22.08.2011 - Michael Zeis
All diese oberflächlichen Makel störten die Spieler damals aber nicht. Ganz im Gegenteil: Die abstoßende Erscheinung diente der Geschichte und machte die Figur glaubhafter. Das ist ein Prinzip, das wir schon lange aus Büchern, Filmen und Serien kennen: Besetze die Rollen auch optisch passend, selbst, wenn sie nicht hundertprozentig dem Schönheitsideal entsprechen. Sonst gäbe es keinen Gérard Depardieu, keinen Danny DeVito, keinen Jean Reno, keinen Bill Murray, keinen Michael Cera, keinen Nicholas Cage und wie sie nicht alle heißen.
Aber auch keine Meryl Streep, Helen Mirren oder Jodie Foster (auch wenn man in ihrem speziellen Fall durchaus streiten kann) – und ″Roseanne″ Barr würde immer noch Schaufenster in Denver dekorieren. Für die Glaubhaftigkeit geht man im Film – ohne zu zögern – bekanntermaßen auch gerne so weit, eine weit überdurchschnittlich schöne Frau wie Charlize Theron so sehr zu verunstalten, dass sie in einem Film wie ″Monster″ nicht deplaziert wirkt. Das Ergebnis sind starke Geschichten auf der großen Kinoleinwand, von denen es leider auf unseren heimischen Videospielbildschirmen immer noch viel zu wenige gibt.
Ich vertrete keinesfalls die Meinung, dass je ″hässlicher″ eine Figur ist, desto besser wäre die Erzählung. Ich bin aber der Meinung, dass sich die Videospielindustrie unnötigerweise selbst Fesseln anlegt, wenn sie sich weiter an ihr extrem eingeschränktes Frauenbild klammert. Das ist logisch leicht nachzuvollziehen: Wenn nur wenige Figurenvarianten zur Auswahl stehen, stehen dem Erzähler auch nur wenige Handlungsvarianten zur Verfügung – zumindest, wenn man glaubhafte, mitreißende Geschichten erzählen will. Oder anders ausgedrückt: Eine Welt, in der nur Models herumlaufen, nimmt niemand ernst.
Das ist auch mit einer der Gründe, weshalb sich Frauen so viele Jahre so schwer mit dem Medium Videospiele getan haben. Gar nicht so sehr, weil weibliche Helden in Spielen gerne auf dicke Brüste und schmale Hüften oder typisch zierliche bis übertriebene Modelmaße beschränkt werden – was sich übrigens auch mit der neuen Lara Croft nicht geändert hat -, sondern weil diese Spiele auf oberflächliche Betrachter schlicht und ergreifend lächerlich, kindisch und deshalb wie Zeitverschwendung wirken. Es ist, als würde man versuchen ″Inception″ mit ″Baywatch″-Babes zu erzählen. Wer könnte das noch ernst nehmen?
Inzwischen gibt es viele weibliche Spieler und die meisten stören sich nicht an einer dickbrüstigen Ivy in Soul Calibur oder ähnlich kindlich naiven Teenager-Jungen-Fantasien. Und die möglicherweise naheliegende Schlussfolgerung, man müsse nun mehr halbnackte Kerle in Videospielen zeigen, ist ein männlicher Irrglaube – fehlgeleiteter Pseudo-Feminismus. Wenn der männliche Shepard nun grundsätzlich mit freiem Oberkörper durch Mass Effect laufen würde, würde das nicht mehr Frauen zum Zocken bringen, sondern wieder lächerlich und unglaubwürdig wirken.
Zudem gibt es bereits reichlich schöne Männer in Videospielen. Genauso wie es reichlich schöne Frauen in Videospielen gibt. Aber wo sind die weiblichen Pendants zu Figuren wie Leisure Suit Larry oder dem eingangs erwähnten Raziel? Wieso finde ich zwar einen fetten Rufus mit lächerlicher Frisur in Street Fighter IV, aber auf der Frauenseite befinden sich nur Models, von denen höchstens die charikiert kräftigen Beine einer Chun-Li vom Standard abweichen? weiter...
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Kommentare
<3 Mona Sax.
Bei Fable III konnte man, sofern man als weibliche Protagonistin gespielt hat aber schon richtig beschissen aussehen. Mit der "richtigen" Frisur und den "falschen" Essgewohnheiten konnte man echt hässlich aussehen.
Sich mit 'ner fetten Alten durch Skeletthorden dreschen... hatte was.
Naja, über Geschmack lässt sich halt nicht streiten.

Wenn meine Ansprüche aber sooo hoch wären, dann würde ich wohl kaum davon reden, wievielen hübschen Frauen man täglich auf der Straße begegnen kann, oder?
sorry, ich weiß wirklich nicht genau was du da an makeln siehst, außer dass sie halt computeranimiert ist. natürlich kann ich sie mir noch hübscher vorstellen, aber das geht doch immer und ist einfach nur der persönliche geschmack ob blond oder braun oder die wangenknochen 2 cm höher oder tiefer, haare kurz oder lang. ich weiß ja nicht was du für ansprüche hast, aber eine komplett perfekte frau für jederman gibts doch auch gar nicht. und selbst wenn du eine perfekte frau im kopf hättest- technisch kann man sie aufm pc oder der konsole sowieso nicht so darstellen.
dass sie nicht als sex-objekt dargestellt wird, da geb ich dir recht, dass sie aber als eye-catcher für die männliche zielgruppe da ist, bin ich trotzdem von überzeugt. auch wenn deine komplette stadt und uni mit solchen frauen überfüllt ist ;-)
aber wie gesagt, es geht auch nicht darum. sie kann ruhig als eye-catcher im spiel da sein, das ist ja auch gut. aber man könnte auch mal was anderes ausprobieren als entwickler
@Cellschock:

Makellos? Schau dir Alyx noch mal in Großaufnahme an:
hier oder hier
Hübsch und attraktiv? Sicher. Aber außergewöhnlich? Finde ich nicht.
Perfekte Figur? Sie ist eine junge, nicht-übergewichtige Frau in ihren Mittzwanzigern - ist nicht ungewöhnlich, jemanden in dieser Altersgruppe mit einer guten Figur zu finden. Da brauch ich nur über'n Uni-Campus zu laufen.
Ich streite nicht ab, dass sie attraktiv ist... wenn man virtuelle Charaktere aus dem Computer so bezeichnen mag. Aber sie ist "realistisch" attraktiv und wird nicht einfach als begehrenswertes Sex-Objekt dargestellt und nur als Eye-Candy für die männliche Zielgruppe verwendet - anders als etwa Ivy in Soul Calibur, die komplette weibliche Besetzung der Dead or Alive Spiele oder Megan Fox in gefühlten 95% aller Filme, in denen sie bislang mitgespielt hat.
haha, sag mal, in welcher stadt wohnst du dass du alle 5 minuten 30 oder 50 frauen wie alyx aus HL2 oder diese mona sax triffst? ich glaube wohl eher dass du den kleinen realitätsverlust hast ;-)
das sind einfach frauen ohne makel, keine segelohren, kein muttermal, keine krumme nase. klar ist eine alyx irgendwo realistisch, aber ganz bestimmt nicht alltäglich. und ne perfekte figur hat sie trotzdem, auch wenn sie keine großen brüste hat.
es geht doch gar nicht darum alles über bord zu werfen, das wurde doch auch nicht gesagt. aber es würde doch mal ne schöne abwechslung sein, eine durchschnittliche person hinzustellen und die zur hauptfigur zu machen. und das würde der glaubwürdigkeit mit sicherheit nicht schaden, im gegenteil.
Moment... habt ihr gerade Meryl Streep, Helen Mirren und Jodie Foster als "hässlich" bezeichnet? Kleiner Fall von Realitätsverlust? Wohl zu viele Videospiele gespielt und Hochglanz-Model-Fotos von 18-jährigen Hungerhaken studiert...
Die Beispiele sind auch ziemlich schwach gewählt: auf der einen Seite wird betont, dass eine "hässlichere" Protagonistin die Story und die Spielwelt glaubwürdiger erscheinen lässt - dann wird als Negativbeispiel ein "primitives" Haudrauf-Spiel wie Soul Calibur angeführt, dessen Fokus nun eindeutig nicht auf einer umfangreichen, glaubwürdigen und wendungsreichen Story liegt. Was wird als nächstes kritisiert? Das in Call of Duty zu viel geschossen wird?
Als Nebencharaktere in ernsten Spielen gibt es eigentlich oft realistische Frauendarstellungen: Alyx aus HL2, Mona Sax aus Max Payne oder die Damen aus Red Dead Redemption sind eben keine vollbusigen Strandschönheiten im Bikini, die sich mit schmachtenden Kulleraugen an die Schulter des tapferen Helden werfen, sondern eben auch glaubwürdige Charaktere. Das viele davon auch attraktiv wirken, ist jetzt ein Verbrechen? Keine dieser Darstellungen erreicht auch nur ansatzweise das typische Photoshop-Hochglanz-Model-Format... wer nur mal 5 Minuten in der Fußgängerzone spatzieren geht, wird vermutlich gleich ein paar Dutzend vergleichbar attraktiver Frauen sehen - ich sehe da also nicht ganz das Problem.
Lediglich bei weiblichen Hauptrollen würde ich euch zustimmen wollen - die tendieren tatsächlich oft in Richtung großbusig und perfekter Eieruhr-Figur, verhüllt in immer knapper werden Klamotten-Fetzen. Das liegt allerdings nicht immer nur am Entwickler - viele Rollenspiele bieten dir genug Optionen, eine häßliche oder allermindestens "durchschnittliche" Heldin zu erschaffen... nur machen das eben nicht sehr viele. Oder man nehme "Die Sims" oder "Saints Row 2" mit mehr als genug Optionen, wirklich echt gruselige, häßliche Moppelchen mit deformierten Gesichtern zu erschaffen - aber auch da meist Fehlanzeige.
Wichtiger als das Äußere der weiblichen Charaktere ist mir aber die jeweilige Persönlichkeit selbst. Der Charakter muss interessant und facettenreich sein, wenn er ein storylastiges Spiel tragen soll - und zwar unabhängig davon, ob die Dame nun hübsch oder hässlich ist oder eben wie Durchschnitt aussieht.
Einerseits guter Artikel. Andererseits, wenn ich das Gesicht meines Charas z.Bsp. in Oblivion selber gestalten darf, versuche ich auch das Optimum herauszuholen. Nun es gibt aber durchaus auch hässliche Figuren wie zum Beispiel Niko Bellic oder Kratos. Eika (die hiess doch so?) von Prince of Persia war immerhin ziemlich flach, und die hauptdarstellerin von Heavy Rain gefiel mir auch nicht, da ich nicht auf kurzhaarige Frauen stehe (ja, das Modell das dafür gebraucht wurde ist der wahnsinn).
@ciruelo: also ich habe bonnie etwas anders in erinnerung als auf deinem avatarbild dargestellt. nicht hässlich, aber schon geschmackssache und weit weg von der im artikel beschrieben überzeichnung.
nett fand ich die aber auch, ein gutes kind.
Ob das ganze viel glaubwürdiger wird, da wär ich nich soo extrem sicher. Na klar, als Mann bin auch ich gewissen Reizen (wie die meisten Männer) erlegen. Und natürlich ist das auch immer schön anzusehen
.
Aber in den meisten Spielen sind auch (soweit ich das als Kerl beurteilen kann) recht stattliche, hübsche Männer als Hauptcharaktere vorzufinden und wirklich "Hässliche" sind eher die Ausnahme.
Kommt imo auch auf das Spielgenre an. Bei nem Spiel bei dem viel Wert auf Realismus, Naturalismus und Überzeugung gelegt wird, wären auch mal flachbrüstigere Damen die nicht unbedingt wie Miss Wasweisich aussehen angebracht. (Z.B. etwas in richtung Heavy Rain oder GTA, in welchen das ja auch teils schon erfüllt wird)
Bei nem Spiel in dem sowieso schon Ultrabattlemoves,Fantasy etc. vorkommen ist das dann wohl nicht mehr von soo großer Bedeutung. (Z.B. Bayonetta, da war ich mehr als Begeistert von der Dame, und sehr froh das sie nich anders aussieht, weil sie einfach so gut da reinpasst, diese üertriebene Ladung Erotik und Fetisch pur ;D. Da käms wohl echt nich drauf an das (HEXE) glaubwürdiger wirkt.)
naja bei heavy rain haben sie ein topmodel nachmodelliert. davon gibt es sogar ein video. die (echte) frau ist der wahnsinn und damit alles andere als "normal aussehend":
www.youtube.com/watch?v=FLbwW9CV4e4
bei rdr ist die hauptfigur john marston und keine frau. aber selbst in seinem umfeld findet man wieder wunderschöne frauen, siehe z.b. mein avatarbild.
nur silent hill 3 kann man gelten lassen, da sie ihre reize hinter der weste verbirgt und ziemlich fertig aussieht. und wenn man solche bilder ignoriert:
adamantiumbullet.com/wp-content/uploads/2010/11/silent_hill3.jpg
ich bin mir bei ihr aber auch nicht ganz sicher, weil man muss auch aufpassen dass man "technisch-optisch" schlecht umgesetzte charaktere nicht mit dem versuch verwechselt normalere figuren darzustellen. sonst müssten wir noch oblivion und co. als positive beispiele anführen und das wäre ein fehler weil die entwickler ja versucht haben schöne figuren zu machen es aber einfach nicht hinbekommen haben.
aber ich stimme dir trotzdem zu. vor allem was das körperverständnis angeht. wenn man es so betrachtet nimmt das thema ganz schön weitgreifende züge an.
na ja, wie cellschock schon festgestellt hat, werden auch normal gebaute männer in videospielen nicht beachtet. es sind schon ein paar gute ansätze in dem artikel, aber das kann man noch weiter spinnen. es kommt halt extrem darauf an was die zielgruppe ist und das spiel vermitteln soll, ich glaube kaum das dead or alive realistisch wargenommen werden will. dahingegen fallen mir spontan red dead redemption, heavy rain und silent hill 3 ein, alle spiele versuchen eine realistische umwelt zu erschaffen und verzichten auf das "übertriebene idealbild". interessant wäre auch zu betrachten, welchen einfluss die kultur des entwicklerlandes auf die figuren hat. japanische rollenspiele sind mehr an mangafiguten angelehnt und entführen einen in eine märchenwelt, amerikanische entwickler versuchen dahingegen durchaus ein authentisches bild unserer umwelt zu erzeugen. es ist wirklich mehr ein geschlechter-übergreifendes problem und es stellt sich die frage, was für ein körperverständnis hier vermittelt wird und warum das so ist.
ich habe jetzt hier nur schnell meine ersten gedanken aufgeschrieben, die sache kann man sicherlich noch weiter treiben. meine pizza muss jetzt allerdings aus dem ofen!
selbst wenn man nicht auf frauen steht, fällt einem dass schon ziemlich auf. mir ists egal wie die letztendlich aussieht, hauptsache es passt irgendwie. bei nem volleyballspiel sollten sie also auf jeden fall nen paar hübsche miezen dabeihaben, bei nem kampfspiel passts eigentlich eher nicht so und ich würd mir da eher nen mannsweib wünschen. andererseits gehts da wohl nicht jedem so, gerade tomb raider wäre nicht das, was es heute ist würde lara croft nicht so gut aussehen. und ich glaube ihr junges aussehen und die verletzlichkeit, macht sie für viele nur noch attraktiver, was ja eigentlich ungewollt ist, würden die entwickler wirklich eine nicht perfekte laura croft haben wollen
das ist bei männern in videospielen aber nicht sehr viel anders find ich. klar gibts einige gegenbeispiele, aber zum beispiel raziel, ist für mich nicht wirklich ein mensch oder ein mann. meistens sind die männer in videospielen auch gutaussehende muskelberge, wobei die muskeln auch in 99% der spiele lächerlich und unrealistisch aussehen ( Gears of war, resident evil 5)
guter artikel
Also ich persönlich spiele in Videospielen ja lieber Männer anstatt Frauen. Damals bei Heavnly Sword war schon ne außnahme grenze, aber eig. hätte mir da ein Mann ( allerdings mit mehr Kleidung) dort auch besser gefallen.
Irgendwie kann ich mich nicht mit dem Charakter Idenzifizieren wenn ich da eine Frau spiele...
Tja, Sex-Sells! Das war schon immer so und wird vorerst auch nicht so schnell veschwinden.
Aber es ist schon krass wie bei jeder Nahaufnahme von einem Gespräch mit einer Frau das halbe Bild von ihren überproportionierten Körperteilen verdeckt wird...
Amen. Ich mosere schon seit jeher, dass viel zu oft auf das Schönheitsideal zurückgegriffen wird. Meistens ist das ja auch ne Kostenfrage: Es geht einfacher und schneller einen Universalkörper für jeden NPC einzusetzen, als zusätzlich noch verschiedene Leibesfüllen zu generieren. Dennoch wünschte ich mir, man würde sich die Mühe mal machen.
Gerade bei Rollenspielen, wo man ja angeblich in die Spielwelt eintauchen soll, fehlen mir erweiterte Optionen. Ich soll "meinen" Helden erschaffen, habe die Auswahl zwischen über Hundert Frisuren - aber als Körper bekomme ich entweder das vollbusige Schönheitsideal oder den Waschbrettschönling.