Test - Bound by Flame : Auf Sparflamme

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Manchmal trauert man verpassten Chancen nach. Hätte man die mündliche Matheprüfung doch gemacht, um den Notenschnitt anzuheben, oder den vergangenen Sommer dazu genutzt, eine neue Sprache zu lernen. Leider merken wir immer viel zu spät, dass alles ganz anders hätte verlaufen können, wenn wir doch nur diese eine Chance ergriffen hätten. Die Verantwortlichen hinter dem Action-Rollenspiel Bound by Flame werden sich wohl ebenfalls mit diesem quälenden Gedanken herumschlagen. Das Entwicklerstudio Spiders hatte die Chance, ein kurzweiliges und dennoch bedrohlich wirkendes Spiel zu erschaffen. Am Ende blieb von dieser Vision allerdings nicht mehr viel übrig.

Die Gründe für das ernüchternde Ergebnis sind womöglich vielfältig: fehlendes Geld, Zeitdruck oder nicht vorhandenes Know-how. Doch am Ende zählen nicht die Ausflüchte oder schweren Arbeitsbedingungen, sondern das finale Produkt. Nur wo soll man zuerst ansetzen, wenn nahezu jeder positive Aspekt des Spiels gleichzeitig von negativen Aspekten überschattet wird. Da wäre die im Grunde äußerst interessante Ausgangslage: Wenn ein machtbesessener Dämon Besitz von eurem selbst erstellten Protagonisten ergreift ("Naruto" lässt grüßen), stehen die Vorzeichen für innere Konflikte und eine interessante Geschichte schon einmal gut.

Allerdings bleibt von diesen Vorzeichen nicht mehr viel übrig, wenn langatmige Dialoge auf eine unmotivierte deutsche Sprachausgabe, austauschbare Charaktere und vorhersehbare Entscheidungen treffen. Dass der Gewissenskonflikt zwischen dem Verlangen nach größerer Macht und dem Menschsein anhand von unterschiedlichen Entscheidungsmöglichkeiten verdeutlicht werden soll, ist nicht nur logisch, sondern auch richtig. Nur dürfen diese nicht so einfach zu durchschauen sein und in simple Gut-böse-Muster verfallen. Dragon Age hatte bereits gezeigt, dass auch mutmaßlich gute Entscheidungen ungeahnte Konsequenzen haben können.

Nichts Halbes und nichts Ganzes

Dann wäre da das zentrale Spielelement: der Kampf. Trotz einiger Gesprächspartner, die ihr im Verlauf der Reise trefft, liegt der Fokus des Spiels klar auf den zahlreichen Auseinandersetzungen. Im Kern war auch in diesem Fall die dahinterstehende Idee nicht unbedingt neu, dafür aber interessant genug für ein richtig gutes Spiel. Intensive Kämpfe sollte es geben, die euch einiges mehr abverlangen als andere massentaugliche Spieleproduktionen, die oftmals davor zurückschrecken, ihr Klientel mit hohem Anspruch zu konfrontieren.

Bound by Flame - Launch Trailer
Am Freitag ist es soweit - Bound by Flame erscheint für PS 3+4, Xbox 360 und PC. Zu diesem Anlass veröffentlicht Spiders einen neuen Trailer.

Doch das Resultat ist ernüchternd. Selbst Standardgegner halten dutzende Schläge aus, ehe sie ihr Leben aushauchen. Euer Protagonist ist in der Lage, per Knopfdruck zwischen dem Kämpfer- und dem Waldläuferstil zu wechseln. In Kämpferstellung greift ihr zu großen, zweihändigen Waffen, während ihr als Waldläufer mit zwei Dolchen umherwirbelt und besonders agil Angriffen ausweicht. Doch wozu solltet ihr zum Kämpferstil wechseln, wenn der ausgeteilte Schaden nur minimal höher ausfällt und ihr ungleich langsamer agiert?

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