18.06.2009 - Sebastian Thor
Och, wie putzig. Guckt euch nur diese verträumten Äuglein an, den geringelten Schwanz, die kleinen Beinchen. Das sollen Säbelzahntiger sein? Sehen aus wie Eichhörnchen, wenn sie da süß animiert über den Boden flitzen. Will man denen wehtun? Nein. Man will sie in den Arm nehmen, gaaanz kräftig knuddeln und lieb haben. Aber wer mit Star Ocean: The Last Hope auf diese intergalaktische Reise geht, muss Kompromisse machen und akzeptieren, dass Harpyien wie Schulmädchen kichern. Dass Menschenfresserbäume zwischen Mechs, Einhornwölfen, Honigbienen und Soldatenzombies aufs Schlachtfeld marschieren.
Man muss hinnehmen, dass Schatzkisten mit Rüstungen, Schwertern und Bögen immer dort stehen, wo man sie niemals erwarten würde. Dass das Menüdesign so altbacken und verschachtelt ist, wie man es seit Jahr und Tag im Genre gewohnt ist. Und dass da ein von kitschig über peinlich bis amüsant reichendes Spektrum infantiler Figuren lauert. Kurzum: The Last Hope ist ein Japano-RPG in Reinkultur, eines mit Höhen und Tiefen, starken und schwachen Momenten.
Es ist ein Spiel, das am Anfang erst mal den Format-c-Befehl erteilt, als die Erde dem Dritten Weltkrieg anheim fällt. Da sich unterirdische Bunker nach der Katastrophe nicht gerade als sicher herausstellen, greift die Menschheit nach den Sternen. Mit Schiffen, die in die Weiten des Alls starten, in eine Odyssee zur Erschließung neuer Lebensräume. Zum Beispiel die Calnus, auf der mit Edge Maverik und seiner besten Freundin Reimi zwei der Protagonisten und ihre herzliche Beziehung zueinander in den ersten Videos vorgestellt werden. Oder die Aquila mit ihrem Freund Crowe an Bord, die abstürzt und spurlos verschwindet. Zum globalpolitischen gesellt sich also auch ein persönlicher Antrieb in diesem Abenteuer, das Edge und seine Crew locker 50 bis 60 Stunden durchs All hetzt. Auf der Suche nach einem Freund, nach Antworten, nach einer neuen Heimat.
Das ist der solide Rahmen, der eine Bühne stützt, die karge und schöne Kulissen präsentieren kann. Karg, wenn man zum ersten Mal den Insektenplaneten Aeos betritt, der mit seiner spärlichen Vegetation, den schwammigen Bodentexturen und einem Grün-in-Grün-Pansch enttäuscht. Schön, wenn in den eisigen Höhen Lemuris' der Schnee unter den Stiefeln knirscht, wenn Gorillas über den weißen Teppich tapsen und sich Bergketten am Horizont aneinander zwängen. Aber das ist nur der Anfang dieser Reise: Später geht es durch den Sog eines schwarzes Lochs auf die Erde der 60er-Jahre, in eine verlassene Wüstenei mit Tankstellen, bevor man sich auf Roak an schunkelndem Gras, dichtem Laubwerk und den ersten traumhaften Ausblicken am glitzernden Wasser ergötzt.
In Tatroi weht zum ersten Mal sogar eine seichte Großstadtbrise - inklusive vom Wind gepeitschter Banner, Arenen, Gasthäuser, auf und ab laufender Wachen und Handelsständen. Ist die Kulisse trotz Detailschwächen unterm Strich gelungen? Ja, denn neben Strand und See-Idylle gibt es auch riesige Raumhäfen, die mit düsteren, in die Höhe ragenden Türmen und bizarrer metallener Architektur ein kaltes Gefühl von Feindseligkeit einfangen. weiter...
Obwohl der Soundtrack streckenweise eine grenzwertige Erfahrung und mancher vor sich hinplätschernde Dialog zu viel des Guten ist, entführen tri-Ace und Square Enix in eine sympathische Sci-Fi-Oper, ein ausuferndes Videospielmärchen, das über 60 Stunden auf gutem Niveau unterhält.
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Kommentare
Voodjin
Das Mädel auf dem Bild hat ganz schön lolige Ohren.
toul
auf jeden fall ein top spiel spiel das momentan und ich bin mehr als zufrieden
Naitsirk
Hm bei einige nicht so bombastisch guten RPG's geht das auch ohne Guidebook. Gibt ja Haufen leute die machen in ihrer Freizeit Guides und wenn das Spiel dan Spaß macht spielt man das locker 5-mal durch. Da findet man schon die Sachen selber raus, es sei denn es ist dermaßen gut versteckt und verborgen programmiert das man es im Leben nicht rausfindet (siehe FFXII Lanze)
Jain... es ist in JRPGs immer noch üblich, dass man die Formeln und Geheimnisse im Grunde nur per Guide rausfinden kann.
Muss nicht unbedingt das gekaufte Lösungsbuch sein, ne kostenlose Lösung aus dem Netz reicht auch ... aber woher hat der Schreiber seine Informationen? Riiiichtig, aus dem Lösungsbuch.
Naitsirk
Ich hab die Liste mal schnell angesehn und hab jetzt schon ein Punkt gefunden der anscheindend etwas veraltet ist.
Nr. 173
Naja, gut, schieb ich's halt auf's JRPG-Klischee Nr 19:
Nachzulesen hier:
http://project-apollo.net/text/rpg.html
Ja doch, wenn sie nichts geschrieben hätten, hätten sich auch alle aufgeregt. So oder so, lol.
Das ist einfach ein Gedanke, der nicht zu Ende geführt wurde. Zumindest ist mir nichts bekannt, lasse mich aber gerne vom Gegenteil überzeugen. Vermutlich wissen all die anderen Charaktere so viel mehr über die Galaxie und ihre Wesen, dass das alles eine Selbstverständlichkeit ist.
Zu deiner Frage: Es gibt keine Antwort.
Hrhr naja, die Hintergrundgeschichte liest sich eh keiner durch. Hätten sie Lymle im Handbuch einfach als 8 jährige abgestempelt, hätte sich doch auch niemand aufgeregt.
Aber da ich grad euer Gehör habe, eine Frage:
Wieso benutzen alle mittelalterliche Waffen? Bei den Bugs wurde ja erklärt, wieso die Railguns nicht funktionieren. Aber ich bezweifel, dass sie in der ganzen Galaxie wirkungslos sind.
Oh und ja, hatte mit Star Ocean viel Spaß. Leider hat Tri-Ace (mal wieder) tief in die Klischeekiste gegriffen. Und richtig spannende Stories haben sie leider auch nie hinbekommen.
Star Ocean ist übrigens (IMO) kein schlechtes Spiel. Es hat viele, offensichtliche Mängel und es fühlt sich für mich fast schon wie eine dieser Endlos-Anime-Serien an (surprise, surprise
Ich mag sie nicht.
Keine Ahnung, mich nervt sie einfach. Und überhaupt: Sie sieht aus wie 8. Aber eben: J-RPG, da ist so etwas an der Tagesordnung. Schade nur, dass sich das Genre (IMHO) seit zehn Jahren bestenfalls im Kreis dreht.
Sie ist einfach göttlich
Hehe, der erste Tester der Lymle mag.
xRAZORx
Schade, nur für 360