Preview - BCON : Fuß-Controller mit dem gewissen Extra

  • PC
Von Kommentieren

Die Kalibrierung der Grundposition ist hingegen super einfach. Ihr könnt den BCON per Tastendruck in einen Pausenmodus versetzen. Sobald ihr ihn wieder aktiviert, kalibriert er kurz und ist nach Blinken einer Kontrolllampe und Vibration eines kleinen Motors einsatzbereit. Von da an werden alle Bewegungen ausgehend von eurer Startposition erfasst. Was es derzeit leider noch nicht gibt, ist ein spürbares Feedback zu den einzelnen Triggerpunkten eurer Belegung.

Dass der BCON als Tastaturergänzung arbeitet, macht allerdings auch eins klar: Er kann keine druckempfindlichen oder analogen Steuerelemente wie eine Mausbewegung oder Trigger und Analogsticks eines Gamepads ersetzen. Rechnet man alles zusammen, kann die kleine Box immerhin 24 Tastenbefehle aufnehmen. Natürlich gehört einiges an Geduld dazu, den BCON zu konfigurieren, sowie einiges an Übung, um ihn effektiv zu nutzen.

Den BCON lediglich als Gadget und Tastaturergänzung abzutun, wäre allerdings etwas kurz gedacht. Die kleine Box könnte nämlich für Spieler mit Handycap sehr interessant werden. Die Entwickler arbeiten beispielsweise bereits mit zwei Spielern zusammen, die durch eine Querschnittslähmung gehandycapt sind. Wir selbst wurden neugierig durch einen Leser, der aufgrund eines Unfalls eine Hand nicht benutzen kann, und haben verschiedene Dinge ausprobiert.

In The Division legten wir beispielsweise die komplette Bewegungssteuerung auf den BCON. Das Neigen des Fußes nach vorn haben wir mit W belegt fürs Vorwärtsgehen. Eine stärkere Neigung nach vorn bekommt zusätzlich mit Shift den Sprint verpasst. Anheben der Fußspitze bewegt uns mit S rückwärts. A und D nutzen wir für die seitliche Bewegung durch leichtes Anheben des Fußes nach links und rechts. Bei stärkerem Anheben kommt W dazu, um Diagonalbewegungen zu ermöglichen. Siehe da, das funktioniert sogar richtig gut. Nach kurzer Eingewöhnung huscht unser Charakter durch die Straßen von New York.

Einzig an die Totzone von etwa fünf Grad nach allen Seiten mussten wir uns gewöhnen. Leider hinderte sie uns ein wenig an flüssigen Bewegungsübergängen. Das ist aber zum Teil nur Übungssache. Ein gewisser Totpunkt ist nötig, damit die Tasten nicht bei jeder minimalen, unbeabsichtigten Bewegung ansprechen. Auch ein Rennspiel konnten wir gut mit dem BCON und einer Maus steuern. Das Lenken erledigen wir quasi mit dem Fuß, während wir Gas und Bremse auf die Maustasten packen, die Handbremse per Mausradklick anziehen und die Schaltung mit den seitlichen Maustasten bedienen. Das steuert sich zwar genauso holprig wie mit einer Tastatur, aber es geht – und darum ging es uns.

Selbst komplette Kombos lassen sich per Fußbewegung steuern, es braucht allerdings ein wenig Feingefühl. Lebenswichtige Aktionen wie präzise Sprünge bei Jump 'n' Runs oder Kombinationen à la Streetfighter, wo es auf perfektes Timing ankommt, sind zumindest derzeit aufgrund leichter Latenz noch etwas problematisch. Die soll durch Firmware-Updates aber noch weiter optimiert werden. Auf jeden Fall bietet der BCON viele Möglichkeiten, wobei man natürlich etwas Geduld und Kreativität bei der Belegung einfließen lassen muss.

Fazit

Andreas Philipp - Portraitvon Andreas Philipp
Mehr Potenzial, als auf den ersten Blick zu sehen ist

Vordergründig mit seinem angedachten Zweck als Zusatz-Controller und Tastaturerweiterung ist der BCON ein interessantes Gadget für Spieler, die in MMOs, MOBAs oder Strategiespielen schon immer eine dritte Hand vermisst haben, um den Tastensalat in den Griff zu bekommen. Zwar sollte man keine Aktionen damit starten, bei denen es auf Hundertstelsekunden ankommt, denn die Latenz wird auch beim fertigen Produkt nicht über die einer Bluetooth-Tastatur hinausgehen. Aber um sich keinen Knoten in die Finger zu machen, ist der BCON durchaus hilfreich, auch wenn die Einrichtung ein wenig Geduld benötigt und für effektive Nutzung etwas Übung erforderlich ist.

Viel mehr Potenzial sehe ich als Tastaturersatz für Spieler mit Handycap. Wer beispielsweise nur eine Hand nutzen kann, ist mit dem BCON durchaus in der Lage, nun auch mal komplexere Spiele zu zocken. Zum Beispiel, indem man die Bewegungssteuerung einer Spielfigur mehr oder minder komplett auf den BCON legt und zusätzlich eine Maus mit hinreichend Zusatztasten nutzt. Überdies liegt der Vorteil des grundsätzlich als Fuß-Controller konzipierten Geräts darin, dass man es auch an andere bewegliche Körperteile wie Kopf oder Unterarm schnallen kann.

Natürlich darf man nicht vergessen, dass der Controller im Grunde nur Teile einer Tastatur ergänzt oder zum Teil ersetzt. Gefühlvolles Gasgeben oder Bremsen wie beim Trigger eines Gamepads geht auch mit dem BCON (noch) nicht. Gerade aufgrund seines Potenzials hoffe ich aber, dass der BCON bei der Kickstarter-Kampagne erfolgreich durchstartet und nicht als „nette Idee“ wieder in der Versenkung verschwindet, zumal für die Zukunft durchaus noch Ergänzungen der Funktionalität denkbar sind.

Könnte dichinteressieren

Kommentarezum Artikel