12.01.2009 - Sven Mittag
Wie es sich für ein Online-Rollenspiel gehört, trumpft auch Spellborn mit einer umfangreichen Hintergrundgeschichte auf, die euch erklärt, wieso ihr für die nächsten Wochen oder gar Jahre durch die Reste der Ahnenwelt wandert und kämpft. Der Spieler schlüpft wahlweise in die Rasse der Menschen oder die Haut der amphibischen Daevi. Die beiden Rassen haben vor Urzeiten gegen ihre Dämonenmeister rebelliert, was zur Folge hatte, dass ihre Welt zerbarst und nun nur noch vereinzelte Scherben existieren. Als Spieler startet man auf einer solchen Scherbe und muss sich zunächst als Rekrut der Miliz von Hawksmouth beweisen.
Die nette Fantasy-Geschichte muss man sich mühsam aus dem Handbuch oder Fanseiten zusammenklauben - die Präsentation von The Chronicles of Spellborn fällt erschreckend lahm aus. Hier und da gibt es ein paar Informationshäppchen in den Questtexten. Ansonsten wisst ihr gerade zu Beginn weder, wo ihr seid, wieso ihr hier seid oder warum ihr eigentlich gerade irgendwelche Befehle ausführt. Ein guter Einstieg in die Spielwelt sieht da anders aus.
Der schwierige Einstieg wird zudem dadurch verstärkt, dass auch das Tutorial auf das Nötigste beschränkt ist. Hier und da werden euch die Grundzüge der Steuerung erklärt, danach seid ihr auf euch allein gestellt. Dies ist vor allem dann schwierig, wenn sowohl Spielmechanik, als auch Spielsteuerung deutlich von den Genre-Normen abweichen und die Erklärung im munteren Wechsel einmal in einem recht gutem Deutsch daherkommen, nur um dann wieder abschnittsweise in Englisch zu sein. Eine solch unvollkommene Übersetzung gab es das letzte Mal bei Everquest II zu bestaunen.
Wer nun auf die Idee kommt, einfach via Chat seine Mitspieler um Rat zu fragen, wird zumindest wochentags zunächst noch seine Probleme haben. Während am Wochenende die Spielerzahlen auf den Servern auf ein erträgliches Maß ansteigen, herrschte zumindest in den Anfangswochen nach Veröffentlichung des Spiels während der Woche gähnende Leere auf den Scherbeninseln, sodass man bei der Erkundung der Spielwelt auf sich allein gestellt war. Und das fällt schließlich nicht nur wegen des verbesserungswürdigen Tutorials schwer. Gehen immer mehr Online-Rollenspiele wie kürzlich erst Age of Conan den Weg, Spieler mit genauen Markierungen auf der Karte nervtötende Sucharbeiten zu ersparen, muss man sich bei Spellborn in den einzelnen Quests auf grobe Erklärungen verlassen. Wer einen bestimmten NPC suchen muss, darf so Ewigkeiten suchen.
Immerhin überzeugt während euren Erkundungstouren das Art Design, sodass etwas für euer Auge geboten wird. Die Scherbenwelt von Spellborn erinnert vom Design her an eine Mischung aus einer mittelalterlichen Fantasy-Welt und der majestätisch wirkenden Scherbenwelt aus dem ersten World-of-Warcraft-Addon. Riesige Gesteinsschollen schweben über eurem Kopf, während ihr dichte Wälder erkundet. Wunderschöne Lichteffekte beleuchten die teils weitläufigen Flächen.
So hübsch das Art Design jedoch sein mag, technisch gibt es auch hier einiges auszusetzen. Der Polygon-Count der einzelnen Objekte fällt bei genauerem Hinsehen recht niedrig aus und die modifizierte Unreal 2.5-Engine geht selbst auf leistungsstarken Rechnern gerne einmal in die Knie. Zudem wirken viele Animationen unfertig. Gerade die recht natürlich agierende Tierwelt bewegt sich häufig hölzern durchs Gebüsch. Im Gegenzug überzeugen die recht detaillierten Texturen und die deutlich unterschiedlichen Szenarien, die euch auf den Scherben erwarten.
Während die Grafik somit ein zweischneidiges Schwert ist, gibt es von der akustischen Seite aus fast nur Positives zu berichten. Zwar verzichtet das Spiel komplett auf Sprachausgabe, dafür sind die Soundeffekte recht gelungenen und der Soundtrack schlicht eine Wucht. Letzterer stammt dabei aus der Feder von Jesper Kyd, der schon die musikalische Begleitung zur Hitman-Serie und Assassin's Creed besteuerte. Erneut baut Kyd dabei auf eher unterschwellige Ambiente-Musik, die sich nahezu perfekt für Online-Rollenspiele eignet, da sie nicht so schnell ermüdet. weiter...
Wer die erste Einstiegshürde übersteht, darf sich auf ein atmosphärisches wie neuartiges Spielgefühl freuen.
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Kommentare
WTFUAR
Malware
Ich wiederhole es hier noch einmal:
Dieser nprotect-schund versteckt nicht nur einfach die Prozesse, nein es veraendert zur Laufzeit wichtige Systemdateien wie:
rundll32.exe
wmiapsrv.exe
taskmgr.exe
Andere Netzwerkanwendungen (bspw. Browser) waren nicht mehr zu verwenden. Ihr gebt mit der Installation die Kontrolle ueber euren Rechner komplett ab. Wieso, stellt sich mir die Frage, bringen die solche Software nicht fuer Konsolen heraus?
kaniran
gezokkt
habe die beta gezokkt da gab es es nur auf english und ich fande dass spiel sehr schlecht wie schon gesagt man wird ins kalte wasser geschmissen geschmackssache ist nun net so meins
Gambit
Ungenaue Angaben
Ich würde mich auch wünschen, dass diese "ungenauen" Angaben differenzierter betrachtet wird. Natürlich es bequem wenn man einfach immer die markierten Punkte aufsucht, alles erledigt und wieder zum grünen Pfeil zurückkehrt. Aber ich erinner mich gut, wie das zB bei Oblivion mein Spielspaß zerstört hat. Ich musste mich nicht mehr mit irgendwas auseinandersetzen und groß suchen - es war einfach immer schön da. Na ja - klar, vllt hätte ich es einfach selbst entscheiden müssen, aber seitdem weiß ich, dass rätselhafte Angaben (also nicht ungenau - es muss ja schon beschrieben sein) auch spannend sind und man sich tiefer mit der Geschichte verbindet.
Ich würde mir einfach wünschen, wenn man dieses Feature nicht so einseitig betrachtet.
one_of_one
Kostenlos
nea
"Zum Schluss noch zu den Kosten von Spellborn: Wie üblich fallen auch bei The Chronicles of Spellborn monatliche Kosten an. Nach dem Kauf des Spiels im Laden dürft ihr je nach Version 1 bis 3 Monate kostenlos spielen. Danach werden knapp 13 Euro für jeden weiteren Monat fällig. Wer will, darf sich das Spiel auch kostenlos auf der Webseite herunterladen und muss vom Start weg die Monatsgebühr zahlen."
nivekkunz
Kostenlos
Ist das dass Kostenlose online Game
one_of_one
Also mir hat die Beta nicht so gefallen. Ich hätte mir wenigstens gewünscht, dass man sich aussuchen kann, ob man Questpfeile haben will oder nicht. In "richtigen" Rollenspielen mag ich es zwar, die Gegend selbst zu erkunden und zu erforschen (da stören mich dann Questpfeile), aber in einem MMO hab ich einfach keine Lust viele Texte zu lesen, um voranzukommen. Vor allem, da die Quests auch nichts wirklich Besonderes sind.
Das Kampfsystem funktioniert dafür ganz gut - auch wenn ich mir hier sehr viel mehr von der Gegner-KI erhofft und auch erwartet habe. Von dem vorher groß angekündigten Gruppenverhalten der Gegner hab ich kaum was gesehen. Die stürmen blind auf den Spieler zu und lassen sich relativ leicht austricksen. Einfach die Gegner umtänzeln und ab und zu im richtigen Moment zuschlagen und man kommt auch mit deutlich stärkeren Gegnern problemlos klar. Allerdings wird das auf Dauer dann doch recht öde, da man durch den langsamen Levelaufstieg so selten neue Fertigkeiten bekommt.
Die Umgebungen haben mir ganz gut gefallen, aber leider sieht es alles so grau in grau aus. Da wäre viel mehr drin gewesen. Der Stil geht mir auch etwas zu sehr ins Comichafte (das sah auf früheren Screenshots nicht ganz so "schlimm" aus) - aber das is sicher Geschmackssache.
Durch den geringen Preis kann man aber durchaus mal reinschauen und dann entscheiden. Mein Spiel isses leider nicht (auch wenn ich mich sehr darauf gefreut habe). Muss ich weiter auf Stargate Worlds und Star Trek Online warten...und Guild Wars 2.
nea
Hallo,
ich bin auch einer der Spellborn Early Adopter, allein weil ich ewig drauf gewartet habe und mir hat es durchaus Spaß gemacht. Der Einstieg ist schwer, die Texte hab ich sowieso auf Englisch, und die ungenauen Angaben, naja, ich mag sowas (Explorer drang).
Allein weil es etwas komplett anders macht verdient es ein wenig Beachtung. Und wenn sie künftig in nicht zu langen Abständen Content wie im ersten Patch nachliefern dann kann sich Spellborn durchaus seine kleine, aber feine Gemeinde aufziehen. Man betrachte auch nur Eve Online, was nun wirklich kein einfaches Einsteigerspiel ist, und trotzdem hält es eine sehr lukrative Community. Man darf sich nicht mit WoW immer vergleichen. Sowas wird auch Blizzard in meinen Augen kein zweites mal gelingen.
Allgemein würde ich sagen: Klar, es ist Geschmackssache, aber es gibt eine Trial und einen günstigen Einstieg. Probiert es aus! Wartet vielleicht noch einen Monat bis der Tutorial Patch online ist, aber ansonsten, probiert es einfach aus!