Test - Assassin’s Creed: Bloodlines : Profikiller mit Ladehemmung

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Mit dem Erscheinen von Ubisofts Killer-Titel Asassin's Creed 2 sollten Freerunner und gewitzte Attentäter erst einmal versorgt sein. Dabei ist die Geschichte von Altair eigentlich noch gar nicht zu Ende und die Frage immer noch offen, wie sich die Blutlinie der echten Assassinen fortgesetzt hat. Dieses Mysterium soll nun mit dem PSP-exklusiven Bloodlines aufgedeckt werden, denn irgendwo muss Ezio ja herkommen.

Was passiert, wenn man einem Meuchelmörder so ziemlich die Hälfte von dem wegnimmt, was ihn ausmacht? Richtig, er ist nur noch ein halber Profikiller. Und so fühlt sich Assassin's Creed - Bloodlines leider an. Spielprinzip und Design wurden im Grunde sehr gut auf die PSP transportiert, allerdings verpassen der fehlende rechte Analog-Stick zur Kontrolle der Kamera und die im Verhältnis zu Konsolen geringere technische Leistung der PSP dem Spielspaß einen ordentlichen Dämpfer.

Zur Hälfte im Urlaub

Doch spulen wir einmal zurück, denn auf den ersten Blick macht Bloodlines einen wirklich hervorragenden Eindruck. Sowohl Altairs Animationen als auch der musikalische Stil des ersten Assassin's-Creed-Teils kommen überzeugend rüber. Templer latschen durch Zyperns Straßen und natürlich grabscht Altair nach jedem Balken und Fenstersims, den er zum Klettern erreichen kann. In seinem ersten Abenteuer für die PSP kehrt der Schüler der geheimen Kunst in seine Heimat Zypern zurück, bis sich das Heilige Land ein wenig von den Geschehnissen der Vorgeschichte erholt hat. Besonders lange kann er allerdings nicht unentdeckt bleiben, da ihn eine zickige Bekannte ausfindig macht, die noch ein Hühnchen mit ihm zu rupfen hat.

Mehr von der Geschichte wird nicht verraten, denn diese soll eine Brücke zwischen den beiden Teilen für Konsolen schlagen und ist einer der Hauptgründe, um Bloodlines überhaupt durchzuspielen. Das klingt erst einmal seltsam, doch schon kurz nach dem Tutorial werden Fans der Konsolenversion bemerken, dass so manches nicht besonders gut auf den Handheld übertragen wurde.

Assassin's Creed: Bloodlines - Launch Trailer
Während das Hauptaugenmerk eher auf Assassin's Creed 2 liegt, schleicht sich Assassin's Creed: Bloodlines für die PlayStation Portable an; passend zum

Zum einen kommt ihr nur sehr selten an großen Arealen wie Marktplätzen oder Vorhöfen vorbei. Stattdessen bewegt sich der Assassine fast ausschließlich durch enge Gassen oder über recht simple Dachlandschaften. Das ursprüngliche Gefühl geht auch deshalb verloren, weil die Dialoge in Zwischensequenzen eher wie ein verbaler Schlagabtausch in Prince of Persia daherkommen und sich außer den Tempelrittern nur vereinzelt Leute vor die Tür wagen. Zwar gibt es in der Geschichte eine Erklärung dazu, wirklich authentisch kommt das Ganze allerdings nicht rüber. Damit fällt auch der Schleichfaktor komplett unter den Tisch, denn bis auf ein paar Heuhaufen und Pavillons auf den Dächern habt ihr keine Möglichkeiten, in Menschenmengen abzutauchen - weil es ganz einfach keine Menschenmengen gibt.

Hals- und Stilbruch

Auf der Habenseite kann Assassin's Creed - Bloodlines zumindest ein gut angepasstes Kampfsystem verbuchen. Mit der Dreieck-Taste könnt ihr einen Gegner anvisieren und bei gedrückter rechter Schultertaste verschiedene Manöver wie einen Konter, Wurf oder einfachen Schlag ausführen. Das Ende eines streitsüchtigen Tempelritters wird wie im Original mit einer kleinen filmischen Sequenz untermalt, in der meistens auch klar wird, dass Bloodlines wirklich ungeschnitten ist. Gerade das Umhauen von Bossgegnern macht wegen der blutigen Todesarten ordentlich Spaß, doch sofort danach werdet ihr ziemlich unsanft wieder auf die technischen Mängel aufmerksam gemacht: Logischerweise befindet sich die Stadt nach einem gelungenen Attentat in höchster Alarmbereitschaft und die gesamte Rittervereinigung von Zypern ist hinter euch her.

Dumm nur, dass Altair nicht gelernt hat, seine Kamera zu positionieren. Bei dem hektischen Rumgerenne auf der Flucht passiert es häufig, dass ihr den Überblick verliert. Schuld daran ist die komplizierte und fummelige Bedienung der Kamera in Verbindung mit der Steuerung des Assassinen. Normalerweise müsst ihr die linke Schultertaste gedrückt halten und könnt mit den Aktionstasten den Winkel der Kamera verändern. Auf der Flucht wird dies ziemlich schwierig, denn - ihr habt es erraten - die Aktionstasten braucht ihr, um effizient klettern zu können.

ABM

Solltet ihr einmal nicht damit beschäftigt sein, jemanden umzubringen, könnt ihr verschiedene bekannte Aufgaben erledigen. Zum einen wäre da der beliebte Briefeklau aus feindlichen Lagern, die Verteidigung von wehrlosen Bürgern oder ihr macht euch auf die Suche nach versteckten Münzen. Mit diesen schaltet ihr im Hauptmenü der Animus-Maschine neue Fähigkeiten und Hilfsmittel, wie etwa mehr Lebensenergie, frei. Auf den Begriff „Synchronisationsbalken" soll an dieser Stelle verzichtet werden. Zwar gleicht das Interface dem aus Assassin's Creed, doch von Desmond, der ein integraler Bestandteil für die Nutzung der Maschine ist, fehlt in Bloodlines jede Spur.

Fazit

von Matthias Lanwehr
Wie bitte? 65 Prozent für einen Assassin’s-Creed-Teil? Ja, denn Bloodlines verschenkt durch technische Einschränkungen und die verkorkste Steuerung viel von dem, was es hätte sein können. Leider schaffen es weder die tolle Soundkulisse noch das gute Kampfsystem, diese Fehler wieder auszubügeln. Zu präsent ist der Eindruck, dass es sich hier um ein schnell hingeschustertes Lizenzprodukt für den Weihnachtsmarkt handelt. Die Fans unter euch werden sich vielleicht wegen der Geschichte über Altairs Werdegang dazu durchringen können, Bloodlines durchzuspielen, sollten sich aber auf einige Frustmomente einstellen.

Überblick

Pro

  • gut umgesetzte Kampfmechanik
  • tolle Animationen
  • atmosphärische Soundkulisse

Contra

  • fummelige Klettersteuerung
  • leere Straßen
  • Features des Vorgängers fehlen

Wertung

  • PSP
    65
    %

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