Test

BioShock: Infinite

Absoluter Überflieger

  • PC
  • PS3
  • X360

Ein stürmischer Tag im Jahre 1912 vor der Küste von Maine. Booker de Witt, ein ehemaliger Pinkerton-Agent, hat den Auftrag angenommen, eine junge Frau namens Elizabeth zu finden und nach New York zu bringen. Angekommen an einem Leuchtturm – BioShock lässt grüßen – stellen sich erste Fragen. Welche Schuld ist es, die Booker angeblich zu tilgen hat? Wer ist diese ominöse Elizabeth? Ein seltsamer Mechanismus befördert Booker nach Columbia, quasi direkt in den Himmel. Eine Stadt, schwebend über den Wolken, angetrieben und in der Luft gehalten von mysteriösen Maschinen, wie sie sich ein Jules Verne nicht besser hätte vorstellen können. Sie ist Schauplatz eines Spiels, das derzeit seinesgleichen sucht.

Fasziniert wandert Booker, gesteuert vom nicht minder staunenden Spieler, durch die Straßen der Stadt auf der Suche nach besagter jungen Dame. Columbia ist scheinbar ein Paradies voller glücklicher Menschen in den Straßen, die unter dem blauen Himmel und der strahlenden Sonne feiern und das Leben genießen. Angeführt von Father Compton, dem selbst ernannten Propheten, der nicht nur der Gründer dieser außergewöhnlichen Siedlung ist, sondern auch ihr geistiger Führer. Doch was hat es mit dem bösen Hirten auf sich? Und dem Lamm, das er rauben will? Eine zunächst harmlos wirkende Tombola auf dem Jahrmarkt sorgt dafür, dass Booker ins Fadenkreuz des Mächtigen gerät, der offenbar so viel mehr über ihn weiß, als ihm lieb ist.

Die Idylle von Columbia wird jäh zerstört und Booker zieht während seiner Suche eine blutige Spur durch die Stadt. Schnell wird er fündig, doch damit werden die Rätsel nicht weniger, ganz im Gegenteil. Welche Rolle spielt Elizabeth und was macht sie so wertvoll? Was steckt hinter der Fassade von Columbia? Was hat das mit Booker und seinen Visionen zu tun? Und was hat es mit dem ohrenbetäubenden Songbird auf sich? Fragen über Fragen, Geheimnisse über Geheimnisse. Mehr wollen wir auch gar nicht verraten, denn die Geschichte des Spiels hat so viele Aspekte und Überraschungen, dass man sie wirklich selbst von Beginn an genießen muss.

Elefant im Porzellanladen

Booker taucht tief in diese seltsame Welt über den Wolken ein und muss feststellen, dass so vieles nicht ist, wie es zu sein scheint. Unser Ex-Pinkerton-Agent, dessen Vergangenheit nicht gerade von Sanftmut geprägt war, stolpert in das fragile Konstrukt Columbia wie ein Bote der Apokalypse und reißt ihm mir nichts, dir nichts die Maske vom Gesicht, um das hässliche Innere zu zeigen. Dabei wird die zum Teil exzessive Gewalt zum Stilmittel und Kontrast zum strahlenden Sonnenschein und dem anfangs noch blauen Himmel des vermeintlichen Paradieses, das immer mehr in Düsternis versinkt. Das Spiel ist nicht oberflächlich, sondern nimmt sich Zeit, die maroden Elemente der Staaten aufzuzeigen, die sich selbst als moralische Pfeiler der Zivilisation bezeichnen, erbaut auf Rassismus, Ausbeutung, Unterdrückung und religiösem Wahn. Nicht ohne zu zeigen, dass die vermeintlichen Weltverbesserer oft noch schlimmer sind als die angeblichen Tyrannen.

BioShock: Infinite - Video Review

Ihr entdeckt in der Stadt zahlreiche Kinematoskopen und Voxophone, die euch Unmengen an Informationen zu Columbia, dem Propheten und den Bewohnern vermitteln. Lesen und zuhören lohnt sich ungemein. Die Geschichte nimmt aber noch ganz andere Wendungen und lässt euch mehr als einmal mit offenem Mund vor dem Bildschirm sitzen. Nach dem Ende werdet ihr erst mal ein bisschen Zeit benötigen, um eure Hirnwindungen wieder zu entknoten. Die eher lineare Handlung wird euch etwa 12 bis 15 Stunden beschäftigen, was für einen Shooter ein ordentliches Paket ist. Erneutes Spielen lohnt sich allerdings, da man bei einem Durchmarsch kaum alle Details entdeckt und beim erneuten Spielen nach dem Ende eine ganz andere Wahrnehmung vieler Informationen und Aspekte hat.

Ein grandioses Pärchen

BioShock: Infinite lebt aber vor allem von seinen beiden Hauptcharakteren. Booker ist keine Abziehbild aus der Schublade, sondern ein moralisch fragwürdiger Streiter mit vielen Rätseln um seine Person. Die komplett von der KI gesteuerte Elizabeth hingegen ist quasi das moralische Gegenstück, die nach ihrer Befreiung kurz die Freude am Leben entdeckt, nur um dann umso mehr desillusioniert zu werden. Und auch sie trägt große Geheimnisse in sich, die sich erst zum Ende des Spiels hin zusammenfügen. Abgesehen von den großartig synchronisierten und zuweilen sehr emotionalen Dialogen zwischen den beiden Charakteren ist aber auch das spielerische Element nicht zu verachten.

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