03.08.2011 - Patrick Schröder
Moment mal, Haunted? Das Point-&-Click-Adventure ist doch schon ein alter Hut, werdet ihr sicher denken. Nun, damit liegt ihr gar nicht so falsch. Haunted hat einen wahrlich langen Weg hinter sich. Zur Games Convention 2008 tauchte das Adventure zum ersten Mal auf der Bildfläche auf - damals noch unter der Schirmherrschaft von Publisher HMH Interactive. Ungünstigerweise musste das Unternehmen kurze Zeit später Konkurs anmelden. Haunted stand von da an ohne Publisher-Unterstützung da. Der österreichische Publisher JoWooD nahmen sich des Projekts an, verschwanden Anfang 2011 aber aufgrund finanzieller Schwierigkeiten ebenfalls im Nirwana. Gut, dass es dtp Entertainment gibt. Ohne die wäre Haunted wohl niemals erschienen. Das wäre schade gewesen, denn das Adventure macht einen sehr guten Eindruck.
Seit der Projektübernahme arbeitet man vor allem am Feinschliff des Spiels. So wurden letzte Fehler ausgebessert und der Hauptcharakter Mary ist optisch gegen den Strich gebürstet worden. Zeichnete sie sich damals noch durch eine bitterböse Mine aus, wirkt sie neuerdings freundlicher und netter. Ein zweiter Punkt auf der To-do-Liste war die deutsche Sprachausgabe. Das Resultat sind bekannte deutsche Synchronsprecher wie Thomas Danneberg, die deutsche Stimme von Arnold Schwarzenegger, und Maria Koschny, die Lindsay Lohan in „Bobby“ ihre Sprechmuskeln lieh.
Die Einbindung der Rätsel weiß zu gefallen. Ihr bekommt im Laufe des Abenteuers sechs Gespenster an die Seite gestellt, die sich durch jeweils individuelle Fähigkeiten auszeichnen. So ist einzig und allein Trunkenbold und Möchtegern-Kapitän zur See Oscar in der Lage, unter Strom stehende Hebel zu betätigen und Gegenstände aufzunehmen, während der Schotte Willy Wallace eine schwebende Kutsche herbeizaubert und Engländer am liebsten auf dem Scheiterhaufen sehen würde.
Hier zeigt sich der tolle Humor des Spiels, der auf einem schmalen Grat zwischen kindlich und erwachsen wandelt. Im Vergleich zu Jack Keane sind die Wortwitze und -spielereien nicht ganz so abgedreht, machen aber trotzdem Spaß. Amüsant sind auch die Dialoge zwischen den Geistern bei längeren Fußmärschen. So wird das Abenteuer immer wieder aufgelockert. Wenn sich der Papst - ein sprachgewandter Gespenstergeselle - über Bilder von Gießkannen in der Behausung des Geistes Konfuzius aufregt, bleibt kein Auge trocken. Uns wurde während der Anspielphase so gut wie nie langweilig.
Haunted ist im Grunde ein kinderfreundliches Adventure mit einigen Schockelementen, die jedoch auch Kindern keine Albträume bereiten. Diese Meinung teilte die PEGI allerdings nicht, denn bei der europäischen Prüfstelle stieß Haunted auf harte Gegenwehr. Während die USK bedenkenlos eine Einstufung ab 12 Jahren vergab, zückte die PEGI den „16+“-Stempel. Diese Diskrepanz bei der Alterseinstufung ist gerade im Falle von Haunted ungewöhnlich. Im Endeffekt, so erklärte uns dtp Entertainment, war dafür lediglich eine Sequenz ausschlaggebend. Schuld sei das Intro, in dem die Professorin die kleine Mary in ihr Labor verschleppt und mit ihrem Seziermesser bearbeitet. Der Einschnitt oberhalb von Marys Brust ist nämlich auch in der folgenden Sequenz zu sehen. Das Urteil der PEGI: „Darstellung realistischer Gewalt“.
Eindruck: sehr gut
In Hamburg, oder besser nahe Hamburg, stellte Publisher dtp Entertainment die kommenden Titel des Jahres 2012 vor.
Adventure - Special: Interview mit dtp digital tainment pool - Special
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Kommentare
von "The Curse Crusade" habe ich mir eigentlich eine ganze menge versprochen. ich hoffe das ich dahingehend nicht enttäuscht werde, denn überschwenglich hört sich der kommentar nicht gerade an.
aber geschmäcker sind verschieden.