Aber durch den massiven Schaden, den die Brocken verursachen können, wird die Gruppe schnell aufgerieben, wenn man nicht aufpasst. Der Moment, wenn der Gigant nach einer halben Stunde schweißtreibender Arbeit endlich zusammenbricht, ist unbezahlbar und fühlt sich gut an. Auch wenn man die manuelle Zielerfassung schmerzlich vermisst und sich das Anvisieren der Gegner zuweilen fummelig anfühlt, spielt tri-Ace auf der kämpferischen Seite die großen Stärken aus.
Genauso gelungen fällt die Charakterentwicklung aus, die von Heilung über kritische Treffer bis hin zu alchemistischen, technischen, esoterischen oder handwerklichen Kenntnissen für jede Figur einen reichhaltigen und herrlich freien Fundus abdeckt. Darüber hinaus ticken hier wieder die typischen JRPG-Logiken, wenn Rüstungen oder Schwerter in Kisten liegen, wenn nützliche Handbücher die Fertigkeiten aufwerten und sich die altbekannte Spirale aus Kämpfen, Entdecken und Aufsteigen wieder dreht - nach einer gewissen Zeit so schnell und intensiv, dass man trotz verdammt überschaubarer Spielmechanik weitermacht.
Und trotz so mancher erzählerischer Durststrecke: Dieses Abenteuer kommt spät in Fahrt, schubst euch stundenlang von einem spärlich gesäten Höhepunkt zum nächsten, bis es sich nach einigen Stunden endlich erbarmt und die Story-Karten langsam auf den Tisch legt. Bis es so weit ist, könnten Ungeduldige längst in einem Strudel aus Allerweltsdialogen und Smalltalk verloren gehen. Denn wie für Japano-RPGs üblich lassen die Entwickler ein Ensemble stereotypischer Nipponfiguren aufmarschieren - natürlich nicht ohne beißendes Kindchenschema, kitschiges Modedesign und die typischen Ecken und Kanten fernöstlicher Rollenspiele. Wenn da auf einmal eine vollbusige Zauberschubserin auftaucht, fühlt man sich zuerst an die grausigen Designsünden eines Dead or Alive: Extreme Volleyball erinnert, ist froh, dass sie sich der Gruppe nicht anschließt. Nicht sofort. Wenn danach hingegen ein knapper als ein Pornosternchen bekleidetes Mädchen mit Katzenohren den Weg kreuzt und auf Schritt und Tritt miaut, kratzt man sich am Kopf.
Es ist ja nicht so, dass sämtliche Charaktere uninteressant wären. Vor allem das explosive Gemisch aus Cyborg Bacchus, Tüftlerin Welch, Lymle und Elf Faize sorgt immer wieder für lebendige Situationen und für richtig lustige Zwischensequenzen, die man mit einem dicken Grinsen verschlingt. Wobei Lymle der Star im Ring ist: Alleine dieses kleine Mädchen ist richtig unterhaltsam, plappert mal apathisch, mal altklug daher und beendet jeden Satz mit einem gewinselten „Mmkay" - wer ein bisschen Gespür für verschrobene, schrullige Unterhaltung hat, wird sie genauso lieben wie wir. Aber irgendwie schaffen es die Entwickler trotz kräftiger englischer Sprecher in letzter Instanz nicht, dem infantilen Eindruck von Kulleraugen und bestenfalls jugendlichen Gesichtszügen zu entkommen, der dem Spiel und seinen Stars bis zum Ende anhaftet - Konkurrenten wie Lost Odyssey sind da schon einen Schritt weiter.
Je mehr Personen sich der Expedition anschließen, desto länger werden die Dialoge. Anfangs ist hier noch alles überschaubar und auf wenige Personen beschränkt - die Gespräche halten sich in Grenzen. Aber nach und nach kommen neue Gesichter hinzu, die sich natürlich nicht zurückhalten. Da wird dann oft minutenlang über Kekse oder den Sinn eines Verkaufsautomaten diskutiert, ohne dass man viel mehr tun könnte, als ein Textfenster nach dem anderen wegzuklicken. Gegen Ende vielleicht zu oft.
Freilich kennen Japano-RPG-Fresser diese Längen und immerhin rollt sich Dialog für Dialog der Hintergrund der einzelnen Personen aus. Wer also keine Textwüsten scheut und über Stunden hinweg mühselig ein erzählerisches Mosaik zusammensetzen will, wird hier fündig werden. Zumal man an bestimmten Schlüsselpunkten (meist an Bord der Calnus) die Beziehung zu den Gefährten beeinflussen kann, was immer wieder zu unterschiedlichen Situationen und sogar verschiedenen Endsequenzen führt. weiter...
Obwohl der Soundtrack streckenweise eine grenzwertige Erfahrung und mancher vor sich hinplätschernde Dialog zu viel des Guten ist, entführen tri-Ace und Square Enix in eine sympathische Sci-Fi-Oper, ein ausuferndes Videospielmärchen, das über 60 Stunden auf gutem Niveau unterhält.
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Kommentare
Voodjin
Das Mädel auf dem Bild hat ganz schön lolige Ohren.
toul
auf jeden fall ein top spiel spiel das momentan und ich bin mehr als zufrieden
Naitsirk
Hm bei einige nicht so bombastisch guten RPG's geht das auch ohne Guidebook. Gibt ja Haufen leute die machen in ihrer Freizeit Guides und wenn das Spiel dan Spaß macht spielt man das locker 5-mal durch. Da findet man schon die Sachen selber raus, es sei denn es ist dermaßen gut versteckt und verborgen programmiert das man es im Leben nicht rausfindet (siehe FFXII Lanze)
Jain... es ist in JRPGs immer noch üblich, dass man die Formeln und Geheimnisse im Grunde nur per Guide rausfinden kann.
Muss nicht unbedingt das gekaufte Lösungsbuch sein, ne kostenlose Lösung aus dem Netz reicht auch ... aber woher hat der Schreiber seine Informationen? Riiiichtig, aus dem Lösungsbuch.
Naitsirk
Ich hab die Liste mal schnell angesehn und hab jetzt schon ein Punkt gefunden der anscheindend etwas veraltet ist.
Nr. 173
Naja, gut, schieb ich's halt auf's JRPG-Klischee Nr 19:
Nachzulesen hier:
http://project-apollo.net/text/rpg.html
Ja doch, wenn sie nichts geschrieben hätten, hätten sich auch alle aufgeregt. So oder so, lol.
Das ist einfach ein Gedanke, der nicht zu Ende geführt wurde. Zumindest ist mir nichts bekannt, lasse mich aber gerne vom Gegenteil überzeugen. Vermutlich wissen all die anderen Charaktere so viel mehr über die Galaxie und ihre Wesen, dass das alles eine Selbstverständlichkeit ist.
Zu deiner Frage: Es gibt keine Antwort.
Hrhr naja, die Hintergrundgeschichte liest sich eh keiner durch. Hätten sie Lymle im Handbuch einfach als 8 jährige abgestempelt, hätte sich doch auch niemand aufgeregt.
Aber da ich grad euer Gehör habe, eine Frage:
Wieso benutzen alle mittelalterliche Waffen? Bei den Bugs wurde ja erklärt, wieso die Railguns nicht funktionieren. Aber ich bezweifel, dass sie in der ganzen Galaxie wirkungslos sind.
Oh und ja, hatte mit Star Ocean viel Spaß. Leider hat Tri-Ace (mal wieder) tief in die Klischeekiste gegriffen. Und richtig spannende Stories haben sie leider auch nie hinbekommen.
Star Ocean ist übrigens (IMO) kein schlechtes Spiel. Es hat viele, offensichtliche Mängel und es fühlt sich für mich fast schon wie eine dieser Endlos-Anime-Serien an (surprise, surprise
Ich mag sie nicht.
Keine Ahnung, mich nervt sie einfach. Und überhaupt: Sie sieht aus wie 8. Aber eben: J-RPG, da ist so etwas an der Tagesordnung. Schade nur, dass sich das Genre (IMHO) seit zehn Jahren bestenfalls im Kreis dreht.
Sie ist einfach göttlich
Hehe, der erste Tester der Lymle mag.
xRAZORx
Schade, nur für 360