24.03.2010 - David Stöckli
Zitternd reißt ihr die Zellophanhülle von der Packung, holt die Scheibe aus der Box und schiebt sie erwartungsvoll in die PlayStation 3. Ihr spielt zum ersten Mal Yakuza 3 aus dem Hause SEGA? Dann solltet ihr euch genügend Zeit nehmen, bestellt also am besten schon mal einen verregneten Nachmittag beim Wetterdienst. Und eine Extraportion Kaffee. Denn nach dem Einlegen der Silberscheibe müsst ihr euch in Geduld üben, da die Installation locker zehn Minuten eurer Zeit beansprucht.
Danach empfiehlt es sich, dass ihr euch die Hintergrundgeschichte der ersten beiden Yakuza-Episoden als stundenlange Zusammenfassung reinzieht. Denn Yakuza 3 führt die äußerst komplexe Saga rund um Kazuma und verfeindete Yakuza-Clans nahtlos weiter. Wer die ganzen Clan-Verflechtungen, Personen und Ereignisse der Vergangenheit nicht kennt, wird wenig von der Geschichte rund um Verrat, Macht, Geld, Liebe und Schuld verstehen.
Schaut man sich die Vergangenheit des Hauptcharakters Kazuma an, versteht man seinen Wunsch, aus der japanischen Mafia-Gesellschaft auszubrechen. Der einstige Yakuza-Boss Kazuma eröffnete ein Kinderheim. Dummerweise wird er von seiner Vergangenheit eingeholt, denn in seinem Ex-Clan steht ein Führungswechsel auf wackeligen Beinen, darüber hinaus droht der Konflikt zwischen den Clans erneut auszubrechen. Das Fass zum Überlaufen bringt aber die Tatsache, dass die mit der Yakuza verstrickte Regierung ausgerechnet dort ein Freizeitzentrum oder eine Militäranlage bauen will, wo sich Kazumas Kinderheim befindet. Der junge Japaner hat also allen Grund dazu, die Yakuza einmal mehr gehörig aufzumischen.
Das klingt so albern wie eine durchschnittliche Folge von Gute Zeiten, schlechte Zeiten oder wie ein besseres Drehbuch eines Bud-Spencer-Streifens? Damit liegt ihr zwar nicht ganz falsch, denn die Handlung erinnert durchaus zuweilen an eine TV-Soap und geprügelt wird in dem PS3-Epos sowieso reichlich, trotzdem hat die Geschichte weit mehr zu bieten, als es anfangs scheint. Die Charaktere sind weniger klischeehaft als gedacht, die emotionalen Momente können durchaus berühren und nicht zuletzt dank einiger Handlungswendungen bleibt ihr bis zum Abspann von der Geschichte gefesselt. Wer die bisherigen Yakuza-Titel gezockt hat, wird ohnehin sofort wieder von dem komplexen Gangster-Drama gepackt sein.
Ihr steuert Kazuma durch durch Okinawa und Tokio. Dabei erinnert der Titel einerseits an Open-World-Actionspiele wie Grand Theft Auto: Die Städte sind detailliert und ihr dürft euch zumindest in den einzelnen Bezirken frei bewegen. Darüber hinaus trefft ihr auf viele Personen, die euch manchmal sogar Aufträge oder Gegenstände geben. Auf steuerbare Fahrzeuge müsst ihr allerdings verzichten.
Andererseits hat Yakuza 3 viel von einem Rollenspiel: Ihr levelt Kazuma Schritt für Schritt auf, entscheidet euch für neue Attacken, verbessert eure Charakterwerte durch Training, ersteht in Geschäften unzählige Dinge und verwaltet eine unüberschaubare Menge an Objekten. Außerdem kommt es in den Straßen Tokios immer wieder zu Zufallsbegegnungen in bester RPG-Manier.
Wer jetzt glaubt, er müsse diese Duelle wie in einem Rollenspiel rundenweise bestreiten, der täuscht sich. Das SEGA-Spiel hat nämlich auch kräftige Beat'em-up-Wurzeln. Ihr steuert Kazuma in den Kämpfen direkt und prügelt auf Knopfdruck auf die Feinde ein. Das Kampfsystem mit leichten sowie schweren Angriffen und der Möglichkeit, einen Gegner zu packen, erinnert an Klassiker wie Streets of Rage. Mittels simpler Kombos heizt ihr den Möchtegern-Gangstern kräftig ein. weiter...
Yakuza 3 ist kein Meisterwerk, die Liebe zum Detail und zum Erzählen einer großen Geschichte spürt man aber überall im Spiel.
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Kommentare
Das war halt Teil des Spiels und hat zumindest für mich auch ein bisschen zur Atmo beigetragen.
Für den ein oder anderen war es vielleicht nervig aber "stundenlang" ist auch übertrieben. Dafür war das Detektiv-Gameplay viel besser als in Yakuza und die Story spannender erzählt. Imho.
Dafür muss man in Yakuza 3 im gegensatz zu Shenmue nicht stundenlang irgend einem gehbehinderten 95-jährigem Hongkong-Opa durch die Strassen nachtappsen und dabei alle paar Nasen lang "oh, is that so?" murmeln.
Vom Gameplay her, den Möglichkeiten und stellenweise der Grafik erinnert es schon an Shenmue. Nur die Story ist natürlich etwas trocken im Vergleich zu Shenmue und motiviert nicht so stark. Bleibt nur zu hoffen, dass wir irgendwann mal unseren Vater rächen können und Lan Di seine gerechte Strafe zukommen lassen.