Preview - Black Mirror : Gothic-Horror à la Until Dawn

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Mit Black Mirror exhumiert King Art eine altehrwürdige Adventure-Reihe. Nachdem der dritte Teil der Serie 2011 erschienen ist, folgt nun ein Reboot, der dem markant-mysteriösen Szenario einen neuen Anstrich verpasst.

Nein, das Adventure Black Mirror hat nichts mit der Netflix-Serie zu tun, die inzwischen drei Staffeln umfasst. Das wurden die Entwickler bei der Präsentation auf der Gamescom nicht müde zu betonen. Zwar mag der Hinweis für Adventure-Kenner unnötig sein, doch gerade der neuen Generation an Videospielern dürfte die in die Jahre gekommene Trilogie nicht unbedingt ein Begriff sein. Immerhin datiert der erste Teil zurück ins Jahr 2004, damals noch vom tschechischen Entwickler Future Games produziert. Black Mirror Teil 2 und 3 folgten dann 2009 und 2011, die Entwicklung übernahm diesmal jedoch das deutsche Studio Cranberry – mit Unterstützung der Book-of-Unwritten-Tales-Macher King Art, die nun in Eigenregie für den Reboot verantwortlich zeichnen.

Sechs lange Jahre ist das letzte Lebenszeichen der Mystery-Horror-Serie also her. Sechs Jahre, in denen bei Adventures viel passiert ist. Das Genre hat sich wegbewegt von den kniffligen, verrückten Rätseln, die seine Spieler so manches Mal verzweifeln, die Haare raufen und frustriert Komplettlösungen durchforsten ließen. Es bewegte sich hin zu Episoden-Adventures, wie sie zum Beispiel Telltale Games macht, oder zu spielbaren Filmen wie Life is Strange, Until Dawn oder Silence.

Die neue Generation von Adventure-Spielern tickt anders, weswegen King Art die komplette Reihe auf Neustart setzt und ihr einen modernen Anstrich verpasst. Black Mirror 2017 bewegt sich fort vom klassischen Point-&-Click-Format und hin zum interaktiven Spiel-Film-Hybriden, bei dem das Geschichtenerleben mehr im Vordergrund steht als das Rätseln.

Der Fluch der Gordons

Erzählt wird in Black Mirror eine komplett neue Handlung, die sich zwar wieder um das alte Anwesen Black Mirror Castle und die dort heimische Familie Gordon dreht, der Protagonist ist diesmal jedoch David Gordon, der nach dem mysteriösen Selbstmord seines Vaters in das schottische Schloss einkehrt.

Davids Verhältnis zu seinem Vater war nicht gerade das beste. Jahrelang hatte er keinen Kontakt zu ihm und wusste daher nur wenig über seine Herkunft, die Familienbande und über die Obsessionen, die seinen Vater plagten. Davids Vater war sich sicher, dass ein Fluch auf der Familie Gordon lastet, und recherchierte daher in seinen letzten Lebensjahren viel über die mysteriöse Geschichte seiner Ahnen. Zuletzt war er mehrere Monate vermisst, bis er sich schließlich selbst umbrachte. David setzt nun alles daran, die Umstände seines Todes aufzuklären.

Sein Interesse daran könnte persönlicher nicht sein, denn auch David wird Zeit seines Lebens von Albträumen und Visionen geplagt. Gibt es vielleicht wirklich einen Fluch, der seit Generationen auf der Familie liegt, und lässt er sich womöglich im alten Familienanwesen Black Mirror brechen? Oder sind die Geheimnisse, die in den kalten Schlossgemäuern lauern, von einer viel irdischeren Art?

Es liegt am Spieler, dieses Rätsel zu lösen. Dafür werden laut Entwickler in etwa 10 bis 12 Stunden Spielzeit benötigt. Diese Dauer wurde bewusst gewählt, man orientiere sich an der Länge von Netflix- und TV-Serien, was Adventure-Spielern von heute entgegenkäme.

From Dusk Until Dawn

Allgemein wirkt das neu aufgelegte Black Mirror sehr filmisch: Kamerafahrten, Close-ups, viele Kameraschnitte und Zwischensequenzen leiten den Spieler durch das mysteriöse Familienanwesen. In Gesprächen gibt es nur eine sehr begrenzte Auswahl an Antwortmöglichkeiten, was zu einem flüssigeren Spielerlebnis führen soll als zu den seligen Zeiten, in denen man sich minutenlang durch Dialogzeilen klickte. „Wenn die Geschichte gerade Fahrt aufnimmt, arbeiten wir auch mal mit Quick-Time-Events und Buttonmashing, zum Beispiel bei Kämpfen. Wenn es gerade jedoch etwas entspannter zugeht, wagen wir uns auch mal an schwierigere Rätsel und mehr Puzzles gleichzeitig. Durch diesen ständigen Tempowechsel wird es nie langweilig“, erklärt Producer Martin Kreuch von THQ Nordic.

Und das sei auch wichtig, um die neue Generation für Adventures zu begeistern. Man habe festgestellt, dass die Frustrationsrate von Videospielern stark gesunken sei. Auch die Aufmerksamkeitsspanne und Geduld sei inzwischen viel niedriger als noch vor einigen Jahren, weswegen immer weniger Gamer überhaupt noch dazu bereit sind, Adventures zu spielen.

Durch die neue Handlung ist der alte Stoff ohne Vorkenntnisse zugänglich. Dabei ist Black Mirror gewohnt schaurig geblieben. Abseits der gruseligen Atmosphäre eines alten Geisterschlosses geht es vor allem um die Erforschung der menschlichen Psyche, was klassische Gothic-Horror-Momente der Marken Edgar Allan Poe oder H. P. Lovecraft birgt. So muss sich der Protagonist immer wieder seiner eigenen geistigen Gesundheit vergewissern: Werde ich gerade verrückt oder nicht?

Black Mirror - Announcement Trailer
THQ Nordic führt die Black-Mirror-Reihe mit einem völlig unabhängigen, neuen Teil fort. Im Zentrum: Geisterhafte Visionen.

Es geht um Wahnsinn, die Angst, etwas Unüberlegtes, Unwiderrufliches zu tun, Albträume, Tagträume und düstere Visionen, die David Gordon plagen. Diese Visionen hat King Art sogar spielerisch zugänglich gemacht in Form von Visionen, die wir auslösen müssen. Das erinnert ein wenig an The Vanishing of Ethan Carter, in dem ein okkulter Detektiv das Verschwinden eines kleinen Jungen untersuchen soll und dabei auch vergangene Szenen nacherlebt. Begeben wir uns in so eine Vision, verwandelt sich der Raum um uns herum – und wir stehen plötzlich nicht mehr in einem heruntergekommenen Trakt des Schlosses, sondern befinden uns etwa auf dem Meeresgrund. Dort müssen wir immer wieder miterleben, wie ein Mädchen ertrinkt, bis es uns gelingt, in die Vision einzugreifen.

Wenn wir nichts oder das Falsche tun, kann es passieren, dass die Dunkelheit, die das Schloss umgibt, David umhüllt, was schlussendlich zum Tode führt.

Ja, unser Protagonist kann sterben – und das sogar auf viele verschiedene Weisen. Allein die Unterwasserszene birgt drei mögliche Arten zu sterben. „Manche Fans machen sich einen morbiden Spaß daraus, all diese Möglichkeiten herauszufinden. Wir wissen nicht genau, warum sie David immer wieder sterben lassen wollen, aber wir kommen dem als Fanservice entgegen“, schmunzelt Producer Martin Kreuch.

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