14.07.2010 - Simon Biedermann
Viele von euch werden sich vielleicht gefragt haben: Wie kann Blizzard so leichtfertig mit den Daten seiner Kunden umgehen? Wie kommt so ein großer Konzern dazu, einfach mal private Nutzerdaten an alle Forenleser weiterzugeben? In Deutschland würde sich kein Unternehmen trauen, so ein Vorhaben in die Tat umzusetzen. In den USA sieht das anders aus. Dort herrscht beim Datenschutz eine ganz andere Philosophie.
In Europa bleibt ihr immer Eigentümer eurer privaten Daten. Unternehmen und Regierung dürfen diese nur zu klar definierten Zwecken und teils nur mit Zustimmung weiterverwerten. In den USA wird mit den privaten Daten sehr offen umgegangen. Gegen Gebühren lassen sich beispielsweise Telefonverbindungen von beliebigen Personen anfordern. Jüngst führte eine Bank in Washington einen Fingerabdruck-Scan bei Scheckeinlösungen ein. Was genau mit diesen Daten passiert, konnte das Bankpersonal nicht beantworten.
Auf der anderen Seite des großen Teichs waren die Unternehmen schon immer Herren der Daten und dürfen teils mehr als der Staat. Der holte sich nach dem 11. September 2001 und seit den damals eingeführten Antiterrorgesetzen aber auch immer mehr Daten von US-Bürgern und Ausländern. Beispielsweise schaufelt das kürzlich abgeschlossene SWIFT-Abkommen mit der EU fleißig vormals private europäische Datenmengen in Richtung USA.
Überhaupt nimmt die Datensammelleidenschaft von US-Regierung und US-Unternehmen immer größere Dimensionen an, während die Europäische Union zuschaut und im Falle des SWIFT-Abkommens sogar Zugeständnisse macht. Doch das ist, wie gesagt, kein Einzelfall: Datensammeln liegt weltweit im Trend. Selbst vielen Facebook-Nutzern dürfte es nicht bewusst sein, dass sich das US-Unternehmen dem Speichern von privaten Informationen geradezu verschrieben hat.
Erst nach und nach wurden bei Facebook mehr schlecht als recht die Privatsphäreeinstellungen nachgebessert. Alle bisher gesammelten Daten bleiben aber auch nach Löschung eures Facebook-Kontos auf den Servern des Unternehmens gespeichert. Google und Microsoft kennen euch ebenfalls gerne in- und auswendig. Der Trend zum Datensammeln hat sich demnach auch in vielen Videospielunternehmen durchgesetzt.
Wer sich einmal die Datenschutzerklärungen etwa bei Sony, Electronic Arts oder Ubisoft angesehen hat, wird an manchen Stellen seine Zweifel haben. Wird wirklich verantwortungsvoll mit den Daten umgegangen? Noch schlimmer: Wenn wir die Spiele (online) zocken wollen, müssen wir den ganzen Nutzungsbestimmungen zustimmen. Ansonsten wird die Installation abgebrochen oder wir kehren wieder ins (Offline-)Hauptmenü zurück.
Der gläserne Nutzer ist in den USA also längst Realität. Unser Staat und bei uns beheimatete Unternehmen folgen diesem Trend. Glücklicherweise geht Deutschland etwas bewusster mit dem Thema um. Allerdings werden auch bei uns die Datenschutzgrenzen durch den biometrischen Pass, das SWIFT-Abkommen und Ähnliches immer mehr aufgebrochen. US-Unternehmen wie Facebook und Google bleiben dabei die Trendsetter und sammeln seit Jahren auch schon von deutschen Nutzern fröhlich Daten. Der Globalisierung und dem Internet sei Dank.
Blizzard agiert also von einem Land aus, in dem der Austausch von privaten Daten, wie Sozialversicherungsnummer, Kreditfähigkeit und Telefonverbindungen, an der Tagesordnung ist. Der World-of-Warcraft-Konzern hatte aber nicht damit gerechnet, dass viele ihrer Kunden ganz andere Verhältnisse gewohnt sind, da sie eben nicht aus den USA stammen. Daher sind die Pläne bezüglich der Realnamen in Foren nach Protesten schnell wieder zurückgezogen worden.
Was bestehen bleibt, ist die Real ID im Battle.net. Die ist glücklicherweise optional. Im Klartext heißt das: Damit ihr einen Freund mit seinem echten Namen im Spiel finden könnt, muss dieser der Real ID zugestimmt haben. Eltern können für ihre Kinder die Real ID ebenfalls deaktivieren, sodass der Datenschutz nach unseren Begriffen beim Zocken von World of Warcraft und bald auch Starcraft II weiterhin gewährleistet ist.
Was denkt ihr über die Vorgänge bei Blizzard und den Datenschutz allgemein?
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Kommentare
Ja, mir ist schon klar, dass da Kolumne steht, aber so leid es mir tut, euch das mitteilen zu müssen:
Es ist keine Kolumne, die dort geschrieben steht, sondern lediglich ein Beitrag. Nicht mehr und nicht weniger.
Lern du mal den unterschied Klugschwätzer!
Egal wie dich GER verhält....
die Welt ist längst so int. geworden das es garnicht mehr darauf ankommt was man in "seinem" Land für Gesetze hat.Ein Grund dafür ist etwa das Gekrieche vor Ländern wie den USA(ok, glaube kein anderes Land ist mit recht so verhasst, oder??).Das entsprechende Gesetzt wurde ja im Artikel erwähnt und solange sich die EU nicht ein paar Eier wachsen läßt wird man auch immer mehr Rechte abgeben(Anti Terror GEsülze machts möglich).Algm. sollte man was Kunden-,Menschen- und Daten(schutz)rechte angeht wirklich aufpassen nicht zu sehr in Richtung der USA abzudriften(wo aber nunmal nicht wenige wichtige Unternehmen ihren Sitz haben).
as ist ein Monster das jeder von uns selbst so mitgestaltet hat.Es gibt versch. Formen und Abstufungen aber man braucht nur bei Studi VZ, Facebook oder was weiß ich fürbook gucken was die Leute alles über sich preisgeben(und was nur zu gern gegen sie verwandt wird, etwa von pot. Arbeitgebern).Daran sieht man schon das ein Großteil der Leute denn Sinn dafür verloren hat ob es sinnvoll ist Info XY weiterzugeben.Der weg zum Überwachungsstaat ist nicht mehr so weit wie einige denken, man muß nur in die USA rübergucken, da gibts so eine neumodisch Stasi die nennt sich "Ministerium für Heimatschutz"oder so ähnlich.Was die alles dürfen ist auch schon wieder abenteuerlich, da sollte jeder überlegen ob man Infos egal welcher Art preisgibt......
Was manche Unternehmen gerade im Gamessektor für Daten sammeln ist schon abenteuerlich.Wenn man sich manche Eula, Lizenzvereinbarung oder wie man es auch nennen will durchließt bekommt man schnell mal glasige Augen.
ABER
Zukunft
Dass immer mehr Daten gesammelt werden ist ja wohl klar, schließlich würd die faschiste Welt (die uns in den nächsten Jahren erwartet) auch nicht aus dem Nichts erschaffen.
@alamar
Ja, mir ist schon klar, dass da Kolumne steht, aber so leid es mir tut, euch das mitteilen zu müssen:
Es ist keine Kolumne, die dort geschrieben steht, sondern lediglich ein Beitrag. Nicht mehr und nicht weniger.
@Seelenflug
Les nochmal die Überschrift, vor allem den Teil wo "Special - Kolumne" steht.
1. Du kannst deinen Account nicht löschen. Du kannst die lokalen Daten von der Konsole löschen, nicht aber die Daten vom MS-Server.
2. Neue Konsole einstöpseln, Gamertag retten auswählen, dich mit deinem alten Account einloggen, et voila, kannst dir wieder alles saugen, was du schon vorher hattest.
3. Sollte deine Internetverbindung ausfallen, können manche DLCs jedoch nicht mehr funktionieren, da sie feststellen, dass das a) nicht die Konsole ist von der sie runtergeladen wurden und b) sie nicht online können um den Account zu überprüfen. Für solche Fälle gibt's auf der Xbox-Homepage ein Lizenzumzugstool. Sollte man ausführen bevor man seine alte Konsole verkauft.
Ein Bekannter von mir hat sich damals ne gebrauchte Xbox gekauft und dort war bereits Bomberman als Vollversion zum Spielen drauf. Da die Lizenz nicht umgezogen wurde, meinte das Spiel, das sei seine Heimatkonsole, d.h. er hat Bomberman für umme bekommen.
@Topic
Selbst in's Knie geschossen Blizzard. Wobei man leider nicht weiß, ob sie wegen der Proteste oder wegen ihrem entblößten Mitarbeiter zurückgerudert sind. Dass jedoch US-Unternehmen sich nur für US-Gegebenheiten interessieren, selbst dann, wenn sie international tätig sein wollen, ist ja allgemein bekannt. Fragt mal Wal-Mart, die können ein Liedchen davon singen
Oder um einen der Cheffes zu zitieren: "Wußten sie, dass sich europäische und US-Kissenhüllen in der Größe unterschieden? Nein? Sehen sie, wir auch nicht."
Hab ich was überlesen?
Das ist doch n ganz normaler Beitrag, aber keine Kolumne!
Sehr schön geschriebene Kolumne, Herr Biedermann (solange ich noch nicht Simon sagen darf
).

Datenschutz ist in den letzten Jahren immer mehr zu einem heiklen Thema geworden meiner Meinung nach. Allerdings ist es heute auch für jedermann einfacher geworden, Dinge über den anderen herauszufinden dank Facebook und Co. Das Beispiel "Blizzard-Mitarbeiter" ist ein sehr schöner Beweis dafür, wie viel man über Twitter, Facebook, Google usw. über eine bestimmte Person rausfinden kann.
Auch wenn das in den USA so gang und gebe sein soll, in Europa läuft der Hase nunmal anders. Schön zu sehen, das Blizzard endlich mal auch auf die europäische Meinung hört. Ist ja in der Vergangeheit eher seltener der Fall gewesen...
Was passiert eigentlich mit den DLC's wenn die neue Konsolengeneration rauskommt? Ist das Geld einfach futsch? Z.b. wenn ich Fallout 3 auf der neuen Xbox einlege, sind die 5 DLC's einfach weg? Kann man da mit dem alten Profil problemlos weiter zocken? Was passiert mit denen wo das Profil ausversehen gelöscht wird(hab von den fällen schon gelesen)?
Und , für was brauchen die Firmen alle unsere Daten? Wollen die Amis einen 3ten Weltkrieg ausbrechen und per Facebook alle hochrangige Offiziere umbringen?
Ich fühl mich verarscht. Egal ob jetzt Blizzard, EA oder sonstige. Man muss sich mittlerweihle fast überall Registrieren, um Online zocken zu können, oder auf DLC zugreifen zu können. Entweder man vertraut und akzeptiert die Nutzungsbedingungen oder lässt es bleiben. Man ist dem ausgeliefert, was mich persönlich am meisten ärgert.
Sobald man sich heute irgendwo im Netz eine kostenlose E-Mail-Adresse anlegt (gmx etc.) oder sich mit den Daten anmeldet kann und MUSS man damit rechnen dass die Daten irgendwo landen wo man es nicht will. Wenn man im PSN oder Xbox Live zockt (MP UND SP) werden Daten an Sony und MS weitergegeben - wenn man das nicht will darf man mit der Konsole gar nicht online gehen. Diese Real-ID legt die eigene Identität aber sozusagen noch viel mehr auf den Präsentierteller. Man könnte jetzt einen beliebigen User den man wegen seiner Meinung nicht mag relativ leicht stalken, vor allem wenn man sich ansieht wie leichtfertig (um nicht zu sagen dumm) manche Menschen mit ihren Daten umgehen.
Der Blizzard-Mod der zeigen wollte wie "ungefährlich" der echte Name ist hat ein ausführliches Facebook-Profil und zusätzlich andere Info-Quellen einfach offen gelassen und seinen Namen hergegeben. Nur logisch dass dann, gerade wenn man es so provoziert wie er, eine Lawine an persönlichen Daten ins Netz gestellt wird. Was soll man dazu noch sagen?
Fazit: Sobald man im Internet aktiv ist steht man im Auslagefenster, und gerade deswegen muss man aufpassen was man tut.