20.10.2008 - Andreas Altenheimer
Es reicht endgültig: Zunächst lässt der König jede E-Mail versteuern und dann setzt er Strong Bad auch noch unter Hausarrest, bis der seine Schulden abbezahlt. Das lässt sich kein Bösewicht gefallen, weshalb er einen Eroberungsplan ausheckt: Der König muss weg und Strong Bad ist dazu jedes Mittel recht, seine insgeheim ungeliebten "Freunde" mit einzubeziehen.
In Strong Badia the Free nimmt Telltale nicht nur Adventures und das Internet aufs Korn, sondern auch Strategiespiele. Sobald ihr die Hausarresthürde gemeistert habt, kämpft ihr euch von Territorium zu Territorium bis zum Schloss des Königs vor. Jedes Gebiet ist von einem Charakter besetzt, unter anderem Strong Sad, Pom Pom und Marzipan. Ihr müsst jeden einzelnen von ihnen überzeugen, bei eurer Sache mitzumachen und gegen den König zu rebellieren.
Hierfür meistert ihr konventionelle Adventure-Rätsel, welche glücklicherweise nicht so lieblos und ideenarm hingeklatscht sind wie jene in der ersten Episode Homestar Ruiner. Diesmal stimmt die Beziehung zwischen Aufgaben und Story, zudem gibt die simple, aber lustige Idee mit der Eroberung von Territorien dem Ganzen einen frischen Ansatz.
Auf der anderen Seite neigt Strong Badia the Free etwas stärker zu Trial&Error-Rätseln. Gerade am Ende müsst ihr vieles stur ausprobieren, logisches Nachdenken allein reicht da leider nicht mehr aus. Die Abgedrehtheit so mancher Aufgabe toppt sogar den Irrsinn jeder Sam&Max-Folge.
Ohne ein Faible für absichtlich schlecht gezeichnete Charaktere, extra überzogenes Verhalten und bewusst an den Haaren herbeigezogene Plot-Wendungen solltet ihr es gar nicht erst probieren. Lasst ihr euch jedoch darauf ein, dann gefällt euch mit Sicherheit die Art des Humors. Dieser zündet trotz beabsichtigter "Schlechtheit" besser als in Homestar Ruiner, was die erhöhte Anzahl spontaner Lacher während des Testspiels zeigte.
Alle restlichen Meckerpunkte sind leider geblieben: Die Grafik ist streng genommen nicht ohne Charme, gilt aber sicherlich nicht für jedermann als stilvoll. Die Sprachausgabe hat in Sachen Betonung etwas zugelegt, jedoch sind einige Stimmen immer noch sehr gewöhnungsbedürftig. Der Gesamtumfang der Episode dümpelt eher unterhalb der Zwei-Stunden-Marke als darüber, was natürlich vom eigenen Erfolg beim Rätseln abhängt.
Abschließend ein Lob für ein Goodie: Das in dieser Episode integrierte Minispiel, welches wieder rein im Atari-VCS-2600-Stil gehalten ist, ist auf bizarre Weise richtig clever. Auch wenn es kaum spielerischen Nährwert besitzt und selbstredend "absichtlich schlecht" gemacht ist: Eine solch kranke Mischung aus Beat'em-up und Mathematikaufgaben (!) haben wir noch nicht gesehen. weiter...
Der Fortschritt ist groß genug: Inzwischen glaube ich schon, dass diese Serie im Gesamten gut werden könnte.
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