15.01.2010 - Hans Schneeweiss
Gleich in der Anfangssequenz entscheidet sich Scarletts Schicksal: Ihr Dorf wird von Assassinen überfallen, ihr Geliebter ermordet und das Mädel erfährt, dass sie die Tochter des Todes ist. Kein schlechter Anfang, allerdings läßt sich schon in diesen ersten Minuten erkennen, dass hier kein Million-Seller im Xbox 360-Laufwerk rotiert. Denn in der märchenhaften Landschaft wirkt alles viel zu verwaschen, selbst den Hauptcharakteren merkt man ein fehlendes Feintuning an - und das wohlgemerkt in der Start-Filmsequenz. Andererseits muss ja nicht alles aussehen wie in Assassin's Creed II. Also geben wir der Kleinen doch noch eine Chance.
In dem Dörfchen sehen wir uns auch gleich um. Was unangenehm auffällt und unsere spielerische Nerven auf die erste Probe stellt, ist die Tatsache, dass die Kameraperspektive sich viel zu hektisch verändert und man ständig manuell mit dem Stick nachjustieren muss. Und unser Herzchen ist auch leider nicht so sportlich, wie ihre makellose Figur vermuten ließe, denn immer wieder zickt sie etwa vor einer kleinen Kante oder einem Sprüngchen. Man ist sogar hin und wieder versucht, Scarlett einen Schubs zu geben oder ihr eine auf den Hintern zu knallen. Ebenso störrisch reagiert die Gute oft genug an anderen Stellen im Spiel. Als wären dort unsichtbaren Wände eingebaut, bleibt sie einfach stehen. Das kann einem ordentlich den Spaß an der gemeinsamen Bewegung nehmen.
Und auch die Präsentation hat so ihre Macken. So ist etwa im Dorf ein seltsames blau-weißes Geschwulst, das neben einem Haus den Berg hinunter wächst, nicht zu übersehen. Weil sich das Ding aber weder bewegt noch Geräusche von sich gibt, läßt sich erst nach langem Rätselraten darin die Metapher eines stürzenden Gebirgsbaches erkennen. Bei einem Gesellen läßt sich auch gleich um die Ecke das Kampfsystem testen, das sich als ziemlich hinterwäldlerisch entpuppt. Es verlangt Timing, Timing und nochmals Timing. Und weil das nicht gleich so von der Hand geht, nervt das Training auch gehörig. Nebenbei gibt's aber noch eine Spezialität, welche das Blocken betrifft: Das muss nämlich als Fähigkeiten im Inventar umständlich auf die Steuerkreuztasten- und die B-Taste gelegt werden. Aber das wäre noch nicht so spannend, wenn es nicht für jede Waffenart eine eigene Blockfähigkeit geben würde. So bleibt einem das Prozedere bei jedem Waffenwechsel nicht erspart.
Bei aller Liebe zur Titelheldin: Dieser sperrige Einstieg macht einem den Umgang mit der Dame nicht gerade einfacher. Dabei ist die Option, an bestimmten Stellen in die Unterwelt einzutauchen und die Magie des Todes zu nutzen, keine schlechte. Und hat man endlich einmal das öde Dörfchen hinter sich gelassen, eröffnet sich einem Venedig, das plötzlich ganz andere und viel mehr Möglichkeiten bietet. Zwar ist die Stadt nicht so perfekt in Pixel gemeißelt wie in Assassin's Creed II, aber auch mit Scarlett läßt sich die Stadt wunderbar erkunden. Und zu tun gibt's dort genug. Fast an jeder Ecke stehen Auftraggeber. Nur leider sind Scarletts Gelegenheitsjobs oftmals recht unspektakulär und langweilig gestaltet. Und nach jedem ermattenden Einsatz fällt es einem immer schwerer, daran zu glauben, dass der nächste Auftrag eine spannende Abwechslung bieten wird.
Apropos Abwechslung: Daran denkt man erstmals, wenn Scarlett vor der Lösung eines Puzzles steht. Allerdings geht's hier auch nur um die Aktivierung von Schaltern in einer gewissen Reihenfolge. Und auch beim Schlösserknacken ist bald die Luft raus. Und was haben sich eigentlich die Entwickler dabei gedacht, als sie zu allem Überdruß zwei Geister reinprogrammierten, die uns beim Aufbrechen der Schlösser auch noch die Reihenfolge der zu bedienenden Teile vorgeben? Da fühlen sich wohl nicht nur Rätselkaiser etwas unterfordert. weiter...
Deck 13 vermasselt die Präsentation derart, dass die ganze Atmosphäre flöten geht und Scarlett wohl niemand eine Träne nachweinen wird.
Deck 13 - Studio-Tour aus Frankfurt
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Kommentare
Ich hab Venetica nun schon eine ganze Weile auf der Xbox360 gezockt und ich bin mehr als zufrieden.
Ich kann absolut nicht nachvollziehen, dass das Spiel hier so zerrissen wird. Klar, manche angesprochenen Punkte sind schon nicht weit von den Tatsachen entfernt, aber das Spiel punktet besonders da, wo es am meisten zählt: beim Spielspaß.
Kinta
- 1. "Unzählig" trifft nur zu, wenn man sich selbst als Superlativ und Nabel der Welt sieht. 80-90% der Kritiken waren im 78-82 Bereich.
- 2. Wurde die X-Box Version nicht von Deck13,sondern von Wizardbox umgesetzt.
- 3. Sollte der Autor sich ein Beispiel an der PC Rezension seines Kollegen nehmen.Die war wenigstens sachlich und ausführlich.
Die hier ließt sich leider mehr als Mastrubationsvorlage, die hauptsächlich dazu dient, sich am selbst geschriebenen Verriss auf zu geilen.
Informationsgehalt und Sachlichkeit sind leider nicht vorhanden.
Ich hoffe die nächsten Kritiken werden wieder von den richtigen Redakteuren geschrieben und nicht von irgendwelchen 14 jährigen Praktikanten und Hobbyjournalisten.
Die Kritiken waren nur vereinzelt wirklich negativ, von "unzählig" und von "vernichtend" kann gar keine Rede sein. Weiß nicht, warum man so einen Unsinn schreiben muss.
Ich hatte mir ja von Gameswelt gewünscht, dass sie was zur Qualität der Portierung auf die 360 schreiben, aber leider bin ich nach diesem "Review" auch nicht viel schlauer.
Mittlerweile habe ich jedoch eh die PC-Version. Diese ist sehr charmant und hat mich mehr ins Spiel gezogen als so manche hochgelobte Millionenproduktion der letzten Jahre.