auf der Übersichtskarte in die verfeindete Stadt geschickt und kämpfen automatisch. Aber dann gibt es doch noch das A und O jeder Zivilisationssimulation: den Technologiebaum. Rund 70 Technologien können erforscht werden, die euch das Leben als Statthalter erleichtern. Hier können nicht nur die berüchtigten sanitären Anlagen errichtet werden, sondern auch das Münzwesen, das für zusätzliche Steuereinnahmen sorgt, oder der Beton, der den Straßenbau kostenlos macht. Wer zudem mehr über Geschichte und Leben im antiken Rom erfahren will, ist mit der auf diese Epoche zugeschnittenen Civilopedia bestens bedient. Als Schmankerl legen die Entwickler übrigens auch noch einen Editor bei, damit die römische Zivilisation auch nach Abschluss aller Missionen noch weiter bestehen kann.

Fazit

Stephan Fassmer - Portraitvon Stephan Fassmer
Wenn 'CivCity: Rome' im Sommer erscheint, erwartet ausgefuchste Strategen eine Städtebausimulation, die locker an die Komplexität eines 'Caesar 3' anknüpfen kann und mit dem ausgefeilten "Wie-stelle-ich-meine-Bürger-zufrieden-System" noch eins drauflegt. Die Anleihen an die 'Civilization'-Reihe, wie z. B. der Technologiebaum, sind gut gewählt. Die Kampagne und die Missionen sind spannend und halten schon jetzt recht gut die Balance zwischen Fairness und Herausforderung. Wünschenswert wäre hier nur ein etwas einfacherer Einstieg. Da dieses Jahr gleich vier (!) Aufbauspiele zum Thema Rom erscheinen, bleibt aber abzuwarten, ob sich 'CivCity: Rome' an die Spitze der Städtebau-Simulationen setzen kann.

Könnte dichinteressieren

Kommentarezum Artikel