Test - Bayonetta 2 : Atemberaubend absurd

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Als die japanische Spieleschmiede PlatinumGames vor über vier Jahren ihr Hack ’n’ Slay Bayonetta auf die Spielerschaft losließ, wurde es von der Fachpresse hoch gelobt und eroberte die Herzen von adrenalinsüchtigen Action-Fans im Sturm. Doch als bekannt wurde, dass Bayonetta 2 nur für die Wii U erscheinen wird, kam das bei den meisten Fans des Vorgängers alles andere als gut an. In den einschlägigen Foren ließen sie ihrer Wut freien Lauf und fluchten auf den Vertrag mit „Big N“. Allerdings wäre die Entwicklung eines Nachfolgers ohne den Exklusiv-Deal mit Nintendo nicht machbar gewesen, das stellte PlatinumGames unmissverständlich klar.

Das bewährte Kampfsystem aus dem Vorgänger nutzt auch Bayonetta 2. So lasst ihr die Hexe mit den Angriffstasten verheerende Tritte und Schläge ausführen, die in jeder erdenklichen Kombination ein spektakuläres Effektgewitter auslösen. Für zusätzlichen Schaden könnt ihr Bayonettas Bleispritzen und ihre Pistolenstilettos durch noch mächtigere Gegenstücke austauschen, die ihr in der Bar „Gates of Hell“ erwerbt. Bezahlt wird erneut mit Heiligenscheinen, die ihr von den zahlreichen vernichteten Engeln erhaltet.

Doch auch die Mordinstrumente eurer Feinde sind der narzisstischen Kampfhexe nicht zuwider. So lassen sich die goldenen Sensen, Hellebarden und Äxte der Engelsarmee effektiv gegen die himmlischen Heerscharen einsetzen. Die Feinde bestechen durch ihre monumentale Größe und ihr genial absurdes Design. Beim Anblick der Engel könnte man fast meinen, dass zahlreiche Krabbelviecher aus Omas Komposthaufen entwischt sind, dann in ihrem Schmuckkästchen eine Orgie gefeiert haben und im Anschluss von geisteskranken Wissenschaftlern zu Hochhausformat vergrößert worden sind.

Da bleibt kein Auge trocken

Die hanebüchene, wirre und schwer nachvollziehbare Story wird erneut in kurzweiligen und actionreichen Zwischensequenzen erzählt. Leider müsst ihr euch ab und zu auch mit recht öden Standbildern zufriedengeben und werdet daher geneigt sein, die Handlung zu vernachlässigen und die Zwischensequenzen zu überspringen. Sobald ihr aber wieder die Kontrolle über die kampferprobte Lady erlangt, werden eure Augen regelrecht am Bildschirm kleben, denn die gebotenen Schauwerte sind beachtlich.

Zwar verderben matschige Texturen und recht triste Umgebungen gelegentlich etwas den optischen Gesamteindruck, doch in Anbetracht des sehr detaillierten Charaktermodells der Hauptfigur, des fantastischen Gegner-Designs und vereinzelter Augenweiden wie der Kulisse der Stadt Nóatún sind die optischen Makel zu verschmerzen. Wenn Bayonetta im Kampfrausch ballernd über das Schlachtfeld wirbelt und dabei wahnwitzige Kombos vom Stapel lässt, sind kleinere Grafikschnitzer sofort vergessen. Insgesamt braucht sich der Titel trotz der im Vergleich schwächeren Hardware also nicht vor Ablegern der Konkurrenzplattformen zu verstecken.

Das Spiel erscheint am 24. Oktober mit der Freigabe "ab 16 Jahren". Zur Auswahl stehen euch drei Versionen. Die Standard-Variante enthält "nur" Bayonetta 2, während der Special Edition und der First Print Edition der Vorgänger auf Disc beiliegt. Letztere ist auf 15300 Exemplare limitiert und kommt in einer besonders hübschen Verpackung daher. Die Umsetzung des Vorgängers basiert auf der Xbox-360-Version und lässt Neulinge eines der besten Action-Spiele der letzten Konsolengeneration nachholen: Vorbildlich! Nintendo-Fans freuen sich außerdem über die Outfits von Samus, Link und Prinzessin Peach, die nicht nur optischer Natur sind, sondern sich auch auf Bayonettas Spezialattacken auswirken.

Furios kurios

Der Schwierigkeitsgrad lässt sich frei wählen und wird schon auf „normal“ eure volle Aufmerksamkeit erfordern. Grund dafür sind die nicht zu unterschätzenden Engelshorden und die aus dem Vorgänger bekannte Hexenzeit. Sobald ihr einer feindlichen Attacke im letzten Augenblick ausweicht, verlangsamt sich der Spielablauf und eure Feinde sind Bayonettas blitzschnellen Hieben und Tritten ausgeliefert. Mithilfe des neu eingeführten Umbraklimax lassen sich Bayonettas Standardangriffe außerdem in noch mächtigere Versionen verwandeln.

Hat sie genug Schaden ausgeteilt, besteht die Möglichkeit, einen der sogenannten Folterangriffe auszuführen, die äußerst brutal in Szene gesetzt sind. So bedient sich die Power-Frau zahlreicher martialischer Instrumente wie überdimensionierter Reißwölfe, Streckbänke und Guillotinen, die ihre bemitleidenswerten Gegner auf jegliche erdenkliche Art und Weise in Stücke reißen.

Euch bleibt bei den furiosen Schlachten mit gewaltigen Kreaturen kaum Zeit zum Verschnaufen, denn ihr werdet von einem aberwitzigen Kampf in den nächsten geschickt. Sollte sich eure Lebensleiste bedrohlich dem Ende neigen, steht euch auch im zweiten Serienableger ein Hexenkessel zur Verfügung. Auf Knopfdruck braut sich die Hexe aus gefundenen Zutaten heilende Zauberlutscher.

Auch in Sachen Fortbewegung ist die gefährliche Schönheit an Extravaganz kaum zu übertreffen. Abgründe überquert sie mit einem Doppelsprung, der ihr ein paar hübsche Schmetterlingsflügel verpasst. Auf festem Boden angelangt verwandelt sich die Dame wieder zurück. Erstaunlicherweise lässt sich das Spielgeschehen auch auf dem Wii-U-Gamepad latenzfrei erleben. Wollt ihr eine Pause vom schnellen Tastendrücken, könnt ihr den Stylus verwenden und euch nur per Touchscreen zur Wehr zu setzen. Zwar sind das Antippen, Streichen und Wischen keine ernsthafte Alternative zur herkömmlichen Tastensteuerung, doch für Gelegenheitsspieler könnte diese Variation durchaus reizvoll sein.

Für Langzeitmotivation sorgen zahlreiche versteckte Räume, Sammelgegenstände und freischaltbare Waffen. Bereits geschaffte Abschnitte lassen sich jederzeit erneut erleben und durch die nie völlig gleich ablaufenden Auseinandersetzungen werden auch bereits bekannte Passagen nicht langweilig. Da in regelmäßigen Abständen die Leistung im Kampf gewertet wird, werdet ihr vermutlich nicht nur einmal versuchen, euren eigenen Highscore zu brechen. Selbst ohne diese Wiederholungen könnt ihr für den ersten Spieldurchlauf mindestens 12 Stunden einplanen. Das Spielspaßpaket wird durch den brandneuen Online-Koop-Modus abgerundet, der euch zu zweit auf die Jagd nach den dämonischen Engeln gehen lässt. Gemeinsam mit Freunden macht das absurde Spektakel sogar noch mehr Laune.

Fazit

Tim Hielscher - Portraitvon Tim Hielscher
Spektakuläre Achterbahnfahrt

Nintendo ist über seinen (familienfreundlichen) Schatten gesprungen und hat mit dem Exklusiv-Deal alles richtig gemacht. Es wäre wirklich bitter gewesen, wenn dieses furiose Action-Meisterwerk nie über unsere Bildschirme geflackert wäre. Besonders Fans des ersten Teils und Freunde von Kratos, Ryu Hayabusa, Dante und Co. können sich ohne Bedenken speziell für Bayonetta 2 die Wii U zulegen.

Überblick

Pro

  • spaßiger Online-Koop-Modus
  • optimale Steuerung
  • abwechslungsreiche Schauplätze
  • unzählige Geheimräume, Waffen, Items und Sammelgegenstände

Contra

  • grafisch manchmal unsauber
  • wirre Handlung, die oft nur in Standbildern erzählt wird

Wertung

  • WiiU
    9.0
    /10

Awards

  • Design
    • WiiU

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