08.12.2008 - Stephan Fassmer
Am Anfang der Geschichte steht ein Einbruch in der Eremitage in Sankt Petersburg. Allerdings sind dort nur die inneren Sicherheitssysteme ausgefallen und gestohlen wurde scheinbar auch nichts. Trotzdem will der Polizeioberst und ehemalige KGB-Offizier Sergej Vasilievic Ostankovic der Sache auf den Grund gehen und holt sich dazu Hilfe von seiner ehemaligen Untergebenen Larisa Ivanova Svetlova und dem Kunstfälscher Maxime Durand. Durch die Nachforschungen der beiden stellt sich schon bald heraus, dass im Museum mehrere Gemälde durch Kopien ausgetauscht wurden und ein mysteriöser Kult hinter dem Einbruch steckt.

Mehr wollen wir an dieser Stelle nicht verraten, denn zwei der Stärken von Memento Mori sind fraglos die gut ausgearbeitete Story und die glaubwürdigen Charaktere. Hier wird nicht gewitzelt oder absurd herumgeraten, sondern ernsthaft recherchiert. Und das passt auch zum Ton und zur Atmosphäre des Abenteuers, das freilich nicht gerade durch Tiefgang besticht, aber eine Geschichte erzählt, die fast bis zum Schluss hin spannend bleibt. Zwar erinnert die Story immer wieder an Das Sakrileg im Groschenheft-Stil, aber dafür ist sie sehr gradlinig erzählt.
Dazu tragen unter anderem die Rätsel bei. Diese sind im Allgemeinen so einfach gehalten, dass selbst Anfänger kein Problem mit ihnen haben sollten. Im Normalfall reicht es aus, ein oder zwei Locations zu besuchen und die ein oder zwei wichtigen Gegenstände, die ihr dort findet, miteinander zu kombinieren, um auf die Lösung zu kommen. Das Spiel hilft dem Spieler sogar so weit, dass in der Hotspot-Anzeige Objekte farbig markiert sind, um auf deren Wichtigkeit aufmerksam zu machen. Grau angezeigte Gegenstände unterstützen hierbei nur die Spielatmosphäre und sind nach einmaligem Ansehen häufig nicht einmal mehr auswählbar.
In dieser Einfachheit klingt das natürlich erst einmal sehr öde, funktioniert aber innerhalb des Spiels dann doch sehr gut, weil die Geschichte auf diese Weise so gut wie nie ihren Fluss verliert. Das bedeutet auch, dass die einzelnen Spielsequenzen recht kurz geraten sind und der Spieler immer wieder mit Zwischensequenzen belohnt wird, die die Geschichte voranbringen. In dieser Hinsicht funktioniert Memento Mori eher wie ein interaktiver Film als wie ein klassisches Adventure - und das ist nicht negativ zu werten.
Auch ansonsten greift der Titel dem Rätselfreund ordentlich unter die Arme. Wollt ihr im Inventar zwei Gegenstände miteinander kombinieren, wird euch farbig angezeigt, ob das möglich ist. Und neben der Hotspot-Funktion kommen auch Hilfen wie Laufen und das sofortige Verlassen von Locations durch Doppelklick zum Einsatz, wobei Letzteres allerdings an einigen Stellen nicht funktioniert. Zudem gibt euch ein Cursor-Icon an, welche Funktionen mit einem Objekt möglich sind: Gibt es zwei Möglichkeiten, wird das Icon zum Beispiel in ein Symbol für Untersuchen mit der linken Maustaste und Anwenden mit der rechten unterteilt - sehr praktisch.
Etwas undurchschaubar ist hingegen das Dialogsystem. Hier erwarten euch keine Multiple-Choice-Antworten, sondern nur die Möglichkeiten, freundlich, unfreundlich oder fragend zu antworten. Dabei kommt es sogar häufig vor, dass von euch eine bestimmte Reaktion erwartet wird, ihr also immer wieder in den Dialog geratet, bis ihr die richtige Antwort gebt. Auf der anderen Seite ist es manchmal auch völlig schnuppe, wie ihr reagiert, weil euch jede Antwort auf die gleiche Art und Weise weiterbringt. Das ist besonders eigenartig, weil dieses System grundsätzlich suggeriert, dass sich die Handlung durch die verschiedenen Reaktionen verändern könnte. weiter...
Das Spiel dürfte all jene ansprechen, die ein interaktiver Film überzeugen kann. Unter diesem Gesichtspunkt sicherlich nicht das Adventure des Jahres, aber ein Spiel, das eine seit Langem vernachlässigte Nische des Genres hervorragend ausfüllt.
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Kommentare
Achtzig Prozent sind meienr Meinung nach noch ein paar Prozentchen zu viel für Memento Mori. Zwar ist die Grafik wie beschreiben wunderbar, aber leider auf Kosten von vielen Rucklern und für ein Adventure doch recht langen Ladezeiten.
Die Rätsel sind nicht nur zu einfach, sondern auch zu rar gesäht. Mir kam es so vor, als verfolge ich eine vorgegebene Geschichte und muss lediglich an der ein oder anderen Stelle eingreifen.
Und es ist wieder einmal ein Adventure, welches sehr kurz ist: An zwei Nachmittagen war ich durch. Wo sind die guten alten Adventures, an denen man zwei bis drei Wochen spielte?
Was die Story angeht nur soviel: krank!
Bis zum vorletzten Kapitel alles wunderbar durchdacht und umgesetzt, doch es hätten dann vor dem letzten Kapitel ruhig noch drei oder vier Kapitel eingeschoben werden können. Das Ende kommt viel zu plötzlich und unerwartet und ist vollkommen unpassend. Alles in allem fehlt es an Action. Keine Explosionen, nur ein Mord, nie ist man wirklich unter Zeitdruck, keine spannenden Zwischensequenzen.
Ich ziehe Geheimakte und den Da Vinci Code vor.