27.08.2010 - Stephan Fassmer
Nicht überall, wo ein Held gegen die Nazis und die Zeit ankämpft und auf der ganzen Welt nach einem mystischen Artefakt sucht, steht Indiana Jones drauf. Lost Horizon könnte aber durchaus das nächste Abenteuer des Mannes mit Hut und Peitsche sein. Zitate und auffällige Ähnlichkeiten springen euch an allen Ecken und Enden entgegen. Schon vieles im ersten Kapitel in Schanghai, sorry, Hongkong dürfte Indy-Fans bekannt vorkommen. Und der Held sagt doch einmal tatsächlich: „Nazisoldaten, ich hasse diese Kerle" wie in „Der letzte Kreuzzug". Aber sei's drum: besser gut geklaut, als schlecht selbst gemacht. Zudem ist es ja auch beabsichtigt, dass diese Art von Pulp-Storys alle nach demselben Schema gestrickt sind.
Und gestrickt ist die Geschichte nicht mit der heißen Nadel, sondern mit viel Liebe für Details, originellen Wendungen, coolen Cliffhangern, etwas Historie und einem Schuss Mystik. Die Geschichte wird in der Tat so gut erzählt, dass die realen 15 Stunden Spielzeit einem locker wie 25 vorkommen, so viel passiert und so geschickt sind die Kapitel aufgebaut. Besonders erfreulich ist, dass der Geschichte am Ende nicht die Puste ausgeht, sondern der Höhepunkt auch tatsächlich einer ist, der die Handlung spannend und befriedigend beendet. So, wie ein spannendes und gut erzähltes Abenteuer eben sein sollte.
Dazu tragen vor allem die glaubwürdigen Charaktere, allen voran der Held Fenton Paddock, bei. Hier wurde auf ausgefeilte Charakterzeichnung Wert gelegt, mit Ecken und Kanten und einem komplexen, aber unaufdringlichen Hintergrund. Natürlich werden alle Klischees bedient, vor allem die Nazis sind, wie immer in diesem Genre, eher schablonenhaft. Viele der kleineren Rollen bei den kurzen Begegnungen sind erstaunlich detailliert und häufig recht originell. Zwar regiert im Spiel meistens das Drama, aber auch ein wenig Humor werdet ihr hier und da finden, in erster Linie, wenn das Genre und seine Klischees auf die Schippe genommen werden.
Vor allem aber ist das Spiel dank seiner Geschichte und der abwechslungsreichen Schauplätze spannend. Ob nun Probleme mit den Triaden in Hongkong, Survival-Übungen in Tibet, orientalische Rätsel in Marokko, Betrug bei der Berliner Olympiade oder ein Tigerproblem in Indien, die Aufgaben variieren so wie ihre Schauplätze. Das bedeutet allerdings nicht, dass die Mechanik der Rätsel sonderlich vielfältig ist. Im Grunde findet ihr in Lost Horizon nur Inventarrätsel vor. Gegenstände werden gefunden, kombiniert oder an der richtigen Stelle benutzt. Das ist zwar alles andere als innovativ, fügt sich aber angenehm flüssig in den Spielablauf ein. Es gibt auch ganze drei Puzzles zu lösen, die stellen jedoch selbst im höheren Schwierigkeitsgrad kaum eine Herausforderung dar.
Das gilt im Großen und Ganzen für alle Rätsel. Der Schwierigkeitsgrad ist eher moderat und für erfahrene Spieler sicher etwas zu leicht. Hier wäre ein Anziehen, zumindest zum Ende hin, wünschenswert gewesen. So bewegen sich die Rätsel aber fast im kompletten Spiel auf demselben Level, sind aber immer fair und logisch. Das letzte Kapitel allerdings stellt euch dann doch vor eine etwas größere Herausforderung. Nicht etwa weil die Rätsel als solche komplizierter werden, sondern weil dem Ganzen noch eine weitere, nämlich eine zeitliche Ebene spendiert wurde, bei der ihr um die Ecken von Vergangenheit und Gegenwart denken müsst. Spielbar ist das, übrigens wie auch ein Teil des ersten Kapitels, mit zwei Charakteren. weiter...
Von einigen netten Einlagen abgesehen erwartet euch hier eher klassische Adventure-Kost - das aber im besten Sinne des Wortes.
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Kommentare
Lost Horizon
Seit langen mal wieder ein sehr schönes Adventure !!
Ich fands richtig super, Geheimakte 2.5 wenn man so will
finde die wertung auch krass zu hoch (eher zwischen 70 und 80)..hat zwar spass gemacht ..aber wie hier schon erwähnt waren die "vorgänger" wesentlich besser
Wow, 90%! Werd ich mir jetzt auf alle Fälle ansehen.
Kleiner Nachtrag
Das die bösen Nazis als Schema F Halunken vorkamen fand ich dann doch unangemessen, so ernstes Thema in Adventures mit FSK 12 muss nicht sein und wurde außerdem von Indianer Jones doch schon total ausgelutscht. Ne Geheimsekte häts auch getan, dennoch ist die Geschichte sehr gut erzählt und schön find ich auch den BONUS.
Also ich fand Geheimakte besser
Man hätte noch mehr aus den Charaktern rausholen können, gerade beim interagiern mit den Gegenständen, die Rätsel haben mich jetzt auch nicht grad vom Hocker gerissen und die Synchronstimme von Kim wirkt doch sehr jugendlich wenn man das Ende bedenkt
Ich hoffe das bei Geheimakte 3 sich die Jungs steigern werden.
Also, seit mir nicht böse, aber verglichen mit z.B. The Book of Unwritten Tales (von den ganzen Klassikern will ich gar nicht erst anfangen) ist das Ding höchstens gutes Mittelmaß... ich kann die ganzen guten Wertungen beim besten Willen nicht nachvollziehen, Eine gute 70, als Empfehlung für Adventure-Fans, aber 90?... Die seh ich nicht.
Jup, die Charakterportraits sind wirklich (auch stilistisch) sehr schön, die Ingame-Modelle allerdings wie von vorgestern.

Ansonsten allerdings eines der besten Adventures der letzten paar Jahre. Ich persönlich finde es auch nicht ZU leicht, aber vielleicht bin ich nur blöder als andere.
Wenn man auf klassische Adventures steht - kaufen, keine Frage. Die Verpackung ist übrigens auch sehr hübsch!
Kann man so stehen lassen, gewohnt gutes Adventure der Tunguska Macher. Die Grafik der Charaktere ist jedoch wirklich etwas schwchlich, vor allem ist es seltsam, dass die (wirklich abweichenden) Charbilder bei Dialogen auch noch besser aussehen.