23.07.2009 - David Stöckli
Ihr habt eine Allergie gegen typisch japanische Rollenspiele? Gegen Grafik im Manga-Look mit überzogen kindlichen Figuren, Bonbon-Farben und Kulleraugen? Ihr mögt darüber hinaus keine Smalltalk-Orgien der Spielcharaktere? Dann macht besser einen großen Bogen um Tales of Vesperia. Der neueste Teil der beliebten Tales-of-Serie aus dem Hause Namco Bandai feiert zwar sein Debüt auf Next-Gen-Konsolen, vom Spielprinzip und der Inszenierung her bleibt er jedoch ganz in der Tradition japanischer Rollenspiel-Epen à la Dragon Quest.
Das soll jedoch nicht bedeuten, dass Tales of Vesperia ein uninteressanter Vertreter seiner Zunft wäre. Im Gegenteil: Das RPG macht wenig falsch, sodass es den Genre-Fans vergnügliche Stunden beschert. Und das nicht zu knapp: Wer nicht gerade durch das Abenteuer hindurcheilt, dürfte bis zum Abspann locker 40 Stunden Spielzeit hinter sich lassen. Diejenigen, die Namcos Reihe schon kennen, fühlen sich sofort heimisch. Aber auch Neulinge kommen prima zurecht. Tales of Vesperia verzichtet glücklicherweise auf langatmige Tutorials, stattdessen bringt es euch jeweils das Wichtigste in aller Kürze an der passenden Stelle bei.
Ihr schlüpft in die Rolle des Ex-Soldaten Yuri Lowell. Der großmäulige Typ ist genervt von den Ungerechtigkeiten zwischen den Reichen und Armen. Viel Zeit, sich darüber zu grämen, bleibt ihm aber nicht, denn unverhofft macht er sich mit der Prinzessin Estelle auf die Suche nach seinem Freund Flynn, der in Gefahr schwebt. Das Land wird von Monstern bedroht, die immer aggressiver werden und die Schutzwälle mehr und mehr umgehen. Besonders schlimm: Die für Energie und Schutzschilde zuständigen Blastia-Zauberkristalle werden gestohlen. Ob Flynn wohl mehr über die Ereignisse weiß?
Sonderlich originell oder tiefgründig ist die Hintergrundgeschichte nicht. Trotzdem kann sie unterhalten. Das liegt vor allem an den sympathischen Charakteren. Diese plaudern sehr viel miteinander - zum Glück bleiben die Figuren aber nicht zu lange bei einem Thema hängen, außerdem punktet der hin und wieder eingestreute Humor. Eher störend ist die Tatsache, dass Tales of Vesperia enorm viele, dialoglastige Zwischensequenzen auffährt. Darunter leidet der Spielfluss etwas. Ebenfalls nicht so erfreulich: Ihr dürft schon gehörte Gespräche nicht abbrechen. Erfreulich hingegen, dass die Bildschirmtexte tadellos ins Deutsche übersetzt wurden. Die Sprachausgabe erklingt dagegen auf Englisch.
Das eigentliche Spielprinzip setzt auf ein leicht modifiziertes System der bisherigen Tales-of-Spiele. Ihr steuert Yuri über die meist eng begrenzten Wege, quasselt mit anderen Leuten, sucht nach verborgenen Schätzen und treibt so die Handlung voran. Verlasst ihr einen Ort, wandelt ihr über die Weltkarte. Sowohl dort als auch in den Dungeons sind die Feinde stets sichtbar. Berührt ihr einen Kontrahenten, wechselt das Spiel in den Kampfmodus. Hier legen Yuri und seine wechselnden Party-Mitglieder in Echtzeit los. weiter...
Originalität darf man nicht erwarten, Tales of Vesperia ist jedoch eines der besseren Japano-RPGs auf der Xbox 360.
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Kommentare
Btw: Zwischensequenzen kann man beschleunigen indem man A+X gedrückt hält.
Naryoril
"Durch die nicht justierbare Perspektive verliert ihr manchmal den Überblick."
Stimmt nicht ganz, die Perspektive kann angepasst werden durch zoomen und den Blickwinkel. Gedreht werden kann sie jedoch nicht.
"Auch das Anvisieren der einzelnen Gegner fällt in der Hitze des Gefechts schwer."
Sorry, das kann ich echt nicht nachvollziehen. Wenn man RB drückt wird der Kampf pausiert und man kann in aller ruhe den nächsten Gegner auswählen, man sieht sogar wieviele Hitpoints der Gegner noch hat falls man mal eine magische Linse auf diesen Typ Gegner angewendet hat. Und wenn der gegner mal ausgewählt ist muss man nur noch nach links oder rechts laufen und drauf hauen, die genaue Ausrichtung übernimmt das Spiel.
Btw: Zwischensequenzen kann man beschleunigen indem man A+X gedrückt hält.
robih
MULTIPLAYER RPG!
mich persönlich hat nur das ewige nicht abbrechbare gequatsche immer genervt
naja, immer nur die ausgelutschten Genre-Konventionen (gerade auch was Helden, Story und Spielwelt angeht) runternudeln muss ja auch nicht sein. Beispielsweise Shadow Hearts hat gezeigt, dass man Traditionelles mit ein paar neuen Ideen auffrischen kann.
akillah
gutes game
hi 2 all,
also, ich find tales of vesperia sehr gelungen, die grafik ist echt geil, gameplay und atmosphäre auch top, mit genug umfang, für ein gutes rpg ist also alles da. ich versteh aber meistens nicht, wenn im fazit, (zitat
"Originalität darf man nicht erwarten, im Grunde kennt man sowohl Handlungselemente als auch Spielmechanikversatzstücke aus früheren Genre-Vertretern" steht.
....man kann ja nicht bei jedem neuen game "das spielen" neu erfinden, Originalität, Handlungselemente und Spielmechanikversatzstücke kann man nicht und braucht man nicht jährlich (von game zu game) umändern. ich finde den fortschritt des "virtuellen spielens" im moment völlig o.k.; also versteh ich es nicht, dass ein game deshalb ein paar prozentpunkte weniger punkte bekommt.
mfg
Unwahrscheinlich Razor

Brauchte im übrigen über 70 Stunden für den Titel, kann ihn nur empfehlen
Das ist aber etwas missverständlich ausgedrückt. Zum einen kann man ja auch einen anderen Charakter als Yuri steuern, zum anderen muss für ein Game Over die ganze Gruppe, inklusive der Reserveeinheiten abkratzen.
xRAZORx
Vielleicht kommt ja irgendwann ne Umsetzung für den PC.