17.06.2011 - Andreas Altenheimer
Rune ist Student und er mag Eisbären. So schießt er sie nicht gleich tot, sondern versucht, sie zu betäuben. Derzeit sitzt er in einer Forschungsstation, die mitten in Grönland neue Ölquellen erschließen will. Das gefällt Rune als Umweltliebhaber ganz und gar nicht, aber außer immer wieder Diskussionen über die Wichtigkeit des ökologischen Gleichgewichts anzustoßen, ist er machtlos.
Natürlich wird der junge Norweger zwangsläufig zum Helden, als plötzlich nach einem Ionensturm die Crew unter ganz schlimmen Träumen leidet, die wiederum im echten Leben zu Wahnvorstellungen und unkontrollierbaren Aggressionen führen. Es liegt an Rune herauszufinden, ob dahinter eine übernatürliche Kraft steckt oder die Besatzung einfach nur unter einem kollektiven Lagerkoller leidet.
Alpha Polaris ist ein Point-&-Click-Adventure - so weit, so gewöhnlich. Doch anstatt rein auf vertraute Werte zu bauen, versuchen Turmoil Games, das Rätseln auf eine knackigere Ebene zu hieven. So werdet ihr an mehreren Punkten dazu genötigt, zur Tastatur zu greifen und diverse kryptische Symbole mit einem Namen zu versehen. Diese Idee hört sich fast schon innovativ an, aber im Kern stammt sie aus einer Zeit der Adventure-Spiele, die gut die Hälfte unserer Leser aufgrund ihres jungen Lebensalters nicht miterlebt haben dürften.
Texteingaben waren früher nichts Ungewöhnliches und so nett solche Retro-Nuancen auch sind: In diesem Fall gibt es einen ganz entscheidenden Punkt, warum sie heute nicht mehr praktiziert werden. Das Erraten von Wörtern macht dann Probleme, wenn der Spieler ein korrektes Synonym für ein Symbol herausfindet, an das die Entwickler jedoch selbst nicht gedacht haben. So etwas kann schnell zu Frust führen, wenn man nämlich bei einem prinzipiell richtigen Ansatz trotzdem gesagt bekommt, er sei falsch.
Ein anderes Konzeptelement fordert euch auf, in bestimmten Situationen mehr als zwei Objekte miteinander zu kombinieren. Diese Idee gefällt auf Anhieb recht gut, weil sie stupides Trial & Error erschwert und somit den Spieler mehr zum Nachdenken zwingt. Doch letztlich enttäuscht das Feature, weil es viel zu selten zum Einsatz kommt.
Allgemein ist Alpha Polaris kein Leichtgewicht und lässt den Spieler beim Lösen der Rätsel häufig alleine. Sprich: Hinweise sind rar gesät. Seid ihr hingegen ein alter Hase unter den Adventure-Liebhabern, dann benötigt ihr keine fünf Stunden bis zum Ende, selbst wenn ihr euch brav durch alle Dialogoptionen klickt und die Synchronsprecher jeden Satz fertig aussprechen lasst. Entsprechend unbefriedigend ist die eigentliche Geschichte, die viel zu hastig von einem Ereignis zum anderen springt und urplötzlich endet. Dies ist umso bedauerlicher, weil die Charaktere an sich Interesse wecken und mehr als nur Schwarz-Weiß-Abziehbilder darstellen.
Dass die Entwickler nicht viel Geld für ihr Spiel hatten, merkt der Kenner sofort an der mittelmäßigen Grafik. Die glänzt nur ganz zaghaft bei einigen Hintergrundbildern sowie ein paar hübschen Comic-Zeichnungen und erschreckt umso mehr bei den scheußlich gerenderten Zwischensequenzen. Ähnlich wankelmütig gibt sich die Sprachausgabe, die an einer Stelle das Verhalten der Crew gut zur Geltung kommen lässt und an anderer Stelle gerade mal so viel Emotionen zeigt wie die Stimme eines Bordcomputers. weiter...
Alpha Polaris ist eines dieser typischen ambitionierten Adventure-Projekte, hinter denen ich durchaus den Enthusiasmus der Entwickler registriere, bei denen ich aber gleichzeitig deren Können anzweifle.
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Kommentare
Ich finde, dass sich eine positive bzw. negative Bewertung des Umfangs am Kaufpreis orientieren sollte. Kostet das Spiel nur 20 Euro, sind 5 Stunden (ohne Hilfe) schon in Ordnung. Was soll es denn kosten? Hab dazu nichts gelesen?
Außerdem wäre ein Beispiel hilfreich gewesen, wie ein "doppeldeutiges" Synonym für ein bestimmtes Symbol aussieht bzw. im Spiel überhaupt zustande kommt. Ich hab keine Ahnung, was hier eigentlich gemeint ist! Und das, obwohl ich noch zu der Generation gehöre, die früher massenweise Textadventures gespielt hat.
Naja, sorry wenn ich das hier schreiben muss, aber nachdem du seinerzeit "Tale of a Hero" völlig an der Realität vorbei bewertet hast mit 49%, werde ich mir bei "Alpha Polaris" definitiv selbst ein Bild machen. Mir gefällt das Setting sogar richtig gut.
Warum gibst du eigentlich die Spielzeit mit Lösung an? Ich mein wer Adventures mit Lösung spielt, der hat sich mal richtig im Genre verirrt...