16.03.2006 - David Stöckli
Sean Callery: Es gibt einige strukturelle Unterschiede. Bei einem Videospielprojekt wird eine anpassungsfähige Musik verlangt – damit meine ich, dass die Musik zu jeder Zeit zu den Aktionen des Spielers passen und sich gegebenenfalls anpassen muss. Bei einer TV-Serie wie ’24’ ist das anders – die Szenen sind jedes Mal dieselben, egal wie oft man die Folge anschaut. In fünf Jahren sieht diese jeweilige ’24’-Folge immer noch gleich aus, in fünf Jahren spielt aber jemand das ’24’-Videospiel möglicherweise ganz anders. Ein erfahrener Spieler schafft eine Mission in fünf Minuten, ein unerfahrener Spieler wie ich braucht vielleicht fünfzehn Minuten – trotzdem muss die Musik in beiden Fällen genau passen. Sowohl eine TV-Serie als auch ein Videospiel haben einen Handlungsstrang, das ist ihnen gemeinsam. Entsprechend muss die Musik ihre Höhepunkte haben, was bei einem Spiel aufgrund der unterschiedlichen Spieldauer und den Interaktionen schwieriger ist. Manchmal muss man bestimmte Musikteile geschickt wiederholen, vielleicht einen Perkussion-Part einbauen und so weiter. Man muss neue Wege finden, die Musik nicht stoppen zu lassen, abhängig von dem, was der Spieler tut.
GW: Wie wichtig sind die Soundeffekte für sie, wenn Sie eine Videospielmusik komponieren?SC.: Die Soundeffekte müssen mit der Musik zusammenarbeiten und umgekehrt – wie in einer TV-Serie. Wenn an einer Stelle mehr Soundeffekte nötig sind, dann sollte die Musik zurückgenommen und die Effekte sollten im Vordergrund abgespielt werden, manchmal muss die Musik hervorstechen und die Soundeffekte weniger. Die Beziehung zwischen Soundeffekten und Musik ist also enorm wichtig – genauso wichtig wie die Beziehung zwischen TV und Film. Die Soundeffekte sind ein wichtiger Teil des Soundtracks.
GW: Wie lange dauerte das Komponieren und das Aufnehmen des Soundtracks für ’24: The Game’? Was waren die größten Schwierigkeiten?SC: Das Tollste war, dass wir ein Live-Orchester mit 60 Musikern einsetzen konnten, um den Spiel-Soundtrack in den Abbey Road Studios in London aufzunehmen. Für die TV-Serie nutzen wir kein Orchester, für das Spiel schon. Das machte Spaß! 30 Minuten komplett neue Musik. Man kann auf die FOX-Musikwebseite gehen und die Musik herunterladen. Die größte Schwierigkeit war, dass ich in den USA komponierte, während die Musik in London aufgenommen wurde – das war also ein wenig ein Hin und Her. Aber das war nichts Schwerwiegendes. Was bei einer Videospielmusik generell schwierig ist: Ich sehe normalerweise keine fertigen Szenen aus dem Spiel, während ich die Musik komponiere – nur vielleicht ein paar unfertige Animationen und Skizzen. Bei TV-Produktionen sehe ich hingegen eine fast fertige Szene. Bei Videospielen ist es immer ein ’work in progress’.
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