27.04.2010 - David Stöckli
Sie machen viereckige Augen oder zumindest kurzsichtig. Sie sorgen für nervöse, fahrige und ungeschickte Bewegungen. Sie verursachen Schlafstörungen und Übelkeit. Sie mindern die Konzentrationsfähigkeit und zerstören kreative Neigungen des Menschen. Sie evozieren Epilepsien. Sie fördern Untätigkeit sowie Isolation und damit den Bewegungsmangel mit all seinen ungesunden Nebenerscheinungen ... Videospiele haben es nicht leicht, denn neben der leidigen Killerspieldebatte stehen sie seit den frühen 80er-Jahren immer wieder wegen ihrer angeblich gesundheitsgefährdenden Wirkung am Pranger.
Bestimmt sind diese Vorstellungen noch heute präsent. Wenn man sich nach einer durchgezockten Nacht die brennenden Augen mit seinen von Chips fettigen Händen reibt, den Schlafmangel mehr als deutlich spürt und wegen des verspannten Rückens kaum von der Couch hochkommt, mag man kaum daran zweifeln, dass es Gesünderes gibt als solch eine ausdauernde Spielsitzung. Allerdings zeichnet sich bei den Videospielen mehr und mehr ein Wechsel ab, was das Image als Krankmacher angeht. Tatsächlich deutet vieles darauf hin, dass Spiele eine Zukunft im Gesundheitswesen haben - als förderndes Mittel auf dem Weg zu einem gesunden Leben.
Wurden in den 80er- und 90er-Jahren Videospiele nur sehr vereinzelt in der Medizin an Patienten ausprobiert, stehen mittlerweile in immer mehr Kliniken Konsolen herum. An erster Stelle natürlich Nintendos Wii. Die bewegungsorientierte Plattform macht sich immer stärker einen Namen als praktikables Mittel, um Menschen zu mehr Bewegung zu verhelfen. Und es sind keineswegs bloß Teenies im Visier, die ohnehin schon häufig am Fernseher spielen. Stattdessen werden neue Zielgruppen erschlossen, darunter auch Senioren.
Was in Japan längst Alltag ist, erobert nun auch den Westen: In Altersheimen wird die Wii immer häufiger für ein paar gesellige Runden angeworfen. Omas und Opas, die einst höchstens Spielkarten auf den Tisch klopften, greifen nun zur Wiimote. Sie bowlen und schwingen den virtuellen Tennisschläger durch die Luft, dass man als Außenstehender aus dem Staunen nicht herauskommt.
Als Beispiel sei das Schweizer Altenheim La Résidence genannt. Dessen Heimleiter ließ sich laut der Zeitschrift Curaviva von Heimen in Frankreich inspirieren und schaffte für die Bewohner eine Wii an. Seitdem kann er ausschließlich Positives berichten: Die Wii stimuliert die Betagten zu mehr Bewegung, aber auch zum fröhlichen, gemeinschaftlichen Spielen sowie zum motivierenden Spielen um Punkte. Und sie fungiert auch als Brückenschlag zwischen den Generationen. weiter...
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Kommentare
ist eigentlich nichts überraschendes. hatten vor einer woche eine forum über rehabilationstechniken, wo ebenfalls viel über videospiele in der rehabilation diskutiert wurde.
man soll sich dabei aber nicht vorstellen, dass die patienten irgendwelche games, wie die hier z.b. täglich auf gamesweb presentiert werden, benutzt werden. wii sports ist da schon das maximum.
beim "lokomat" (google hilft) werden einfache 3d games benutzt wo patienten durch eine virtuelle welt laufen um punkte einzusammeln.
Hut ab!
Schöner Bericht. Ich war mir gar nicht bewusst, dass Videospiele im medizinischen Sektor schon so "verbreitet" sind... macht aber auch Sinn, denn herkömmliche Spiele werden ja schon lange verwendet.
Was genau hat das Zitat oder überhaupt der Artikel mit "Killerspielen" zu tun?
Es ist Ansichtssache würde ich mal sagen
Beweisen können wir es nicht, bis wir ihn fragen und davon ausgehen, dass er uns die Wahrheit sagt, also sollte man hier jetzt auch nicht groß diskutieren.
So oder so finde ich es eine sehr gute Sache und wenn die älteren Leute das auch gut finden und sehen, dass es hilft ist alles gut...
@ phil: naja, kann man so oder so sehen
"So bin ich so etwas wie ein Ambassador, also ein beratender Experte, für die Gehirn-Jogging-Spiele geworden. Es ist im Prinzip eine Win-Win-Situation: Nintendo stellt mir die Programme und die Infrastruktur zur Verfügung und ich biete ihnen eine Plattform zur Kommunikation über den sinnvollen Einsatz dieser Spiele im medizinischen Bereich."
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ein anderer arzt hätte vielleicht eher davor gewarnt dass bei nervenschwachen patienten die epillepsiegefahr höher ist oder dass die ohnehin nervenschwachen leute noch überfordert werden, wenn sie ständig an der gleichen stelle "versagen"
von daher denk ich schon dass die da zusammenarbeiten, indirekt sagt er es meiner meinung nach schon
Wenn am ende der Patient mit einem lächeln das Krankenhaus verlässt sollte das wirklich nicht das Problem sein.
Ich glaube, dass nach diesem Satz relativ klar sein sollte, dass er nicht mit Nintendo zusammenarbeitet.
Er sagt zwar, dass Nintendo ihm die Spiele "zur Verfügung" stellt, doch damit meint er sicherlich nur, dass sie entwickelt und auf den Markt gebracht werden und er sie somit kaufen kann...
ich fand die interviews auch sehr gut und positiv. man muss allerdings auch im hinterkopf haben, dass der arzt mit nintendo zusammenarbeitet
Und können nachdem sie gestorben sind, einfach von vorne beginnen
Tja, Gamer sind intelligent und leben länger.
Ich danke auch vielmals für dieses Special. Es war wirklich informativ und hat sehr viel Spaß gebracht zu lesen.

Der letzte Satz ist natürlich gut für uns, jedoch werden Politiker ihn nicht so akzeptieren, immerhin kam er nicht von "Experten"
Doch alles in allem werten solche Nutzungen von Videospielen diese sehr auf. Auch wenn es keine Ego-Shooter sind, gehören sie auch zur virtuellen Welt.
Die beiden Interviews fand ich auch gut, um eigentlich zu sehen, dass die Patienten praktisch die gleiche Meinung haben wie der Arzt selbst
Hut ab!
Ein wirklich schönes und informatives Special diesmal, dass zeigt, wie es auch gehen kann.

Interessant für die Killerspieldebatte ist folgender Satz des Patienten: Diejenigen [...], die über eine hohe Intelligenz verfügen, ließen sich in der Regel viel schneller auf Videospiele ein.
Dem ist nichts mehr hinzuzufügen