01.12.2008 - Andreas Altenheimer
Auch richtig fiesen Bösewichtern ist manchmal langweilig, doch einem Darth Vader oder einem Hannibal Lector dürfte kaum jene Idee in den Sinn kommen, die sich Strong Bad ausgetüftelt hat: einen echten Spielfilm mit Freunden und Erzfeinden zu drehen. Dangeresque 3 heißt das gute Stück und ist bereits fertig auf Videokassette gebannt. Strong Bad setzt sich zusammen mit seiner Crew vor den Fernseher und zusammen schauen sie sich das finale Ergebnis an. Nun kommt ihr zum Einsatz, denn ihr spielt quasi wie in einem gewöhnlichen Adventure diesen Film nach.
Diese an sich schon sehr originelle Idee lebt von zwei weiteren Faktoren: Zum einen ist der Plot herrlich bizarr und absichtlich unfreiwillig (!) komisch. Zum anderen hatte Strong Bad nicht die finanziellen Mittel für einen professionellen Actionfilm, weshalb er heftigst improvisieren musste. Ein Besuch in Paris wird in Form eines Papp-Eiffelturms dargestellt, Strong Bad musste mehr als ein halbes Dutzend Rollen übernehmen und Cheat rennt hinter dem stehenden Auto mit einem Baum vor und zurück, damit es so aussieht, als würde sich das Gefährt bewegen.
Stellt euch einfach vor, ein paar sehr lebendige wie phantasievolle Kinder drehen einen James-Bond-Film. Addiert dazu die gewohnt simple Grafikpräsentation und die absichtlich schlichte Sprachausgabe: Schon habt ihr eines der genialsten Adventures, die es bislang im Episodenformat gab. Allein die "schlechten" Schnitte oder die versehentlich gemachten Aufnahmen sind herrlich liebevoll in Szene gesetzt.
Auch beim Rätseldesign haben sich die Entwickler schwer ins Zeug gelegt und fast durchweg der Logik die Oberhand gegeben. Allerdings haben sie dadurch gleichzeitig den Anspruch zurückgeschraubt, weshalb ihr euch leider sehr schnell durch das Abenteuer rätselt. Es erinnert ein wenig an die dritte Episode aus der ersten Saison von Sam & Max, nur dass diesmal die hervorragende Story einen akzeptablen Ausgleich schafft.
Selbst die Grafik profitiert von der Idee, weil Strong Bads zweifelhaftes Talent zur Improvisation perfekt zum einfach gehaltenen Setting passt. Die nach wie vor umstrittene Sprachausgabe entpuppt sich so langsam als Gewöhnungssache, der Soundtrack hingegen gefällt mit seinem Film-Noir-Touch auf Anhieb, jedoch könnte er auf Dauer mehr Abwechslung vertragen.
Das obligatorische Minispiel im Atari-VCS-2600-Stil ist diesmal an Star Raiders angelehnt. In extrem minimalistischer 3D-Grafik ballert ihr auf böse Clowns, rettet hilflose Menschen und weicht zerstörerischen Asteroiden aus, die beispielsweise die Form einer Erdnuss besitzen. weiter...
Was die Jungs von Telltale hier abliefern, gleicht beinahe einem Quantensprung: Die Idee, dass unsere freakigen Comic-Helden einen Spielfilm mit Minimalbudget drehen, ist genial und fantastisch umgesetzt.
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